Termine

alle Termine »

News

So kann die Show noch lange weitergehen

18.06.2017

Musikalisch und optisch vom Feinsten: Udo Lindenberg begeistert an zwei Abenden in der SAP Arena

Mannheim. 71 Jahre alt ist der Mann jetzt. Und rockt gute zweieinhalb Stunden über die Bühne. Ohne Pause. Der Wahnsinn! Damit nicht genug: Udo Lindenberg scheint fest entschlossen, noch 30 Jahre weiter zu machen mit seinem Panik-Orchester - wie er in Mannheim unter tosendem Applaus verkündet. Fast ist man geneigt, es zu glauben. Der Panik-Präsident ist anscheinend stärker als die Zeit, wie sein neues Album und die derzeitige Tour heißen.

An zwei Abenden hat Lindenberg die SAP Arena ausverkauft - bis auf den letzten Platz. Und dabei eine Show geboten, wie sie selbst dieses Haus noch selten gesehen hat: Multimedia vom Feinsten. Musikalisch sowieso ein Genus - aber auch optisch mit so viel wundervollem Schnickschnack garniert, dass man aus dem Staunen fast nicht mehr raus kommt.

Der Präsident schwebt über den Köpfen des Publikums ein auf die Bühne; später folgt auf Udo ein Ufo, aus dem Tänzerinnen abgeseilt werden; mitten durch das Publikum navigiert ein Ruderboot; im Hintergund sind auf einer LED-Wand passgenaue Fotos und Filme zu den jeweiligen Songs zu sehen - und auf der Bühne selbst übertreffen sich Tänzerinnen und Musiker gegenseitig in ihren Darbietungen.

Geschaffen wurde dieses Gesamtkunstwerk nur unweit der SAP Arena: Im Epicto-Showlabor in Edingen-Neckarhausen, wie Udo erzählt. Auch deshalb kennt und liebt er die hiesige Region: Mannheim sowieso, die "Hauptstadt der bunten Republik Deutschland", wie er es nennt; aber auch Weinheim, Worms, Heppenheim - und nicht zuletzt Heidelberg, wo "ich schon vor langer Zeit mein Herz verloren habe".

Nun denn: Ihr Herz haben die alles in allem gut 20.000 Zuschauer spätestens an diesen beiden Abenden endgültig an Udo verloren. So wird das Ganze zu einer gigantischen Party. Mit alles in allem 29 Songs, bei denen die alten Klassiker natürlich am besten ankommen - die neueren dafür musikalisch absolut top sind.

Nie war Lindenberg stärker als bei "Stärker als die Zeit" oder "Das Leben" - und nie war das Panikorchester mit mehr Verve und Energie, aber auch nicht mit solch absoluter musikalischer Brillanz unterwegs. Natürlich gibt’s auch das "Cello" und macht Udo sein "Ding"; selbstverständlich ist mal wieder "Alles klar auf der Andrea Doria". Und ja, auch Jonny Controlletti hat noch alles unter Kontrolle. Eine echte Honky Tonky Show also das Ganze - ergänzt durch Gastauftritte diverser Musiker wie etwa der Lokalmatadore Laith Al-Deen oder Julia Neigel.

Zwischendurch wird’s dann auch politisch: "Wie lange müssen wir diese Songs eigentlich noch spielen?", fragt der 71-Jährige mit unverhohlenem Zorn in der Stimme, bevor die Panik-Kids mit aufmarschieren und ein Gänsehaut erzeugendes "Wozu sind Kriege da?" erklingt.

In der Tat: Es scheint sich nicht all zu viel zum Guten verändert zu haben, seitdem Lindenberg Songs veröffentlich hat wie "Wir brauchen keinen Führer", das unterlegt wird mit aktuellen Bildern von Putin, Trump, Le Pen, Erdogan oder Gauland und Petry. "Wenn es ein Weltgewissen gäbe", sagt Lindenberg, "was müsste das aufjaulen".

Am Ende obsiegt dann jedoch der Rock’n’Roll. Und es geht, war ja auch nicht anders zu erwarten, von Mannheim aus auch noch mal auf die "Reeperbahn". Die "geile Meile" ist allerdings an diesen beiden Abenden in die SAP Arena verlegt worden - keine Frage. Und das das Ganze wird in der Tat sicher noch eine Weile so weiter gehen.

Als Udo Lindenberg damals den Text schrieb zur "Honky Tonky Show", da muss er prophetische Gaben gehabt haben. Wie heißt es da doch? "Denn unsere Show will jeder seh’n - und darum muss sie weiter geh’n". Aber ja! Und gerne auch weitere 30 Jahre.

Text: Peter Wiest
Fotos: Tine Acke

Quelle: Rhein Neckar Zeitung, 19.06.2017