inactive
inactive
inactive
inactive

Unterm Hut

Panikradio-Special zum Mauerfall-Jubiläum

10.11.2009 | Kommentare [8]

Aus aktuellem Anlass laufen im Panikradio die dazu passenden Songs - und "Unterm Hut" gibt's den panikhistorischen Background zum Thema UDO UND DIE DDR.

Mit dem "Mädchen aus Ost-Berlin" fing alles an. Ein privates emotionales Erlebnis wird zum Politikum. Lindenbergs deutsch-deutsche Liebeshymnen und Songs zur Auflockerung der verhärteten Ost-West-Front sind in der DDR verboten. Harte Gefängnisstrafen drohen den Fans wegen Besitz oder Hören von Lindenberg-Songs.

1983 hat Udo seinen ersten und leider auch letzten Auftritt in der DDR: Auf der FDJ-Friedensveranstaltung gegen den Nato-Doppelbeschluss im Palast der Republik spricht er die verbotenen Worte: "Nirgendwo wollen wir auch nur eine einzige Rakete sehen: keine Pershing und keine SS 20!" Daraufhin wird ihm die längst versprochene Tournee durch die DDR abgesagt. Mehr als 100 Seiten dick ist der Stasi-Ordner über einen einzigen Tag im Leben des gefährlichen Subjekts aus dem kapitalistischen Ausland.

Udo gibt nicht auf, fordert in seinen Songs unter anderem eine "Rock'n Roll Arena in Jena" und schreibt Briefe an Erich Honecker, verbunden mit einer Geschenkaktion: Udo lässt dem Staatsratsvorsitzenden eine Rocker-Lederjacke zukommen, Honecker revanchiert sich mit einer Schalmei und schreibt in seinem Dankesbrief:
"Mit der Übersendung der Lederjacke haben Sie mir eine Überraschung bereitet, für die ich Ihnen danke. Wenn ich es recht verstehe, ist sie ein Symbol rockiger Musik für ein sinnvolles Leben der Jugend ohne Krieg und Kriegsgefahr, ohne Ausbildungsmisere und Arbeitslosigkeit, ohne Antikommunismus, Neofaschismus und Ausländerfeindlichkeit."

Udo macht eine Konzertreise durch die UdSSR, geht auf Tour mit Alla Pugatschowa und bringt eine deutsch-russische LP raus. Sofort nach dem Mauerfall startet er seine langersehnte Tournee durch die Noch-DDR, wo das Album "Live in Leipzig" aufgenommen wird. Konzerte wie Demonstrationen.

Von Arbeitern des Zwickauer Sachsenring-Automobilwerkes bekommt Udo für sein Engagement für die Menschen in Ostdeutschland den letzten Trabant - goldfarben. 1989 wird der "Rockpoet der Einheit" von Walter Momper und "Richie" von Weizsäcker mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der "Friedensrebell" erhält das Verdienstkreuz als Dank dafür, "dass er mit Liedern, frechen Wünschen und ungefragten Kommentaren die Mauer in den Köpfen vieler Menschen schon lange eingerissen hat."

10 Jahre nach der Wiedervereinigung bemalt Udo den Sonderzug der Deutschen Bahn, der ihn von Pankow nach Magdeburg bringt und eine Mauer durchbricht - symbolisch für die Mauer in den Köpfen, die jetzt auch endlich noch weg muss.

Mehr zum Thema HIER!