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Unterm Hut

DER ROCK-BLOG (Teil 3)

30.08.2010 | Kommentare [2]

Direkt von Bord des Rock-Liner 2
Von Uwe Bahn

„Bitte nicht auf die Tische steigen!“ Ja, der TUI-Cruise-Direktor an Bord sorgt sich um das Mobiliar seines Theaters. Denn gleich entert hier Udo Lindenberg fürs erste Konzert die Bühne des Rock-Liners. Keine Sorge, die Panik-Passagiere sind vernünftig. Hier sind keine Hansi-Hinterseer-Hooligans an Bord... Und noch'n gutgemeinter Hinweis: „No Smoking“. Überflüssig, sie tragen fast alle Lederjacken. Von den Rängen hängen Bettlaken mit der Aufschrift „Udos Rock-Liner“. Dann schwebt die Apollo 13 - Kapsel von der Decke, alles schießt aus den Sitzen. Udo pellt sich aus dem Astronauten-Anzug (Achtung, der Hut!) - tausend Passagiere stehen. Aber nicht auf den Tischen, sie haben ja zugehört. Was für ein Druck an Deck: „Boogie Woogie Mädchen“ - „Mein Ding“ - „Cello“. Grandios: Säufermond, Udos vertontes Hotel-Leben über die Nächte vor der Minibar. Davon ist er jetzt weit entfernt. Clean, klar und aufgeräumt wirkt er. Die Songs vom „Stark wie zwei“ - Album sind die Highlights. Von „Ganz anders“ bis „Der Greis ist heiß“. Schade, dass „Wenn Du durchhängst“ nicht mehr im Programm ist. Da kann doch eher der „Sonderzug“ mal für zwei Shows aufs Abstellgleis fahren. Aber das ist ungefähr so, als wenn Lynyrd Skynyrd auf „Sweet Home Alabama“ verzichten. Also doch „Hallo Hallöchen Hallo“. Nach fünf Zugaben und Jubelorkanen (gefühlte Stärke 11) ist Schluß. Vorerst. Denn Udo ist nachtaktiv. Der Hotspot an Bord ist die Casino Lounge. Da rocken die „Midnight Ramble Allstars“ gleich im Anschluß. Hinter dem Namen versteckt sich die halbe Peter-Maffay Band: Carl Carlton, Pascal Kravetz, Ken Taylor. Diesmal ohne „sieben Brücken“ dafür: „Radar Love“ Sie rocken bis die Röhren glühen. Und der Laden ist zum Bersten voll. Auf normalen Touren sitzen hier vielleicht dreißig Leute und spielen Mau mau. Und dann ist der Nachtaktive zur Stelle: „Ich hab' jeden, jeden Film von Dir geseh'n, Candy Jane!“ Udo singt, oder tanzt (oder wie das heißt) und Udo trommelt bei den Allstars. Dann Jam-Session mit seinem eineiigen Doppelgänger Tommy. Soviel Lindenberg gibt es auf keinem Konzert. Immer wieder stellt er sich vor die Digi-Cams seiner Fans. Bis halb drei Uhr nachts. Was danach noch passiert ist, kann ich leider nicht beurteilen. Udos „Bürozeiten“ sind nicht immer mit meinem Biorhythmus kompatibel. Wir sind auf dem Weg nach Oslo, da kommen „Ich & Ich“ an Bord (geben hier übermorgen zwei Konzerte). Die haben was verpasst. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Aber sonst ist heute wieder alles klar.