Termine

alle Termine »

News

"Das Grauen geht um im Land, nicht nur an Halloween"

31.10.2019

"Wir brauchen keine rückwärtsgewandten Rassisten und Hetzer": Udo Lindenberg hat das starke Wahlergebnis der AfD in Thüringen scharf kritisiert. Und wünscht sich "Kreativpower für die Zukunft".

Klare Worte von Kultsänger Udo Lindenberg zum starken Abschneiden der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Thüringen. "24 Prozent. Und viele sagen immer noch: Das wird sich niemals wiederholen - aber seht ihr denn nicht an den Häuserwänden die selben alten neuen Parolen?", schrieb der 73-jährige Sänger am Mittwochabend auf Facebook. Er findet: "Das Grauen geht um im Land, nicht nur an Halloween."

Die AfD hat nicht nur in Thüringen, sondern im September auch in Sachsen und Brandenburg hohe Wahlergebnisse eingefahren. "Wir brauchen keine rückwärtsgewandten Rassisten, Hetzer und menschenfeindliche Brandstifter mehr in unserm schönen Land", schreibt Lindenberg in seinem Posting, das von Nutzern bereits Tausende Male geteilt und kommentiert wurde. "Wir brauchen neue Visionen, Kreativpower für die Zukunft, echte Lösungen für die ganzen krassen Herausforderungen unserer Zeit."

Der Musiker hatte eine besondere Verbindung zur ehemaligen DDR. Schon lange vor dem Mauerfall bemühte er sich immer wieder, dort aufzutreten, war in Kontakt mit der SED-Führung und sang sich mit Liedern wie "Mädchen aus Ostberlin" und "Sonderzug nach Pankow" in die Herzen der ostdeutschen Fans.

Lindenberg positioniert sich seit Jahren politisch mit Statements gegen Rechtspopulismus. Er rief in der Vergangenheit auch andere Künstler dazu auf, mehr Haltung zu zeigen: Es gebe viele, die sich prinzipiell gar nicht äußerten, sagte er 2016. "Die sagen, wir sind reine Entertainer, wir machen nur Unterhaltung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen."

Doch das trifft nicht auf die gesamte Branche zu. Die Band Deichkind beispielsweise sprach vor Kurzem in einem Interview mit der "Zeit" über den Rechtsruck. "Wir wollen keine verbalen Vergeltungsschläge machen, wir wollen Leute aufwecken und zurückholen - wir haben keinen Bock mehr auf Hass", sagte Bandmitglied Sebastian Dürre. Die Sängerin Sarah Connor wird in einem ihrer Songs konkret: "AfD-Idioten, mein Herz kriegt ihr nicht", singt sie in dem Lied "Ruiniert".

Text: jus/dpa
Foto: Tine Acke

Quelle: Spiegel.de, 31.10.2019