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Lindenberg rockt mit 71 Jahren die Bühne wie kein Zweiter

10.06.2017

Udo Lindenberg begeistert Fans in Oberhausen. Sein Programm ist ein Mix aus alten und neues Songs. Zigarre und Eierlikör dürfen nicht fehlen.

Er schwebte von der Decke herab, um die Halle zu rocken: Panikrocker Udo Lindenberg inszenierte am Freitag Abend in der König Pilsener Arena die ganz große Show – mit Sonnenbrille, Zigarre und Eierlikör. Echter Rock 'n' Roll mit vielen Gänsehautmomenten und starken Gastauftritten – der Altmeister ist mit 71 Jahren noch immer in Höchstform. Auf der aktuellen Tour „Stärker als die Zeit“ begibt er sich mit seinen Fans auf eine musikalische Reise durch seine beispiellose Karriere.

Etwas verspätet durch die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen betritt er am Freitag Abend die Bühne und nimmt diese sofort für sich ein. Sein Programm ist eine bunte Mischung aus alt und neu, laut und leise: Klassiker wie „Reeperbahn“ und „Bunte Republik Deutschland“ wechseln sich mit Songs aus dem neuen Album ab. Fetzigen Titeln folgen gefühlvolle Balladen.

Hits wie „Cello“ und „Schwere Zeiten“ kommen relativ früh, sodass die Stimmung sofort ausgelassen ist. Mit gekonntem Hüftschwung, dem markanten, marionettenhaften Tanzstil und seinem Spiel mit der Sonnenbrille mischte Udo, wie seine Fans ihn nur nennen, nicht nur seine Tänzerinnen auf der Bühne auf. Kleine Anekdoten, erzählt in seiner typisch schnoddrigen Art, lockern den Abend zusätzlich auf: „Ich hab` schon überall gespielt: Bocholt, Hamborn und Las Vegas.“

Spätestens als er, nur begleitet von einer Akustikgitarre, seinen Hit „Hinterm Horizont“ vor dem Hintergrund des Brandenburger Tors anstimmt, hält es keinen echten Fan mehr auf seinem Stuhl. Josephin Busch, die die weibliche Hauptrolle in Lindenbergs Musical „Hinterm Horizont spielt, begleitet ihn dabei. Sie ist nur eine der zahlreichen Gaststars. Auch der Hamburger Sänger Ole Feddersen und „Voice of Germany“-Talent Nathalie Dorra unterstützten den Altrocker stimmlich.

Für den Gänsehautmoment des Abends sorgte jedoch der Auftritt eines Kinderchors. Die Kinder stimmten beim Song „Wozu Kriege gut sind“, einem der nachdenklicheren Momente der Show, mit ein. „Kriege werden inszeniert wie Theaterstücke. Jeder schmiert mal rein ins Buch der Welt“, philosophierte Lindenberg zur aktuellen politischen Lage.

Von UFOS und Gorillas

Aber nicht nur musikalisch war an diesem Abend für jeden etwas dabei: Perfekt inszeniert bis ins kleinste Detail wirkte auch die multimediale Bühnenshow. Erst schwebte ein UFO mit Außerirdischen von der Decke, dann fuhr ein trommelnder Gorilla zu „Candy Jane“ konfettiwerfend im Boot um die Bühne. Trotz vieler spektakulärer Effekte begeisterte Udo aber auch die Nostalgiker mit alten Fotos und gestreiftem Jackett zu „Sonderzug aus Pankow“ und Romantiker mit einem Sternenhimmel aus Handylichtern.

„Wir machen noch 30 Jahre weiter“ - ein Versprechen, das die Anwesenden nur zu gern glauben. Denn als das Rockurgestein nach fast zweieinhalb Stunden Konzert wieder in seinen Raumanzug schlüpft und mit den Worten „wir sehen uns bestimmt wieder“ von der Bühne schwebt, merkt man ihm sein Alter noch immer kaum an.

Text: Lena Reichmann
Foto: Tine Acke

Quelle: WAZ, 10.06.2017