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Eldorado in Köln

19.06.2017

"Stärker als die Zeit" scheint nicht nur das Tour-, sondern auch das Lebensmotto von Panikrocker Udo Lindenberg zu sein. Zum Tourabschluss rockte der topfitte 71-Jährige zweieinhalb Stunden die ausverkaufte Kölner Arena.

Köln war gestern "Panik-Hauptstadt" – und das Wort Spektakel bekam dabei eine ganz neue Bedeutung: Mit einer riesigen Schar an Musikern, Tänzerinnen, Sängerinnen, einem Kinderchor, Artisten und illustren Gästen sowie einer irren Bühnenshow gönnte Udo Lindenberg seinen rund 15.000 Partygästen beim Tourfinale in der Kölnarena, pardon, "Exzessarena", kaum eine Atempause. 20 Konzerte in den großen deutschen Hallen hatte diese Riesencrew absolviert. Das Tourmotto "Stärker als die Zeit" passt nicht nur zum immer noch topfitten Protagonisten, sondern auch zum Zeitgefühl, das Udo sicher mit vielen seiner Fans teilt: "Sieben Wochen waren wir jetzt auf Tour. Und die Jahre davor auch." Diese Tour 2017 sollte aber vor allem ein Trostpflaster für diejenigen sein, die auf der ausverkauften 2016er-Tour keine Karten bekommen hatten.

Udo macht sein Ding

Keineswegs laufen aber beim 71-jährigen nur Rockveteranen im Rentenalter auf. Bei kaum einem Star trifft man ein derart heterogenes Publikum, das sich zudem sehr gerne schon lange vor der Show selber feiert. In Köln konnten darunter wieder etliche Udo-Imitate gesichtet werden, darunter durchaus Exemplare auf "Klon"- oder Doppelgänger-Niveau. Aus Lindenbergs Geburtsstadt Gronau war sein zehnjähriger Kumpel David Cyran angereist und gab im Arenafoyer selbstbewusst vor den anwesenden Fotografen seine eigene Udo-Show: Mit dem typischen Hut, Sonnenbrille und dunklem Anzug posierte er vor einer Bronzestatue seines Idols. Der echte Udo ließ sich unterdessen per Durchsage noch eine Viertelstunde entschuldigen, denn viele Fans waren durch die verschärften Sicherheitskontrollen noch nicht im Innenraum angelangt. Um 20.15 Uhr – die Uhrzeit, zu der man Udo Lindenberg in der Tatort-Melodie sonntagabends Schlagzeug spielen hört – schwebte er endlich per mobilem Podest von seiner "Odyssee" ein. Gewaltig rockte er mit den Titeln los, die seine so geschätzte Attitüde auf den Punkt bringen: "Einer muss den Job ja machen" und "Mein Ding".

Überraschungsgäste beim Finale

An Position vier der 29 Songs und damit über vier Dekaden umfassenden Setlist gab es bereits die erste Überraschung des Abends: BAP-Chef Wolfgang Niedecken hauchte im Duett mit Udo dem "Cello" kölsche Töne ein. Einem an der Arena schwebenden XXL-Cello entsprangen dazu kunstvoll zwei Tänzerinnen. Die Bühne glich ansonsten einem Kino mit Liveband und Laufsteg – Udo und sein altehrwürdiges Panikorchester in Cinemascope, Format 16:9. Passend zeigte der Riesenscreen im Hintergrund nicht nur Videokunst oder die Berliner Mauer, sondern auch wunderbare Retrospektiven der langen Musikerkarriere Lindenbergs. Nostalgie pur bei "Wozu sind Kriege da?": Der originale Duettpartner von 1981, Pascal Kravetz, damals zehn Jahre alt, sang die leider zeitlose Frage nicht nur mit Udo Lindenberg, sondern zusätzlich mit einem ganzen Kinderchor. Papa und Panik-Orchester-Urgestein Jean-Jacques Kravetz rockte im Hintergrund an den Tasten.

Politik und Party

Udo wäre nicht Udo, wenn er bei dieser Gelegenheit nicht auf seine unverwechselbare schnoddrige Art einige politische Statements über den Atlantik oder Richtung Kreml schicken würde. "Straßenfieber" und – erneut mit Niedecken – "Sie brauchen keinen Führer" blieben bei ernsten gesellschaftlichen Themen. Dennoch: Das Feiern sollte an diesem Abend im Vordergrund stehen. Dazu erschien nicht nur eine riesige Discokugel am Arenahimmel, sondern auch Rapper Marteria ("Bunte Republik Deutschland"), "Hinterm-Horizont"-Star Josephine Busch und schließlich Udos Ex-WG-Kumpel Otto Waalkes auf der Bühne. "Gerhard Gösebrecht" hatten die zwei schon 1979 zusammen aufgeführt, der eine am Schlagzeug, der andere blödelnderweise davor. Heute gab's mit der AC/DC-Parodie "Erst auf dem Heimweg wird's hell" die Fortsetzung.

 
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