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Panikpräsident Udo Lindenberg rockt die Westfalenhallen

31.05.2017

Mit seiner „Stärker als die Zeit“-Tour machte Udo Lindenberg am Dienstag (30. Mai) auch Halt in Dortmund. Mit seinem Panikorchester ließ der Panikrocker es gut zweieinhalb Stunden in der Westfalenhalle krachen.

Pünktlich um 20 Uhr betrat der Panikrocker nicht einfach so die Bühne der Westfalenhalle. Nein, der 71-Jährige kam für seine „Stärker als die Zeit“-Tour zu den Klängen von „Odyssee“ von der Hallendecke auf die Bühne geschwebt. Ganz in schwarz, mit Hut und Sonnenbrille, schwarzer Krawatte und Glitzergürtel. Gut zweieinhalb Stunden später schwebte er im weißen Astronautenanzug wieder von der Bühne runter. Und in dieser Zeit verzauberte Udo Lindenberg seine Fans in der fast ausverkauften Westfalenhalle mit alten und neuen Songs und einer irren Bühnenshow.

„Wahnsinn“, sagt Udo. Und ja, Wahnsinn wie der 71-Jährige singt, tanzt, sein Mikro schwingt und einfach pure Lebenslust verbreitet. „Einer muss den Job ja machen“ singt der Deutschrocker. Aber scheint nicht so zu sein, dass er es muss, sondern viel mehr, dass er es möchte. Bereits nach den ersten zwei Liedern hat der Panikpräsident sein Publikum begeistert. Es klatscht und jubelt ohne Ende.

Spätestens als Udo es offiziell begrüßt, ist klar, dass Udo von seinen Fans geliebt wird. „Yeah Dortmund! Es ist so fein wieder hier zu sein – mitten im Ruhrgebiet – in Dortmund. Es geht ja auch erst einmal um Gratulation an den Pokalsieger Dortmund. Hier geht’s ordentlich zur Sache, es ist geil hier zu spielen und mit dabei habe ich das beste Panikorchester. Danke für eure Liebe und Verbundenheit“, so der Sänger bevor er „Cello“ anstimmt.

Ein Schlückchen Eierlikör

Nach dem Song zieht er sich erst einmal seine schwarze Jacke aus unter der er ein schwarzes Jackett trägt und meint: „Für die Stimme müssen wir auch noch etwas tun – ein Schlückchen Eierlikör.“ Udo singt ohne Pause ein Lied nach dem anderen, alte und neue Songs, hüpft wie ein Flummi über die Bühne und hört gar nicht auf, sich zu bewegen. Irgendwann hat er auf einmal keine Schuhe mehr an und macht in quietschgrünen Socken weiter. Wenn Udo mal die Sonnenbrille abnimmt, sieht man, dass sein schwarzer Kajal um die Augen verlaufen ist.

„Kriege werden inszeniert und jeder schreibt mal rein ins Buch der Kriegsgeschichte. Tausende Kinder sterben – es ist so eine kranke Welt, wenn ein Schwachmat wie Trump verkündet, weiter Krieg zu säen. Aber der soll nicht glauben, dass wir eine stumme Armee sind, die den ganzen Scheiß mitträgt. Gebe es Weltfrieden – das würde aufheulen. Und ich frage mich, wie oft muss ich diesen Song noch singen? (Anmerkung der Redaktion: 1981 wurde „Wozu sind Kriege da“ veröffentlicht.) Wann hört es endlich auf mit diesen elenden Krisen und dieser Völker-Verarsche?“

Gemeinsam mit Kindern singt Lindenberg dann – wieder einmal – „Wozu sind Kriege da?“. Denn das 1,7 Billionen Dollar „für Waffen und Mordgeräte“ ausgegeben werden, kann und will der Sänger nicht verstehen und überlegt, dass wir die ganze Welt ernähren könnten, wenn wir nur die Kohle für die Rüstung einsparen würden. Auf der Videoleinwand werden dabei Bilder von Politikern mit albernen Partyhüten gezeigt. Darunter Trump, Erdogan, Le Pen und AfD-Politiker.

„U“ auf dem Dach der Westfalenhalle für Udo?

„Dortmund, ihr seid die bunte Republik. Wir sind eine große Familie in ganz Deutschland, die Panikfamilie, die ich so sehr liebe und ihr uns auch. Es ist so geil wieder auf Tour zu sein!“, freut sich der Deutschrocker und scherzt:“Danke für die kleine Geste. Ihr habt extra ein ‚U‘ auf die Halle geschraubt.“

Nach „Hinter dem Horizent“, das wirklich jeder mitsingt, stellt der 71-Jährige klar: „Wir machen noch 30 Jahre weiter und kommen in den Club der Hundertjährigen.“ Und wie er da so steht, glaubt man es ihm sofort.

Udo Lindenberg hat sein Publikum nicht einmal aufgefordert zu klatschen oder mitzusingen, das klappte auch so. Es scheint als würden Udo und sein Publikum sich auch ohne Worte verstehen. Spätestens beim „Sonderzug nach Pankow“ singt die ganze Halle mit und auch die Menschen von den Sitzplätzen stehen auf, singen und tanzen mit.

„Yeah, danke euch, Dortmund!“

„Liebe Freunde in Dortmund und im Ruhrgebiet, danke für den geilen Abend!“, ruft Udo am Ende seiner zweieinhalbstündigen Show und verspricht: „Ich schwöre euch, wir sehen uns bald wieder!“ Und singt weiter: „Unsere Füße müssen weiter, unsere Herzen bleiben hier.“

Udo, der ja irgendwann seine Schuhe ausgezogen hat und nur noch in qietschgrünen Socken auf der Bühne steht, steigt in seinen weißen Raumanzug und schwebt ab. Und als der Mann mit Sonnenbrille im Astronautenanzug von der Bühne abhob, war klar: Der Panikrocker ist wirklich „stärker als die Zeit“.

Mit der Show war Lindenberg 2016 bereits in großen Stadien wie dem Berliner Olympiastadion und dem Hamburger Volksparkstadion aufgetreten. Jetzt komme er ganz nah zu seinen Fans, schreibt der Sänger auf seiner Internetseite. Bis zum 18. Juni sind insgesamt 22 Konzerte in 17 Städten geplant. Die meisten Termine sind nach Angaben des Veranstalters bereits ausverkauft. „Es war für mich immer ein Hammermoment, wenn ich vor der Show irgendwo von oben im Stadion auf das Arenarund guckte und die vielen tausend Fans da stehen und sitzen sah… Aber andererseits“, sagt Udo, „weiß ich, wie viele traurig darüber waren, nicht die Reisen zu den Stadien oder großen Hallen unternehmen zu können. Deshalb habe ich mich entschlossen, 2017 mit meiner Show noch einmal zu ihnen zu kommen.“

Text: Nadja Lucas
Fotos: Tine Acke

Quelle: Dortmund24.de, 31.05.2017