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Musik statt Mobiles: Das Jovel ist zurück

30.11.2008

Münster - Die Astras und Corsas sind raus. Die Halle ist mit schwarzem Tuch abgehängt, auf den weißen Fliesen stehen Licht-Traversen, Bierstände und eine große Bühne: Das Jovel ist zurück. In der denkmalgeschützten Halle, wo bis letztens noch die Kiffe-Mitarbeiter Mittelklassewagen verkauften, hat Münsters legendäre Music-Hall eine neue Interims-Bleibe gefunden. Am Samstagabend wurde sie eingeweiht mit erstklassiger Rockmusik und der freudigen Nachricht des Tages: An diesem Standort kann das Jovel vorerst bis Juni bleiben.

Um 13 Uhr herrscht in der einstigen Neuwagen-Ausstellungshalle noch Chaos. In jeder Ecke ein Handwerker, Jovel-Chef und –Maskottchen Steffi Stephan ist in Richtung Baumarkt verschwunden. Sein Sohn und Jovel-Partner Marvin Lindenberg schleppt Absperrgitter durch die lichte Halle und will gar nicht mehr wissen, was er in den wenigen Wochen alles erledigt hat, seit die Jovel-Macher den Kiffe-Zuschlag bekommen haben: Behördenkram, Vorhänge nähen lassen, Wände einziehen, Flyer drucken und, und, und. Jetzt testet ein Toningenieur mit ohrenbetäubenden Schnalz-Geräuschen die Boxen, vorne rechts werden Gläserkartons reingeschleppt. Die Nerven liegen blank.

Das ist eine Fahrt ins Ungewisse“, erklärt Steffi Stephan, als er aus dem Baumarkt zurück ist. Der Abend sei ausverkauft: „Jetzt haben die Leute garantiert eine Erwartungshaltung. Wir müssen gucken, wie wir dieser Erwartungshaltung gerecht werden.“ Damit meint er nicht nur das Programm des Abends, sondern auch die neue Spielstätte, sein neues Jovel. Wie gefällt der bei Licht etwas nüchterne Bau dem Publikum?

Gegen 14 Uhr kommt endlich die Musik. Nach und nach trudeln die Musiker aus Udo Lindenbergs Panikorchester ein. Der erste ist Bertram Engel, der Schlagzeuger. „Bomber aus Billerbeck“ nennt Lindenberg ihn gerne. Dabei, gesteht „Berte“, war er in seinem Leben noch nicht in Billerbeck, stammt aber immerhin aus Burgsteinfurt. Engel, seit Jahrzehnten Panik-Trommler und Stamm-Spieler bei Peter Maffay, erkundet die neue Halle, während Steffi Stephan den Gitarristen Carl Carlton begrüßt. Erfreute Umarmungen, die gemeinsame Tournee des Panikorchesters endete vor fast fünf Wochen.

Als die Band komplett ist, übernimmt Steffi Stephan die Regie. Viele Lieder des eigens zusammen gestellten Programms haben die Profis an den vergangenen Tagen schon in seinem Studio geprobt. Jetzt kommt der Feinschliff. Es ist bitterkalt im Ex-Autohaus, mit dicken Jacken und Schals greifen die Musiker zu ihren Instrumenten. Gesungen wird abwechselnd. Carl Carlton und sein Sohn Max Buskohl, der einst verärgert bei „Deutschland sucht den Superstar“ ausstieg, singen Eigenes, Multitaltent Pascal Kravetz ist dabei, Deutschrock-Star Julia Neigel und der münsterische Schauspieler Jogy Kaiser. Neigel hat sich auf der Autofahrt nach Münster schnell zwei Lieder von Inga Rumpf angehört, die kurzfristig krank ausgefallen ist. Jetzt singt sie sie zum ersten Mal mit dem Textzettel in der Hand. Udo Lindenberg lässt sich bei den Proben nicht blicken.

Mit etwas Verspätung kommen gegen 19.30 Uhr die Massen ins neue Jovel, und mit etwas Verspätung beginnt dann auch das dreistündige Konzert. Nach den Glückwünschen einer etwas überdrehten Bürgermeisterin Karin Reismann begeistert die Band drei Stunden lang auf höchstem Niveau. Von kleinen Pannen und Unsicherheiten am Nachmittag ist am Abend kaum noch etwas zu merken.

Um 22.20 Uhr kommt Udo Lindenberg dann wirklich. „Die Panik-Familie ist am Start“, sagt er, gratuliert und wünscht Steffi Stephan, dem unermüdlichen Kämpfer fürs Jovel, „genug Power. Ich habe den Eindruck, das geht hier raketenmäßig nach oben.“ Er ulkt von „bekifften Autohändler“ und verspricht: „Es wird weiter gekifft.“ Eine Stunde lang präsentiert er einen kurzweiligen Ausschnitt aus seinem aktuellen Programm, bevor er sich, mit einem symbolischen Gläschen Eierlikör in der Hand, von der Bühne verabschiedet. Das Jovel ist ihm eine Herzensangelegenheit, erzählt er anschließend im WN-Interview. Deshalb war er da.

Text: Gunnar A. Pier

Quelle: Münsterländische Volkszeitung, 30.11.2008