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Wie Udo Lindenberg plötzlich vier Millionen Euro fehlten

Fit wie nie mit über 70

Der Rest der Geschichte ist bekannt, denkt man. Ist er aber gar nicht. Udo nimmt den Leser in „Udo“ mit hinter die Bühne eines der Stadien, in denen er jetzt vor 40.000 Fans wieder singen darf. Er, das heißt, der neue Lindenberg. Der, der jeden Morgen um drei Uhr einmal um die Alster läuft, acht Kilometer. Der viel Gemüse isst und wenig Fleisch. Der inzwischen die Hosengröße 28 hat, wie Mick Jagger, bisschen spiddelig, aber fit wie nie, mit über 70. „Das Alter ist kein wirkliches Problem mehr im Rock ’n’ Roll. Der Hüftumfang ist es“, schreibt Udo, und dass er bei seinen Konzerten immer ein paar Spezialisten dabei hat: „Ärzte. Drei stehen hier mit dir in deiner Garderobe. Dr. Partenheimer, der Orthopäde, Dr. Behrbohm und Dr. Pauly, der eigentlich immer dabei ist, eine Art Leibarzt.“ Udo muss in seinen Konzerten bis zu zwölf Kilometer laufen, 34 Songs singen. Früher hätte er dafür ein Dutzend Doppelgänger gebraucht.

Zum Ende des Buches spürt man die Dankbarkeit, die der Hamburger über den Verlauf seines Lebens empfindet, darüber, die entscheidende Kurve gekriegt zu haben. Denn es sind ihm ja nicht nur die erniedrigenden Auftritte in Möbelhäusern erspart geblieben. Sein MTV-Unplugged-Album verkaufte sich 1,2 Millionen Mal, doppelt so viel wie das der „Ärzte“. Nummer zwei erscheint Mitte Oktober. Das Lindenberg-Musical war ein gigantischer Erfolg, nahezu alle Tourneen und Auftritte sind ausverkauft. Es gibt ein Museum 2.0, die „Panik City“ auf der Reeperbahn, die neue Biografie, bald einen Film. Benjamin Stuckrad-Barres Buch „Panikherz“, nicht nur, aber auch eine Liebeserklärung an Udo, war Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste. Und als würde das nicht reichen, ist Hamburgs Politik fest entschlossen, dem Herrn Lindenberg die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

Und wo sind die Millionen?

Bleibt die Frage, was mit den vier Millionen Euro passiert ist, von denen am Anfang dieses Textes die Rede war und die Udo bei seiner Bank in guten Händen geglaubt hatte. Schließlich hatte er seinem Berater aufgetragen, mit der Kohle ganz vorsichtig umzugehen, für den Fall der Fälle, kann ja auch mal bergab gehen in Leben und Karriere. Und dann das. Alles weg. Das lässt sich einer wie Udo nicht gefallen. Aber lesen Sie selbst, wie das Treffen des Kunden Lindenberg mit seinem Berater ausging:

„Ich habe viele Freunde“, sagte Udo, „denen kann ich das gar nicht erzählen, was ihr mit mir gemacht habt. Die würden da nicht stillhalten können, egal, ob ich mit meinen Freunden auf der Reeperbahn oder mit denen im Kanzleramt spreche. Ihr seid gesunde, vermögende Menschen hier bei eurer Bank, steht in der Blüte eures Lebens. Also seid vernünftig. Ich will, dass es euch gut geht, und damit dies so bleibt, wäre es vernünftig, wenn ihr mir drei Millionen Euro zurück auf mein Konto zaubert. Ihr habt das Geld verzockt, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber ich will nicht kleinlich sein oder nachtragend. Deshalb gebe ich mich, sagen wir mal, mit 70 bis 80 Prozent der ursprünglichen Summe zufrieden.“

Udo verabschiedete sich und wies noch auf seine Kosten für Hotel und Entourage hin:

Ein paar Wochen später geschah das, wovon Millionen in der folgenden Finanzkrise Geprellte bis heute träumen. Der geforderte Betrag fand sich wieder. Auf Udos Konto.

Udo Lindenberg: „Udo“ (Mitarbeit: Thomas Hüetlin), 352 Seiten, 24 Euro, Kiepenheuer & Witsch, erscheint am 4. Oktober.

Text: Lars Haider
Fotos: Tine Acke

Quelle: Hamburger Abendblatt, 27.09.2018

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