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Unterm Hut

Geschichten-Erzähler, Sänger, Aktivist:

18.06.2017 | Kommentare [2]

Wolfgang Niedecken im Interview

Also ich bin ja eigentlich Geschichten-Erzähler, das verbindet mich auch mit Udo. Geschichten kannst Du aufschreiben, Du kannst sie singen, Du kannst sie malen. Ich hab‘ ja ursprünglich mal Malerei studiert, und Udo ist ja eigentlich ein Schlagzeuger, aber trotzdem eher ein Geschichten-Erzähler. Wir erzählen immer Geschichten - und wenn man das dann zum Beruf bügeln kann, dann ist das ja wunderbar. Der ist einem ja praktisch zugelaufen. Das ist so der gemeinsame Nenner, das verbindet uns jetzt seit den frühen 80er Jahren. Wir haben echt viel zusammen gemacht, das sind wunderbare Erinnerungen. Ob es das Wackersdorf-Festival war, gegen die Atomkraft, oder das Live Aid Konzert für Äthiopien.

Hat man als Künstler in der Öffentlichkeit auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung?

Ich denke, wir haben alle eine Verantwortung für das, was auf der Welt vor sich geht. Ob wir jetzt Zahnärzte sind, Schuster, Musiker oder Entertainer oder was auch immer. Wir haben alle eine Verantwortung. Der eine oder andere fühlt sich vielleicht berufen, sich mal zu Wort zu melden, der andere sagt „Nee, komm lass mal“. Ich würde das auch keinem vorschreiben wollen. Ich finde, wir müssen alle politisch denken, weil sonst überlassen wir das politische Denken dem alten Establishment, das geht nicht.

Gibt es zur Zeit ein Thema, was Dir besonders am Herzen liegt?

Ja, das Thema, wie gehen wir mit den Flüchtlingen um, wie nehmen wir unsere Verantwortung wahr? Da muss man ja nur mal ein bisschen zurück in der Geschichte gehen und mal gucken, wann Leute aus Deutschland geflohen sind und irgendwo aufgenommen wurden. Spätestens da wird einem klar, dass wir nicht hartherzig sein können. Das ist ja das Schöne: Udo, ich und die ganzen Leute, die auf der Bühne stehen und Musik machen, wir können dafür sorgen, dass die Leute nicht verhärten. Das ist unser wesentliches Ding, was wir zur Zeit in unserer Gesellschaft zu bewerkstelligen haben.

Heute kommst du Udo zum Tourabschluss auf der Bühne besuchen, neulich habt Ihr sogar einen Song zusammen aufgenommen…

Ja, „einer muss den Job ja machen“ - so einen Song, den kann auch eigentlich keiner besser als Udo. Ich meine, eine so wunderbar charmante Selbstverarschung, das hat er sich wirklich auf den Leib geschrieben. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich das Ding höre, im Studio, und wenn wir es hier auf der Bühne spielen, es ist einfach urkomisch!

Tja, wenn Udo ruft, dann komm ich halt, wunderbar. Und wenn ich rufe, kommt Udo, wunderbar.

Foto: Tine Acke