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Wie war's bei...Udo Lindenberg in Freiburg?

Die Stimmung

Euphorisch. Was nicht nur daran liegt, dass man seinen Udo und alle seine Songs kennt. Oder dass der Mix aus gefühlvollen Balladen und fetzigen Nummern sorgfältig durchchoreografiert ist. Sondern auch an der Selbstvergewisserung, die so ein Konzertbesuch bedeutet. Vergewisserung der eigenen Geschichte und der eigenen politischen Haltung. Und da lässt Lindenberg das antifaschistische Herz höher schlagen: wenn zum Song BRD auf der Leinwand der Schriftzug Bunte Republik Freiburg leuchtet, wenn Lindenberg Donald Trump einen Schwachmaten nennt oder ein flammendes Bekenntnis Pro Europa ablegt, wenn Politiker der neuen europäischen Rechten mit ein paar Papphütchen gezeigt werden, gefährliche Clowns allesamt.

Die Stimme

War ja mal ziemlich abgesoffen zwischendurch, eigentlich für eine ganze Zeit, untergegangen nicht lange nach der Bonner Republik. Jetzt ist sie aber wieder da, näselnd wie immer, vitaler denn je. Im Lauf des Abends scheint sie tatsächlich dunkler zu werden, ob's am ostentativen Gurgeln mit Eierlikör liegt, sei dahingestellt. Und wenn sie mal brüchig klingt, dann ist das eher Melancholie und Abgesang auf ein langes, wildes Leben. Das freilich richtig aufblüht, seit Udo auf seinen Body achtet und die Nächte (seit Jahrzehnten steht er abends auf und geht morgens ins Bett) nicht nur zum Saufen nutzt, sondern auch zum Laufen. Gut, wenn er tatsächlich 100 wird, wie er es vorhat, dann möchte man seine Stimme nicht mehr unbedingt hören. Die alten Aufnahmen seiner Songs aber schon.

Was bleibt

Nach 140 Minuten schieben sich 10 000 glückliche Wesen hinaus in die Nacht, froh, Udo Lindenberg erlebt zu haben, erstmals oder nochmal, vielleicht ja zum letzten Mal. Denn mit nicht wenigen seiner Songs könnte man einen Nachruf auf ihn beginnen, irgendwann. Das Ansingen gegen die eigene Vergänglichkeit ist Lindenbergs Feier des Lebens. So hochtrabend würde er sich natürlich nicht ausdrücken. Eher davon reden, dass er weiter sein Ding macht. Und das dürfte er noch eine ganze Weile tun, der älteste, ja einzige deutsche Rockstar. Also keine Panik.

Text: Gabriele Schoder
Fotos: Tine Acke

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