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45 Jahre Panikorchester: Das Chaos zelebriert

13.08.2018

Beinahe untrennbar mit dem Namen Udo Lindenberg ist der Name seiner Band verbunden: das Panikorchester. Heute vor 45 Jahren wurde es gegründet. Nach ersten Versuchen mit wechselnden Musikern fand sich Udo Lindenberg mit dem Bassisten Steffi Stephan und anderen zusammen. Eine ganz eigene Geschichte von Freundschaft und musikalischer Verbundenheit, wie die beiden im Interview erzählen.

"Udo und ich, wir kennen uns seit 55 Jahren. Ich war 16, er war 17, wir haben gemeinsam Musik studiert in Münster - das heißt, er hat mich dazu gebracht, Musik zu studieren, hat mich und meine Mutter überzeugt", erinnert sich Steffi Stephan. Und Udo Lindenberg ergänzt: "Am Anfang wussten wir alle gar nicht, ob das überhaupt gut gehen würde mit so 'ner Band. Wir hatten gar keine Ahnung und waren wahnsinnig aufgeregt."

"Einer wird's bringen mit deutschen Texten"

Seit dem 13. August 1973 sind die beiden Gründer Steffi Stephan und Udo Lindenberg mit ihrem Panikorchester unterwegs. Sie machen als Erste in den von Schlagerfloskeln und Politrock geprägten frühen 70ern deutschsprachigen Rock für die Masse. Lindenberg blickt zurück: "Ich hab mir zu der Zeit gedacht: Einer wird's bringen. Aber ich wusste nicht genau, wer. Einer wird's bringen mit deutschen Texten, gut crazy, auch 'n bisschen schlau, und singt über das, was das Leben so im Angebot hat, über den ganzen wunderbaren Wahnsinn. Ich hab geahnt: Einer wird der ganz große Star. Dass ich das werden würde, wusste ich natürlich nicht - aber ich hab's gehofft und sozusagen begünstigt."

Promilletest am Bühnenrand

Und da war noch etwas, wie sich Bassist Stephan erinnert: "Wir haben uns richtig überlegt, wie wir die Band stylen. Das war das erste Mal, dass man sich richtig Gedanken darüber gemacht hat. Wir waren bei uns zu Hause, und ich hab gesagt 'du kannst meinen Hochzeitsanzug haben', und Karl kam aus dem Bad wieder raus mit abrasiertem Bart, war richtig geschminkt - und sah eben aus wie Karl Brutal." Gitarrist Karl Allaut, so sein richtiger Name, spielte im Panikorchester den "Karl Brutal". Udo Lindenberg war mitunter Hilfssheriff am Bühnenrand: "Da stand ich dann und hab den Promilletest gemacht. Unter 1,2 Promille durfte niemand die Bühne betreten. Wenn wir schon nicht so perfekt an den Instrumenten waren, mussten wir wenigstens glauben, dass wir die Kings sind!"

Bandgefüge teilweise auf der Kippe

"Eine Zeit lang, das muss ich sagen, da haben wir zu viel genommen", offenbart Bassist Stephan. Und Lindenberg ergänzt: "Aber nicht nur Alkohol - alles Mögliche." Manchmal habe das gesamte Bandgefüge deswegen auf der Kippe gestanden - auch wenn das Chaos von der Band durchaus zelebriert worden sei.

Was mit dem kleinen Hit "Hoch im Norden" begann, geht im kommenden Jahr wieder mal durch die großen Konzerthallen. Steffi Stephan und Udo Lindenberg live mit ihrem Panikorchester - "mit viel Doppelkorn im Kopp ist da ein geiles, großes Ding draus geworden", sagt Lindenberg.

Text: Thomas Steinberg
Foto: NDR

Quelle: NDR.de, 13.08.2018