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Große Familienparty mit Udo Lindenberg

07.06.2017

HAMBURG. Udo Lindenberg begeistert 12.500 Zuschauer bei der „Stärker als die Zeit“-Tour in der Barclaycard Arena: Mit wilden Lichteffekten, grandiosen Show- und Tanzeinlagen, atemberaubender Akrobatik und alten sowie neuen Songs, die es in sich haben.

Keine Panik: Udo Lindenberg kommt. Nicht um 20 Uhr wie angekündigt, nur eine Viertelstunde später. „Schuld“ sind die Sicherheitskontrollen am Eingang. Da hat der selbsternannte Party-Präsident kurzerhand entschieden zu warten, bis alle da sind. Kein Problem. Die Stimmung ist fantastisch. Lange vor Beginn. Aber dann: 12.500 Fans jubeln frenetisch als ihr Rockidol die Bühne betritt, direkt im Anschluss an einen spektakulären Auftakt, den Hollywood auch nicht besser hinbekommen hätte: Wie gebannt folgt das Auge automatisch einem funkelnden Lichtstrahl durch eine goldene Figur. Vor dem Blickfeld taucht ein Schiff auf, das sich im Auf und Ab der peitschenden Wellen den Weg bahnt. Zu den Klängen von „Odyssee“ und dem Tosen des Meeres, entern ein als Kapitän verkleideter Musiker und sexy Meerjungfrauen die „Brücke“ auf der Bühne. Und schon geht die Reise los. Zweieinhalb Stunden - ohne Pause.

„Einer muss den Job ja machen“

Damit beginnt Udo ganz lässig sein Live-Konzert in der ausverkauften Barclaycard-Arena und nimmt die Zuschauer zuerst mit im „Sonderzug nach Pankow“ und dann in die Stadt, die er liebe. Mit seinem Geständnis erreicht er die Hamburger sofort. Wenn er von „Onkel Pö“ und der „Reeperbahn“ schwärmt, während im Hintergrund ein Schwarz-weiß-Film das alte St. Pauli zeigt, können die Nordlichter gar nicht anders, als ihre Begeisterung lauthals herauszuschreien. „Die schlafenden Vulkane“, wie Udo sie nennt, singen und tanzen bei „Candy Jane“ um die Wette. Es ist wie bei einer ausgelassen Familienfeier. Nur um einiges größer. Läuft. Die Party ist beinah so wie das Motto der Tournee „Stärker als die Zeit“.

Aber so ausgelassen geht es nicht nur an diesem Abend zu. Der 71-jährige, der dazu auffordert, sein „Ding zu machen“ kann auch anders: Leise und sentimental, wenn er sich an weniger gute Zeiten und voller Wehmut an vergangene Lieben erinnert.

„Wie lange muss ich das eigentlich noch singen?“

Wut und Ohnmacht steckt in seinen Liedern gegen die „Schwachmaten“ wie Trump, Erdogan, Putin, Le Pen und bekannte AFD-Politiker, die auf der Leinwand mit Narrenmützen auf dem Kopf vorbei schwirren. Während hinter ihm Fotos von den Gewalt-Schauplätzen der Welt eingeblendet werden, stellt Udo die Frage. „Wie lange muss ich das eigentlich noch singen?“ Als Antwort stimmt er beinah trotzig seinen Song „Wozu sind Kriege da?“ an. Unterstützt wird der Rocker, für den der Zusatz „alt“ total fehl am Platz wirkt – und das nicht wegen seiner gelenkigen und ausdauernden Präsenz - von einem tollen Kinderchor. Mit den kleinen Sängern tobt er herum, als sei er einer von ihnen. Auf einmal ist er inmitten der Menge, dann wirbelt er wieder – mittlerweile auf Socken – zusammen mit den „Mini-Udos“, Kindern mit schwarzem Hüten, dunklen Sonnenbrillen und Anzügen über die Bühne.

Der Panikrocker in mehrfacher Ausgabe und in Kleinformat, dazu schrille Figuren aus dem Krieg der Sterne und von der sündigen Meile: Olivia Jones gehört zu seinen prominenten Gästen, Daniel Wirtz, Johannes Oerding, Otto Waalkes, Peter Maffay und Jan Delay. Eine Reihe genialer Künstler, darunter spektakuläre Akrobaten, erotische Tänzerinnen und die unvergleichlichen Musiker des Panik-Orchesters lassen wirklich keine Panik aufkommen. Nicht an diesem Abend. Auch nicht, als Udo in einem Astronautenkostüm abhebt und echte Flammen auflodern. Er kommt wieder – mit dieser Gewissheit, dass sie dann dabei sind, gehen seine Fans nach Hause.

Text: Franziska Felsch
Fotos: Tine Acke

Quelle: Tageblatt.de, 07.06.2017