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Udo Lindenberg, der Drei-Generationen-Star

27.08.2010

Timmendorfer Strand – Plüschige Gardinen, merkwürdige Lampengebilde, psychedelisch gemusterte Teppiche und ein roter Samtvorhang. Statt Tanzkapelle spielt das Panikorchester. Mit dabei: ein Mann im Astronautenanzug, der sein Mikro wie ein Lasso schwingt.

Das Astronautenteil erledigt sich schnell, immerhin ist es groß genug, dass ein Hut drunter passt. Udo Lindenberg, der Mann vom anderen Stern. Schwarze enge Hose, Sonnenbrille. Er wippt und tänzelt wie immer an diesem intimen Abend im Maritim Seehotel in Timmendorfer Strand. Regelmäßig probt er hier für seine Tourneen und gibt dann noch ein Konzert oben drauf, die Generalprobe, wie er es nennt.

„Willkommen zu unserer großen Familienfeier“, nuschelt Udo. „An Temperament seid ihr ja nicht zu überbieten“, legt er nach. Natürlich ist es geil, wieder in Timmendorf zu sein, und natürlich ist seine Band die beste der Welt. Sein Publikum klatscht verzückt mit, zuckt ekstatisch mit den Beinen. Viele sind mit ihrem Udo in die Jahre gekommen, die Haare grau, die Anoraks beige. Man trifft sie zumeist auf den Sitzrängen, diese „Andrea Doria“-Generation. Neben denen, die die Lederjacke aus dem Keller geholt haben, und Timmendorfer Schick tummeln sich auf den Stehplätzen die jüngeren der „Stark wie zwei“-Fraktion.

Lindenberg ist generationsübergreifend, seit 40 Jahren im Musikgeschäft und einfach nicht müde. Das zeigt er auch an diesem Familienfest: grandios in Form, exakt im Timing, unterstützt von zwei kurz berockten, stimmgewaltigen Backgroundsängerinnen, darunter die Lübeckerin Nathalie Dorra. Ob „Mädchen aus Ostberlin“ (hierfür nimmt er sogar die Sonnenbrille ab), „Hinterm Horizont“, „Sonderzug nach Pankow“ oder „Mein Ding“ vom neuesten Album "Stark wie Zwei" – Udo hat für alle etwas im Gepäck. Ein großes Konzert im kleinen Rahmen mit einem Mann, der auch mit 64 sichtlich Spaß hat an der Musik. Hoffentlich noch lange.

Quelle: Lübecker Nachrichten, 28.08.2010