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Udo macht sein Ding, die Fans lieben es

21.05.2017

Immer wieder geht es an diesem Abend um Abschied, innere Einkehr, die große Frage, was bleibt. Udo glaubt an das Gute und animiert die Leute, immer weiter zu machen, nicht aufzugeben.

Hut ab für diese Kondition und Power: Wenige Tage nach seinem 71. Geburtstag rockte Udo Lindenberg über zweieinhalb Stunden die ausverkaufte Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle. 12 500 sahen, hörten und staunten: Udo macht sein Ding - und seine Fans lieben es.

30 Songs in zweieinhalb Stunden

Deutschlands einziger echter Rockstar kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken und ist ein wahrer Mutmacher. Sein Feingefühl, seine liebenswerte Rauheit, sein Tänzeln, wie er das Mikrofon - altmodisch mit Kabel, aber eben auch authentisch für ihn persönlich - durch die Luft kreisen lässt, ja seine manchmal traumwandlerische und dennoch oft positiv stimmende Art überzeugen auf ganzer Linie. Das Publikum bekommt an diesem Abend was es will, einen Querschnitt aus mehr als 40 Jahren Deutschrockgeschichte. Fast 30 Titel füllen das Programm.

Da finden sich Hits aus den 70ern bis hin zu seiner neuesten Platte "Stärker als die Zeit", dem Motto der aktuellen Tour. Mit fast 70 veröffentlichte Lindenberg diese und es ist eines der besten Studioalben (35 gibt es) seiner Karriere. Es stürmte an die Spitze der deutschen Album-Charts und erreichte Platin-Status in weniger als 100 Stunden. Zum Jahreswechsel stand fest: Es ist das Album des Jahres 2016.

Udo Lindenberg wollte immer nur "sein Ding machen". Er setzt ein Zeichen und hat damit seit zehn Jahren extrem großen Erfolg. Doch das war nicht immer so, denn erst seine Platte "Stark wie zwei" katapultierte ihn 2008 vom Barhocker zurück auf die Bühne. Sie entstand nach dem Tod seines älteren Bruders Erich. Lindenberg sprach damals in der Öffentlichkeit über seine Krisenjahre, von einem "Tal des Zweifels", das er nun hinter sich lasse. Im Alter von 63 Jahren landete Udo zum ersten Mal in seiner Karriere auf Platz eins der deutschen Charts. Er feierte ein strahlendes Comeback und spielte zum ersten Mal in seiner Karriere in Stadien.

"Deutschrock-Pate"

In Stuttgart kam er am besten rüber, wenn er die Brille abnahm und auf eine sanfte, zurückhaltende Instrumentierung gesetzt wurde. Man ihn also unnachahmlich einfach machen ließ. Er beeindruckte unter anderem mit dem Titellied "Stärker als die Zeit", das auf Nino Rotas Filmmelodie aus dem Kinomeisterwerk "Der Pate" basiert. Die Erfüllung eines alten Lindenberg-Traums, denn sein erklärter Lieblingsfilm ist nun einmal Francis Ford Coppolas Mafia-Epos. Der Deutschrock-Pate singt mit viel Gefühl über Freundschaft und Zusammenhalt.

Stark und intensiv ist auch "Eldorado". "Jede Show kann die letzte sein", lautet eine Zeile im Song. Lindenberg will davon noch weit entfernt sein und ruft so wie man ihn kennt, "gib' mir noch 'nen Drink, reich' mir noch 'ne Cigar, . . .wir feiern diese Nacht als ob's die letzte wär' - dübndüdüüü düdüdü". Das kommt an. Der Musik und den fröhlich mitsingenden Fans macht der Bühnenveteran sogleich noch eine echte Liebeserklärung: "Eldorado - und ich schwör, dass ich für immer unserm Rock'n'Roll und euch gehör". Kräftiger Applaus.

"Ich hab mein Leben in den Dienst des Rock'n'Roll gestellt", bekennt Udo und erntet erneut viel Beifall. Eine breite Videoleinwand, eine angemessene Lichtshow und vor allem sein Panikorchester, auf das er seit 1973 baut und das er als Gang und Familie bezeichnet, runden das gelungene Konzert in Stuttgart ab.

Aber da sind auch noch die Panic Vocals, Pustefix-Bläser, Panik-Tänzerinnen, Panik-Cellistin und Star-Gäste wie Josephin Busch und der Stuttgarter Rapper Max Herre, die die Show bereichern. Besonders Carola Kretschmer ist spitze, wenn sie absolut gekonnt das Gitarrensolo zelebriert.
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Bunt gemischt waren neue Songs und Klassiker am vergangenen Samstagabend zu hören. Zum rockigen "Odyssee" schwebt Udo von der Decke herab auf die Bühne. Die Zigarre im Mund darf natürlich nicht fehlen. "Einer muss den Job ja machen" und "Mein Ding" heizen die Stimmung an, ehe zu der tollen Melodie von "Cello" die in luftiger Höhe turnende Akrobatin im leuchtenden Reifen ihren Auftritt hat. Und am Ende kriegt er sie doch noch - seine "Angebetete".

Politisches Statement

Mit "Plan B" greift Lindenberg seinen Comeback-Hit "Ich mach mein Ding" noch einmal auf und bekennt freimütig: "Ich werde mich nicht ändern, werd' kein anderer mehr sein, weil's wirklich ganz schön geil ist, einfach nur ich zu sein." Und die Fans feiern ihn genau dafür.

"Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" und "Durch die schweren Zeiten" sind weitere Hits, bevor es politisch wird: "Wozu sind Kriege da?" will Udo samt Panik-Kids-Chor wissen. "Wie lange muss ich diesen Song noch singen? Warum werden jedes Jahr Billionen für Waffen und Militär ausgegeben?" Lindenberg bezieht klar Stellung gegen Kriege aller Art, gegen Hunger und rechtes Gedankengut. Mit "Straßenfieber" und "Sie brauchen keinen Führer" bekommen Putin, Trump, Erdogan, Orban, Le Pen, Wilders und die AfD ihr Fett ab (ihre Konterfeis mitsamt Narrenkappe laufen im Hintergrund). "Wir brauchen keine Mauern", sondern eine "Bunte Republik", greift Udo wieder zum Mikro. Auch "Gegen die Strömung" sorgt für Gänsehaut.

 
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