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„Heute besonders schön“

06.06.2017

Heimspiel für Udo Lindenberg in Hamburg

Gegen 20.15 Uhr ist es dann soweit: Auf der riesigen Videoleinwand tosen Wellen, die Band und sexy Tänzerinnen entern die Bühne. "Odyssee" erklingt, das Publikum tobt. Aber Udo – wo ist Udo? Da: Lässig segelt er in einer Art Käfig von der Hallendecke herab, winkt den Fans neckisch zu. Was für ein Auftritt! Danach geht es ohne Pause weiter: „Einer muss den Job ja machen“ macht Stimmung. Udo schwingt das Mikrokabel, die schmalen Hüften und ist Eins A bei Stimme.

„Hamburg, die Stadt, die ich sehr liebe“, begrüßt Lindenberg sein Publikum. „Die schlafenden Vulkane!“ Er verrät, das jede Menge Freunde und Familie im Publikum sitzen. „Da wird die Nachtigall heute besonders schön singen!“ Das Versprechen setzt der Panikrocker direkt in die Tat um, indem er zu „Cello“ ansetzt. Den Song singen nicht nur die Fans begeistert mit – auf der Bühne hilft auch Stargast Johannes Oerding. Er verleiht dem Song eine ganz spannende neue Nuance.

Kein Stück weniger geriet „Durch die schweren Zeiten“. Der Song ist vom neuesten Album. Trotzdem sang das Publikum ergriffen mit. Gänsehaut. Klar, dass danach etwas zackigeres die Emotionen wegputzen muss: Ein rotziges „Plan B“ erledigt den Job bestens.

Nachdem Udo nicht nur wild getanzt hat, sondern sich sogar über die Bühne kugelte (Udo, machst du Yoga?), wird der Sänger ernst. „Wie lange muss ich diesen Song eigentlich noch singen?“, fragt er, bevor er mit „Wozu sind Kriege da?“ beginnt. Missmutig zählt er auf, wieviel Geld weltweit für Waffen ausgegeben wird.

„Und den Schampus saufen die Industriellen“ - und „dieser Schwachmat Trump“. Lauter Jubel. Als dann noch ein Kinderchor mit auf die Bühne kommt, kennt die Begeisterung kein Halten mehr.

Mehr geht nicht? Da zaubert Lindenberg eben Peter Maffay aus dem Hut, mit dem er „Straßenfieber“ rockt. Arm in Arm stehen die beiden Lederjackenträger auf der Bühne. Auf der Videowand rauschen derweil Fotomontagen von Putin, Erdogan, Björn Höcke und Frauke Petry in Narrenkappen vorbei. Der Panikrocker zeigt ihnen den Stinkefinger.

Überraschend viel Spaß macht ein Gastauftritt von Daniel Wirtz: Er rappt eine Version von „Rock Me, Amadeus“, nur eigens für Udo. „Er war ein Virtuose, war ein Rockidol“. Stimmt! Nicht für Udo, sondern für dessen Schwester Inge („die heute hier ist“) steht danach das eindrucksvolle „Stärker als die Zeit“ auf dem Programm.

Kein Song fällt hinter dem vorherigen ab. Die Bühnenshow samt Videos, Licht und Tanzchoreografie ist für jede Nummer aufwändig ausgetüftelt. Und immer, wenn man keine Überraschungen mehr erwartet, steht plötzlich Otto Waalkes auf der Bühne. Oder ein spektakuläres Pyro-Feuerwerk erleuchtet die Halle.

Das größte Spektakel dieses Wahnsinnskonzerts ist aber der Panikrocker selbst. Er scheint schlicht nicht müde zu werden - tanzt, kräht und schäkert mit dem Publikum wie ein 18-Jähriger. Der Mann hat eine Power, das ist unfassbar. Statt ein oder zwei Zugaben regnet es noch haufenweise feinste Songs auf die Fans herab. Für dieses Konzertticket hat sich jeder Euro gelohnt. Bravo, Udo!

Text: Wiebke Tomescheit
Foto: Tine Acke

Quelle: Hamburger Morgenpost, 06.06.2017