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Was Panikrocker Udo Lindenberg über Deutschland denkt, lässt hoffen

11.12.2018

Vor sieben Jahren erschien das erste MTV-Unplugged-Album des Panikrockers, nun will es der 72-Jährige noch einmal wissen. Für "Live vom Atlantik" (erscheint am 14. Dezember) hat Udo Lindenberg Songs mit Kollegen und Freunden neu aufgenommen, "Tatort"-Maria Furtwängler gibt ihr überraschendes Gesangsdebüt.

FOCUS Online traf Lindenberg in seinem Hamburger Domizil - dem legendären "Hotel Atlantic". Im Interview spricht er über die neue Platte, seine wilden Zeiten, die anschließende Genesung und darüber, wie es aktuell um Deutschland steht.

Udo Lindenberg: Maria und ich kennen uns schon ein bisschen länger, wir haben hier im „Atlantic“ einige Abende verbracht und ich finde ihre Filme toll. Sie erzählte mir bei einem Treffen an der Bar im Foyer, dass sie zusammen mit Ihrer Mutter und Ihren Geschwistern auf einen Maskenball gehen will. Sie hatten ein ABBA-Gruppenkostüm geplant. Das Problem: Sie waren zu fünft, hatten aber nur vier Kostüme. Also habe ich ihr vorgeschlagen: „Geh du doch als Udo, Maria. Zieh dir meinen Dress an, setz dir meinen Hut auf.“ Also sind wir hoch in meine Hippie-Suite gegangen und ich habe sie komplett ausstaffiert.

Die Udo-Klamotten haben ihr gleich ein ganz anderes Feeling gegeben. Da kommt kein Kostüm ran. Dann standen wir zwei also in unserer Montur nebeneinander, sahen aus wie zwei so richtige Agenten. Und ich sagte: „Wenn wir jetzt noch einen singen, wär das die Krönung“. Mein Agenten-Song passt doch hervorragend, „Bist du vom KGB“. Aber sie war unsicher, weil sie noch nie richtig professionell gesungen hatte.

FOCUS Online: Udo, auf Ihrem neuen Album „MTV Unplugged 2 - Live vom Atlantik“ findet sich auch ein Duett mit Maria Furtwängler. Wie kam es denn dazu?

Maria Furtwängler sang erstmals mit Udo - und war "mega-relaxed"

FOCUS Online: Wie haben Sie sie trotzdem erstmalig zum Singen gebracht?

Udo Lindenberg: Ich habe ihr vorgeschlagen, bei sich zu Hause in der Küche ein bisschen was für mich einzusingen. Das hat sie mir dann geschickt, ich war schon ganz angetan. Wir haben dann mit meinen Producern zusammen in Hamburg noch ein bisschen dran gefeilt, es ein bisschen lasziver gestaltet, mehr Richtung Sprechgesang. Dann ist es richtig cool geworden. Auf der Bühne, beim Einsingen der neuen Platte, war sie so mega-relaxed. Es glaubt ihr keiner, dass sie das noch nie gemacht hat. Und sie hat dabei sogar meine Original-Klamotte getragen. Hose, Hut, das passt und steht ihr alles eins A.

FOCUS Online: Ganz indiskret nachgefragt: Welche Hosengröße haben Sie denn, dass die auch einer Dame passt?

Udo Lindenberg: 28. Das ist die Rockstargröße. Mick Jagger und Keith Richards haben die auch. Und früher auch mal Axel Rose. Steven Tyler hat übrigens auch immer noch eine 28 .

FOCUS Online: Und wie behält man die?

Udo Lindenberg: Eigentlich ist das ein Geschenk der Götter. Aber ich halte mich fit, klar. Ohne Sport geht es nicht, weil du sonst so eine Show gar nicht durchhältst. 10 Kilometer Bühnenstrecke, hin und zurück, Mikro schleudern wie ein Lasso, Rolle rückwärts. Ohne Kondition kippst du um.

"Irgendwann sah ich aus wie ein Rock'n'Roll-Mops"

FOCUS Online: Sie sollen nachts im „Atlantic“-Pool Ihre Bahnen ziehen…

Udo Lindenberg: Nee, zur Zeit jogge ich wieder. Aber auch nachts. Hoodie und Kopfhörer auf und los. Gerade läuft Lady Gaga auf meiner Playlist, „A Star is Born“. Sonst knall ich mich ans Rudergerät oder mache EMS-Training mit der deutschen Meisterin im Kickboxen Natalie Zimmermann . Auch Planking halte ich 5 Minuten durch. Gewinn ich jede Wette, haha.

