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«Schattenfrau» des Panikrockers im Rampenlicht

30.09.2010

Hamburg/dpa. Udo Lindenbergs «Shadow-Frau» meidet das Rampenlicht noch immer - das überlässt sie nach wie vor lieber dem Meister der Selbstinszenierung. Doch jetzt verlässt die Hamburger Fotografin Tine Acke ihren Platz im Schatten zum ersten Mal.

Die «engste Komplizin» des Musikers, die seinem Herzen «verdächtig nah ist», hat ihr erstes Buch veröffentlicht - ein opulentes Werk über den Deutschrockpionier. Mehr als 400 Fotos, die rund um das denkwürdige Comeback des Panikrockers mit dem Album und der Tour «Stark wie Zwei» entstanden sind, zeigt sie in dem gleichnamigen Bildband. Seit zwölf Jahren ist sie die Nummer eins unter Lindenbergs «Geheimrätinnen» - wie er seine Vertrauten gern nennt -, doch bislang hielt sie sich stets im Hintergrund.

Nun rückt ihre ganz persönliche Lindenberg-Nahaufnahme, die in diesen Tagen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erscheint, die 33-Jährige selbst ins Rampenlicht. Ganz neu und aufregend, aber auch ein bisschen befremdlich sei es für sie, nun ebenfalls Interviews zu geben. «Aber für dieses Buch kann man das wohl mal machen», sagt die Hamburgerin, und meint damit das Denkmal, das sie der Rocklegende mit ihren Fotografien setzt. Der Mann mit Hut, der als «VEB-Sänger» (Lindenberg: «Ich bin ja keiner, der sich ins Ausland verpisst») selten Fans Fotowünsche abschlägt, wird zwar oft abgelichtet. «Ich lass mich auch gern teuer beleuchten und ablichten, ich bin schließlich ein lecker Kerlchen und ein Objekt der rasenden Begierde», sagt der 64-Jährige, grinst und wackelt mit dem Hut.

Doch so nah ran wie seinen «Visual-Aal» Tine lässt er keinen anderen. Unauffällig und fast unsichtbar drücke die fast schon scheu wirkende Fotografin «mit den Husky-Augen» auf den Auslöser. «Sie is' dann einfach da, und meistens krieg ich das gar nich' mit und schon - klick - hat sie das Foto gemacht», beschreibt der Sänger. Mit ihren Momentaufnahmen schafft sie ein einzigartiges Porträt des charismatischen Künstlers, über den sein Tour-Lichtregisseur Günter Jäckle im Buch sagt: «Man könnte Udo auch mit vier weißen Neonröhren auf die Bühne stellen, weil er so ein Charakter ist und so eine besondere Ausstrahlung hat.» Neben Bildern finden sich Zitate bekannter «Lindianer», Interviews und Texte von Autorin Sonja Schwabe über die Entstehung des Comeback-Albums und «einige der glücklichsten Jahre meines Nachtigallen-Lebens» (Lindenberg).

Im Hamburger Club Knust begann die Geschichte zwischen Udo und Tine in den frühen 90er Jahren. «Ich filmte mit einer Videokamera eine Band, als Udo plötzlich auf mich zukam und sagte: "Hi"», erinnert sich die ausgebildete Illustratorin. Ein Paar sind sie seit 1998, vier Jahre später schenkte er ihr in New York ihre erste Spiegelreflexkamera. Damals stellte er - der Extrovertierte - fest, wie sie - die Introvertierte - Dinge sah, die ihm unter tiefliegender Hutkrempe und großer Sonnenbrille bisweilen verborgen blieben. Vor allem aber hat er ihr etwas anderes beigebracht: «Auch wenn man es nicht gelernt hat, aber mit Talent und Willen kann man es bringen!» Lindenberg, seit vier Jahrzehnten auf der Bühne, betont: «Ich weiß auch nicht, wie man eine Gitarre stimmt oder einen langen Ton hält - das ist einfach Straßenbegabung.»

Geheiratet haben sie nie - und wollen es auch nicht. «Zu spießig» sagt sie, «weder in Loch Ness noch in Las Vegas werden wir uns den Stempel eines Beamtenmuffels holen», erklärt er. Die Frau, die sich wie Lindenberg als Workaholic sieht und auch andere Künstler wie Peter Maffay, Ben Becker, die Prinzen oder Jan Delay fotografiert hat, füllt derweil weiter ihre Tresore voller Festplatten mit Udo- Aufnahmen (allein aus 100 000 Fotos hat sie für den aktuellen Band von 2007-2010 ausgewählt). «Am liebsten mit Bildern, auf denen er geheimnisvoll, mysteriös aussieht - wie er sich selber auch gern darstellt.»

Auch einen Lieblingssong hat sie: «"Der Astronaut muss weiter" - also dass die Zeit läuft und es irgendwann so weit ist. Das ist unsere Zukunftsgeschichte.» Und ein Lieblingsfoto: «Eines, auf dem ich Udo samt Publikum fotografiert habe.» Denn dafür habe sie sich mitten auf die Bühne gewagt - raus aus dem Schatten.

Tine Acke
Udo Lindenberg - Stark wie Zwei 2007-2010
Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
312 Seiten, 49,95 Euro
ISBN 978-3-89602-990-4
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Text: Dorit Koch

Quelle: dpa, 30.09.2010