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Wie Udo Lindenberg plötzlich vier Millionen Euro fehlten

27.09.2018

Hausbank des Hamburger Musikers verzockte das Geld an der Börse. Wie die Geschichte ausging, steht in einem neuen Buch.

Stell dir vor, du rufst bei deinem Bankberater an, um mal zu fragen, was das Geld auf deinem Konto eigentlich so macht. Und dein Bankberater sagt: Welches Geld? Na, die vier Millionen Euro und ein paar Zerquetschte, sagst du. Alles weg, sagt der Bankberater.

Alles weg.

Heute dürften dem Mann, dem diese Geschichte passiert ist, vier Millionen Euro egal sein. Seine Beziehung zu Geld ist inzwischen eine andere geworden und das nicht nur, weil er davon aktuell so viel hat wie nie zuvor in seinem Leben. Es geht ihm grundsätzlich nicht mehr um Geld, es geht ihm ums Leben, um die große Show und dieses eine Ziel: „Den Leuten das Gefühl zu geben, dass die Welt besser werden sollte, nicht schlechter. Weiter, immer weiter.“

Verzockt am Neuen Markt

Dies ist die Geschichte von Udo Lindenberg, und sie ist wahrscheinlich nie so gut erzählt worden wie in dem neuen Buch „Udo“, das der Musiker zusammen mit „Spiegel“-Reporter Thomas Hüetlin geschrieben hat. Die Anekdote mit den vier Millionen Euro, die Lindenbergs Hausbank bei der Krise des sogenannten Neuen Marktes Anfang des 21. Jahrhunderts verzockt hatte, ist dabei nur eine von mehreren, die belegen, wie fertig und erledigt der Mann mit dem Hut zwischenzeitlich war. Genauso wie die Figur im Song „Der Millionär hat keine Kohl mehr“:

Der Millionär hat keine Kohle mehr
Das Leben ist grausam
Und die Taschen sind leer
Haste mal n schlaffen Euro oder ne
müde Mark?
Die letzte Bank, die ihm noch bleibt
Ist die Bank im Park.

Das liest sich wie Lindenberg über Lindenberg. Damals, kurz nach der Jahrtausendwende, als sein Leben zu Ende schien, schrieb er den Song. Jetzt zitiert er ihn im Buch wieder. Und erzählt, wie schlimm das wirklich war, vor diesem Comeback, über das heute alle sprechen. Udo auf Tournee war im Jahr 2000 eine Zumutung, für Fans, für Freunde, für Veranstalter. „Oft schlief er in der Garderobe ein, manchmal mussten Doppelgänger seine Nummern zu Ende singen.“ Er trank Whisky, Absinth, das ganze Zeug, konnte „die eigenen Texte auf dem Teleprompter nicht mehr erkennen“. Ausgerechnet in der Alsterdorfer Sporthalle (!), bei einem Heimspiel. Tage später lieferte sich Udo Lindenberg selbst ins Krankenhaus St. Georg ein. Er hatte 4,7 Promille. An sich nicht mehr zu retten. Ein Zivildienstleistender sagte zu Udo im Krankenhaus: „Alter, ich kann es nicht mehr mit ansehen, was du aus deinem Leben gemacht hast. Eine Schande. Eigentlich hast du hier nichts verloren.“ Tja, der junge Mann hatte recht.

Udo am Tiefpunkt seiner Karriere

Lindenberg schien damals alles zu verlieren, Geld, Gesundheit, Anerkennung. Es war die Zeit, in dem ihm seine alte Plattenfirma gekündigt, der große Sänger erstmals keinen Vertrag mehr hatte. Niemand mehr da, der Udos Reisen und Spesen bezahlte. Kaum noch Anfragen für Auftritte, das letzte Album „Atlantic Affairs“ nur 7000-mal verkauft, eine riesige Enttäuschung. „Da denkst du an Rex Gildo“, heißt es im Buch, „der 10.000-mal Hossa gesungen hat, am Ende in irgendwelchen Möbelhäusern, nur um den Tank noch vollzukriegen, bis zum nächsten Möbelhaus.“

Es kam alles ganz anders. Udo begann mit dem Trinken aufzuhören, fing wieder an, hörte wieder auf. Er musste nüchtern werden, um diese Schlappe wegzumachen, dieses 33. Album, das nur 7000 Menschen haben wollten. Er musste abnehmen, sich gesund ernähren, um seinen eigenen Absturz zu überleben. Udo ging wieder ins Studio und vor allem: er fing wieder an zu singen. Richtig zu singen. „Mit der Taschenlampe ganz tief rein in die Seele“, so nannte er das. „Was hat die Zeit mit uns gemacht“ und „Wenn du durchhängst“ zum Beispiel. Zwei neue Lieder, ein neuer Sound, verklärte Gesichter am Mischpult, endlich mal wieder.

Triumph mit "Stark wie zwei"

Als Udo einen Rückfall bekommt und aus irgendeinem Grund hochprozentigen Alkohol mit ins Studio bringt, trinken ihn die Produzenten um Andreas Herbig einfach selbst aus. Udo muss trocken, Udo muss sauber bleiben. Er bleibt sauber – und wie: Als sein 34. Album „Stark wie Zwei“ erscheint, hoffen alle auf zehnmal so viele Verkäufe wie bei Album Nummer 33. Aber: „Vier Wochen nach der Veröffentlichung erreichte es Platz eins der Charts. Noch nie hatte Udo diesen Triumph geschafft. Er würde in diesem Jahr am Ende über 600.000 Alben verkaufen.“

 
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