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Lindenberg: „In Leipzig ist immer so eine große Liebe zu spüren“

Globale Gerechtigkeit, Diversität und Klimaschutz: Fighten mit der neuen Generation

Der Greis ist heiß oder Dirty old man?

Dirty old man würde ja heißen, dass man nicht gerade ein netter Zeitgenosse ist, ähnlich wie „alter weißer Mann“. Mit solchen Begriffen kann ich nicht viel anfangen, wenngleich sie wichtig sind, wenn man über Themen wie Kolonialismus, Sexismus diskutiert. Aber Pauschalisierung ist nicht hilfreich. Wir haben schon in den 60er, 70ern oder 80ern für die Werte und Utopien gekämpft, die junge Menschen heute auch einfordern, sind für Frauenrechte, LGBT und globale Gerechtigkeit eingetreten, und wir haben ja auch viele Lieder drüber gesungen. Außerdem sind wir mit unserer Stiftung in Afrika aktiv, für Menschenrechte und Bildung. Da sind wir ja nicht alleine. Es gibt so viele aus dieser Generation, die zusammen mit den Kids von heute für globale Gerechtigkeit, Diversität und Klimaschutz fighten. Dafür stehen wir, und dafür fighten wir, zusammen mit der neuen Generation: No panic, wir bleiben am Start. Der Greis ist heiß …

Politische Statements gehören zur Show wie ein Eierlikörchen. Gibt es zu wenig Kritiker vom Schlag Lindenberg?

Wir haben unseren Job immer so verstanden, dass Unterhaltung stets auch was mit Haltung zu tun hat. Auch politischer Haltung. Wir haben immer gegen Missstände angesungen und Action gemacht. Das gibt es auch heute noch, geht aber vielleicht in der Vielfalt der Stile und Meinungen ein bisschen unter. Heute muss man schon verdammt laut oder krass auffällig sein, um gehört zu werden. Aber, es gibt sie überall, die kritischen Geister und das ist gut so. Und es werden täglich mehr, yeah.

Nach mehr als 100 Tagen Krieg in der Ukraine ist von einer Kriegs-Müdigkeit die Rede. Sehen Sie das auch so?

Kann sein, dass andere Schlagzeilen das Thema verdrängt haben. Aber, Ukraine und all die anderen Kriege in der Welt sind ja noch da, hören nicht einfach auf: Sudan, Syrien, Jemen, Mali, Ost-Timor. Auf der Welt toben Kriege, die wir gern verdrängen. Aber so kann es nicht weitergehen. Wir müssen konsequent als Menschheit die Kriege beenden, sonst beenden die Kriege die Menschheit. Wir glauben noch - bei allem Realismus - an unsere pazifistischen Utopien von einer besseren Welt, auch für alle Kinder in der Ukraine, Russland, Deutschland, überall auf der Welt. Lass weiterpowern.

Interview: Stephanie Riedel
Fotos: Tine Acke

Quelle: Leipziger Volkszeitung, 13.06.2022

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