inactive
inactive
inactive
inactive

Unterm Hut

Uwes Rockliner-Blog

01.09.2017 | Kommentare [1]

Ende 2008 fand ich in meiner Mailbox eine Nachricht: „Hi Uwe, hier Udo Lindenberg. Bin genau wie Du ein Freund der Seefahrt. Kannste mir mal deine Mobilnummer geben, würde dich gerne mal sprechen!“ Wir kannten uns nur flüchtig vom Sehen von NDR 2, gesprochen hatten wir bis dahin nie. Von daher war ich leicht irritiert.

Mir war natürlich nicht entgangen, dass er gerade vor ein paar Wochen sein neues Album „Stark wie zwei“ veröffentlicht hatte. Die Resonanz war gewaltig. Auch ich konnte seit langer, langer Zeit wieder etwas mit ihm anfangen. Die frühen Alben „Andrea Doria“ und „Ball Pompös“, fand ich genial. Danach hatte ich Udo irgendwie verloren, weil ich natürlich auch bei NDR 2 von Musik überschwemmt wurde. Und nun diese e-mail.

Du bist der Experte, der Bootsmann!

Wir haben uns dann im The George Hotel in Hamburg getroffen. Unterm Arm hatte er meine Kreuzfahrtguides. Nicht nur gelesen, sondern durchgearbeitet. Überall steckten kleine Post it – Zettel. Da hatte er seine Kandidaten markiert, für das, was er im Hut hatte: „Ich möchte mit den Panik-Fans in See stechen. Rockliner soll das Ding heißen. Und Du bist der Experte, der Bootsmann. Hast Du Lust darauf?“

Ich hatte 2002 meine erste Kreuzfahrt auf der Astor gemacht, Udo 2004 auf der Europa. Und nun, im Januar 2009, treffen sich unsere Routen. Verrückt. Und natürlich hatte ich Lust, weil ich auch spürte, dass Udo seine Power zurückhatte. Sein Favorit war die „Albatros“ von Phoenix. Ein klassischer Kreuzfahrer für 850 Passagiere. So bisschen Atlantic auf dem Meer. Ich sagte ihm, das sei ein größeres Onkel Pö und dass ich eine andere Idee hätte. „Die TUI steigt in die Kreuzfahrt ein. Ich glaube wir sollten uns mit ihnen treffen.“

Udo war skeptisch. Zweitausend Leute, zu groß. Risiko, wenn es nicht voll wird. „Stark wie zwei“ ging durch die Decke, Nummer eins in Deutschland und für mich das beste Album, das er je gemacht hat. Da kann er nicht ins Onkel Pö!

Das Doppel-Ding: Taufe und Rockliner

Wir trafen uns mit Richard Vogel, dem CEO von TUI Cruises, der sich noch einen Rest Verrücktheit in der Kreuzfahrt-Branche bewahrt hatte. Vorher war er bei AIDA gewesen. Es wurden lange und viele Gespräche. Dann war es klar. Udo macht nicht nur sein Ding, sondern das Doppelding: Er spielt 2009 auf der Taufe von „Mein Schiff“ im Hamburger Hafen und 2010 stechen wir mit dem Rockliner in See. Mit einem Glas Eierlikör haben wir darauf angestoßen.

Nach vier Tagen war der Rockliner ausverkauft. Auf meinem Handy surrten die Dankes-SMS von Udo, die er zu seinen Bürozeiten abschickte. Nachts um drei. Als wir am 5. Mai 2010 in Hamburg ablegen, beginnt die Reise, die keiner mehr vergisst. Fünf Tage Panik Party, wie sie es noch nie auf See gab. Das ganze Pooldeck ist voller Panik-Passagiere, zwei Dutzend Doppelgänger sind auch an Bord.

Odyssee, keiner weiß wohin die Reise geht…

Dann steigen Udo und das Panikorchester auf die Bühne – der Traum wird wahr: „Odyssee, keiner weiß wohin die Reise geht!“ Wir laufen aus. Und es wird die Hymne des Rockliners. Der Panik-Virus verbreitet sich von Bug bis zum Heck, über alle Decks: Im Theater steigen die großen Konzerte. Zweieinhalb Stunden spielen Udo & das Panik-Orchester, als Special Guests sind Jan Delay und Nina Hagen dabei. Sein Traum ist wahr geworden. Und wurde auch irgendwie zu meinem Traum.

Viele Panikfans haben ihre Klampfen dabei, denn die brauchen sie für die Triumphfahrt auf der Elbe. Was sich dann bei der Rückkehr im Hamburger Hafen ereignet, davon werde ich meinen Enkeln später nichts erzählen. Denn sie werden es mir nicht glauben. Sie werden nicht glauben, dass da ein vom Wahnsinn geschickter Sänger mit Hut ein riesiges Schiff gekapert hat. Und dass er dieses Schiff fünf Tage in Grund und Boden gerockt hat.

 
1 | 2