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Diese Biografie kommt Udo Lindenberg wirklich nahe

23.10.2018

Mit seinen 72 Jahren füllt Udo Lindenberg immer noch große Stadien - dabei war lange nicht klar, ob er überhaupt den 50. Geburtstag erleben würde. Die Biografie "Udo" zeichnet nun sein Leben voller Drogen, Abstürze und Irrläufe nach. Der Sänger hat die Biografie gemeinsam mit Autor Thomas Hüetlin verfasst, und mit Schauspieler Charly Hübner als Hörbuch eingesprochen. MDR KULTUR-Kritiker Stefan Maelck hat es sich angehört.

"Stell' dir vor, du gibst eine Party, und es dauert ein bisschen länger. Nicht zwei oder drei Tage, eher 40 Jahre. (...) Klingt alles ganz lustig. Aber wenn du so ein Ding über vier Jahrzehnte durchziehst, gibt es auch miese Tage." (Udo Lindenberg)

Die Biografie "Udo" beginnt mit einem dieser schlimmen Tage: Am 16. September 2006 erfährt Udo Lindenberg, dass sein älterer Bruder Erich gestorben ist. Es ist ein Verlust, der ihn, den "Mr. Flexibel" umhaut. Und ein Verlust, so erfahren wir später, der konstituierend sein wird für Udos Comeback 2008, das nicht ohne Grund den Titel "Stark wie Zwei" trug.

Alles auf Anfang

Nach dem Schicksalsschlag wundert Lindenberg sich, dass es ihn nicht vorher erwischt hat. Er sorgt dafür, dass Erich auf dem Friedhof Chausseestraße die letzte Ruhe findet – neben Brecht, Weigel, Fichte, Hegel und Heiner Müller. Müller, der 1986 einen Text zu Udos Album "Phönix" beigesteuert hatte, einem der letzten guten Alben, bevor sich Udo schleichend in die Bedeutungslosigkeit bewegte. Vom letzten Album vor dem Comeback, "Atlantic Affairs", verkaufte er noch 7000 Stück. Und wir reden hier vom Pop-Pharao Udo Lindenberg, der in den 1970ern mehr Platten in Deutschland verkauft hatte als die Rolling Stones.

"Ihm dämmerte, dass der Schmerz jetzt auch eine Chance war. Ein Weckruf, Dinge zu ändern, die er angefangen hatte, für normal zu halten."

Erste ertrommelte Erfolge

Nach diesem Einstieg geht der Blick in die Geschichte zurück bis nach Gronau, wo der jugendliche Udo die ersten Trommelstöcke bekommt und wo vor allem Flucht aus der Provinz auf der Tagesordnung steht. Dann erste Bands, auf nach Hamburg, schließlich hat Lindenberg den Ruf, ein guter und zuverlässiger Trommler zu sein.

Und dann ein paar Jahre später: Der Millionenscheck, der Popzirkus. Was Udo Lindenberg in den 1970ern an Alben hinlegte, ist so ziemlich einzigartig in der Geschichte der Popmusik. Er kann plötzlich, wie er es 1972 in "Daumen im Wind" auch singt, nicht mehr nur träumen, sondern auch erleben. Zu diesem Zeitpunkt hat der Sänger bereits das zum ersten Mal das Saufen aufgegeben. Später soll er es immer wieder tun, für kürzer oder länger.

Das, was wichtig ist

Der Text konzentriert sich schließlich auf die Alben der 70er, in den 80ern wird es schon überblickhafter, die Alben der 90er werden oft nur noch am Rande erwähnt – weil sie Udo selbst nicht mehr interessierten. Der Text geht mitunter an die Schmerzgrenze – so hätte man sich Bob Dylans "Chronicles" gewünscht. Er erzählt nicht nur Udos Geschichte sondern auch ein Stück Kulturgeschichte von Bundesrepublik und DDR – denn Udos Interesse am Osten und dem Ost-Interesse an Udo ist ein ganzes Kapitel gewidmet.

 
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