Ja, früher war das anders da war ich auch Sportler, aber Trink-Sportler. Weltmeister im Erleuchtungs-Trinken. Buddha saß an einem Baum, ich lag unterm Tresen. Erleuchtung und Erkenntnis suchten wir beide. Nur er auf Askese und ich auf zwei Flaschen Whiskey jeden Tag. Irgendwann sah ich aus wie ein Rock'n'Roll-Mops. Dann hab ich Schluss gemacht mit der Sauferei.

FOCUS Online: Warum?

Udo Lindenberg: ich hatte keinen Bock mehr. Ich wollte wieder aussehen wie Udo, nicht wie Elvis. Fett, schwitzend, irgendwann bricht er zusammen. Dann ist es vorbei. Das muss nicht sein. Sexy und schmal und schnell ist besser. Früher Tod und großer Ruhm, nee, ich dachte, später Tod und trotzdem großer Ruhm ist besser. Noch besser natürlich, ist gar kein Tod, übergehen in die Zeitlosigkeit - mach ich jetzt...

FOCUS Online: Schnell in welcher Hinsicht?

Udo Lindenberg: Schnell und gut - Mann mit Hut. Wissen Sie, ich wollte nochmal durchstarten. Ich wollte im Theaterspiel meines Lebens noch mal einen zweiten Akt. Einen richtig großen sogar. Das hat mich sehr happy gemacht, dass mir das nochmal gelungen ist.

FOCUS Online: Sind Sie glücklich mit dem Ergebnis?

Udo Lindenberg: Vor zehn Jahren ist mir das noch einmal gelungen, ja. Ich war aber auch ein bisschen ein Glückspilz, bin an die richtigen Leute geraten. Gute Producer, Musiker. Der highlige Geist hat es nochmal gut mit mir gemeint. Wenn ich meine Texte schreibe, glaube ich manchmal, er schaut aus'm Weltall oder zumindest von der Zimmerdecke auf mich hinab. Und führt mir die Hand beim Schreiben...zumindest fühle ich mich nicht alleine. Da sind noch weitere, so kosmische Energien über mir drüber.

Vor zehn Jahren ging es also noch einmal so richtig ab. Die nächsten Platten haben auch reingehauen. Daraus sind drei große Touren entstanden mit ausverkauften Stadien. Das ist schon ein großes Geschenk, eine vom Wahnsinn gut durchgeknutschte Wundertüte.

"Weiter als bis dahin wollte ich es nicht kommen lassen"

FOCUS Online: Was wäre passiert, wenn Sie die Kurve nicht bekommen hätten?

Udo Lindenberg: Ich hatte 15 Jahre lang eine richtig geile Karriere, bis Ende der 80er. Und dann begannen die wilden Partyzeiten. Dann kam der Exzessor in Sachen Suff nach der Mengenlehre und Drogen nicht zu knapp. 15 Jahre lang auf die Sahne hauen, weltweites Rumstreunen, ma kieken was passiert, viel spontan, ohne Plan. Bisschen wie betrunkene Kinder. Streiche spielen, Scheiße bauen. Astronaut spielen. Und dann wieder Bodenstation, Krankenhaus, Intensivstation, musste zur Blutwäsche. Da hat sich schon was geregt in meiner Birne. Weiter als bis dahin wollte ich es nicht kommen lassen. Es war Zeit für Besinnung, für eine innere Einkehr. Dazwischen mein ganzer Krisen-Quatsch. Das wollte ich abhacken. Gandhi ist ein bisschen mein Vorbild, der hat nie aufgegeben. Ich gebe auch nicht auf. Jetzt habe ich mir vorgenommen, meinen bislang zehn Jahre andauernden zweiten Udo-Theaterakt noch fünf weitere spielen zu wollen.

FOCUS Online: Warum gerade – oder warum nur - fünf Jahre?

Udo Lindenberg: Naja…wenn’s Spaß macht, wird verlängert!

FOCUS Online: Auf Ihrer neuen Platte singen Sie unter anderem mit Andreas Bourani und Marteria zusammen. Wen hätten Sie noch gerne dabei gehabt?

Udo Lindenberg: Lady Gaga. Ich habe sie gefragt, sie hatte keine Zeit. Beim nächsten Mal dann. Naja, jetzt habe ich ja die große Maria Furtwängler entdeckt.

 
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