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Benefiz-Konzert mit Udo Lindenberg

18.05.2010

Essen. „So ’ne Zahl ist doch völlig egal“, nuschelt Udo Lindenberg ins Mikrofon. Der Panik-Rocker steht auf der Bühne der altehrwürdigen Essener Philharmonie und bedankt sich artig für die „hinreißenden Zeilen“, die ihm WAZ-Chef Bodo Hombach im Brecht’schen Versmaß zum 64. Geburtstag gedichtet hat. „Das muss ja wohl ein Zahlendreher sein“, ulkt Udo. „Vielleicht ja 46...“ Nach Klassik, nach Oper, nach 2000 Jahre alten Klängen von der viersaitigen chinesischen Pipa und nach schmachtenden Schlagern des Musical-Phantoms rockte das Panikorchester zwei Stunden lang das Essener Konzerthaus – bis kurz vor halb zwei in der Früh. Und dann wurde noch kräftig gefeiert: mit Geburtstagstorte und Eierlikör.

„Power-Heinrich hat ja vieles vorbereitet“, lobte Udo Lindenberg seinen Freund Heinrich Grütering. Der 71-jährige Essener Unternehmer hatte die mutige Mischung der Musikstile ersonnen. Der Kunst-Mäzen ist Chef der DIHAG, ein Unternehmen mit elf Betrieben in Deutschland, Polen, Ungarn und China. In der Nähe von Shanghai baut er mit Partnern gerade eine neue Gießerei. Rund 2000 Menschen arbeiten weltweit für Grütering.

Was zeichnet einen Unternehmer aus? Da muss der 71-Jährige nicht lange überlegen: „Geld verdienen, bescheiden bleiben und Gutes tun.“ So unterstützt er „Tafel“-Projekte in Berlin, in Essen und in seiner Geburtsstadt Recklinghausen. Und er engagiert sich für die Kulturhauptstadt. Das Feuerwerk, mit dem im Januar am Weltkulturerbe Zeche Zollverein das Feierjahr eröffnet wurde, hat Heinrich Grütering gemacht. Nein, nicht nur gezahlt. Was nur wenige wissen: Der Unternehmer ist viel mehr als nur ein Hobby-Feuerwerker. An der Sprengschule in Dresden hat er einen Lehrgang absolviert, in China werden die bunten, explosiven Zutaten nach seinen Vorschlägen gemischt. Am nächsten Samstag zündet er ein Feuerwerk im Duisburger Innenhafen.

Das musikalische Feuerwerk in der Essener Philharmonie werden die 1700 Besucher nie vergessen. Fast fünf Stunden lang lauschten Klassikfreunde und Rockmusikfans einträchtig der Musik. Die famosen russischen Geschwister Kolodochka stimmten das Publikum mit Gershwins blauer Rhapsodie ein. Die chinesische Sopranistin Lei Zhu be-rührte mit ihrem sentimentalen „Ich liebe dich China“ die Herzen, bevor Landsfrau Fang Yan eine porzellanalte Weise von einer Schlacht zupfte. Der übersetzte Titel: „Von zehn Seiten umzingelt“. „So müssen Sie sich im Augenblick auch fühlen, Herr Ministerpräsident“, scherzte NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers, der als Moderator durch den Abend führte, mit Jürgen Rüttgers in der ersten Reihe. Zumindest im chinesischen Lied soll der Held am Ende triumphiert haben...

Das renommierte Essener Studenten-Orchester brillierte mit einer temperamentvollen „Carmen“, der „German Te-nor“ Johannes Groß schmetterte „O sole mio“, und die So-pranistin Victoria Goia bezauberte mit Puccini. Viel Ap-plaus gab’s nach der Pause auch für Kathy Savannah Krause und Dale Tracy, die schon auf der ganzen Welt „Das Phantom der Oper“ spuken ließen. Und als Zugabe -- ganz ohne Maske -- das schwermütige „Time to say good bye“.

Bühne frei für die Rocker! Sie drehten ihre Verstärker kräftig auf. So kräftig, dass einige Besucher nur allzu gerne zu den angebotenen Ohrstöpseln griffen. Was Udo zu singen und zu sagen hatte, hörten sie trotzdem. Und weit nach Mitternacht stand dann der ganze Saal und schunkelte zum Panik-Rhythmus: „Hinterm Horizont geht’s weiter...“

Neben der Torte gab es für das Geburtstagskind noch ein besonderes Geschenk. Die von Heinrich Grütering eingeladenen Stars verzichteten auf ihre Gage. Sämtliche Eintrittsgelder (Tickets zwischen 5 und 40 Euro) gehen an die Udo-Lindenberg-Stiftung zur Förderung junger Texter und Musiker. „Udo kümmert sich nämlich um Leute mit echtem Talent“, erläuterte Rüdiger Oppers. „Um den Rest kümmert sich Dieter Bohlen...“

Quelle: www.derwesten.de, 18.05.2010