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Udo Lindenberg in Berlin – Große Show mit starken Botschaften

08.06.2019

Wer verrückte Dinge sucht, ist in Berlin sicherlich genau richtig. Wenn aber strippende Nonnen, boxende Politiker und bekiffte Flamingos zusammenkommen, ist das auch in der Hauptstadt eine Besonderheit. Das wissen auch die Fans von Udo Lindenberg, von denen am Freitagabend 13.000 in die ausverkaufte Mercedes-Benz-Arena strömten.

Viele der Zuschauer kamen dank der hohen Außentemperaturen bereits verschwitzt beim Konzert an – und Lindenberg heizte ihnen mit Pyrotechnik, Nebelkanonen und einer spektakulären Feuershow weiter ein. Einen Erklärungsversuch für die Absurdität seiner Show lieferte Lindenberg gleich mit. Seine Songs seien „breit geschrieben und nüchtern gegengelesen“ worden, erzählte er.

Zweieinhalb Stunden tanzte der Künstler über die Bühne; natürlich mit Hut, Sonnenbrille und seinem Panikorchester. Neben Songs aus seinem neuen Album „MTV Unplugged 2 – Live vom Atlantik“ sang er auch Klassiker wie „Cello“ oder „Sonderzug nach Pankow“. Bei seinem Lied „Wozu sind Kriege da?“ geriet Lindenberg kurz ins Stocken. Wie lange er diesen Song denn noch singen müsse, bis endlich Frieden herrsche, fragte er sein Publikum und kritisierte zugleich die weltweite Aufrüstung. „Die Menschheit muss den Krieg beenden, bevor der Krieg die Menschheit beendet.“

Wie man es von Lindenberg kennt, sollte dies nicht seine einzige politische Botschaft bleiben. Lindenberg ließ auf der Bühne das Grundgesetz verlesen, machte sich für eine „bunte Republik“ stark und widmete sich auch dem Klimawandel. „Die Erderwärmung muss endlich ernst genommen werden, es gibt kein Zurück mehr“, sagte er. Wo die Menge eben noch ausgelassen tanzte und jubelte, war es plötzlich ganz ruhig. Dann setzte sein Song „Ratten“ ein. Während Lindenberg vom „verpesteten Himmel“ und „versauten Flüssen“ sang, flimmerten auf der 250 Quadratmeter großen LED-Wand hinter ihm dramatische Bilder auf: Plastik im Meer, qualmende Kohlekraftwerke, die Proteste der „Fridays for Future“-Bewegung. Der Song ist zwar aus dem Jahr 1982. Doch die darin besungenen Missstände haben nichts an ihrer Relevanz eingebüßt.

Lindenberg gelang es in Berlin aber auch souverän, eine Brücke zwischen ernsten, gesellschafts-kritischen Themen und erstklassiger Unterhaltung zu schlagen. Dafür holte er sich mit seinem ehemaligen Mitbewohner Otto Waalkes prominente Unterstützung. Fünf Jahrzehnte steht der 73-jährige jetzt schon auf der Bühne, seine markanten Tanzschritte wirken jedoch noch immer so galant wie die seiner vielen Tänzerinnen und Tänzer. Und für Lindenberg ist noch lange kein Karriereende in Sicht. „Ich komme in den Club der Hundertjährigen“, rief er seinen Fans zu. Ein schöneres Versprechen hätte er ihnen wohl kaum geben können.

Text: Daniel Tautz
Fotos: Tine Acke

Quelle: stagr.de, 08.06.2019