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MTV Unplugged: Udo macht’s schon wieder!

08.07.2018

Die sehnsüchtigen Akkorde einer Akustikgitarre schweben durch den großen Saal K6 auf Kampnagel, ein Streicherensemble des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters gibt symphonischen Schmelz dazu – und plötzlich brechen die rund 500 Zuschauer in Jubel aus. Hoch oben am Steuerrad des Dreimasters, der als Kulisse die halbe Bühne einnimmt, steht er: Udo Lindenberg (72), der am Donnerstag mit mehr als 30 Musikern und zahlreichen Promi-Gästen sein zweites „MTV Unplugged“-Album aufnahm. Panikrock in intimer Club-Atmosphäre, ohne dicke Gitarren.

Und welcher Song würde besser zum Aufbruch auf diese musikalische Reise mit Hamburgs größtem Rockstar passen als „Ich träumte oft davon, ein Segelboot zu klau’n“ aus Hark Bohms Kultfilm „Nordsee ist Mordsee“? Udo, bestens gelaunt, tigert in marineblauer Uniformjacke mit seinem typisch lässigen, federnden Gang die Treppen und Planken seines Windjammers herunter, der als Bühne für die Streicher und Bläser dient. Rund 45.000 Fans haben versucht, die insgesamt 1500 Karten für die drei Konzerte von Mittwoch bis zum gestrigen Freitag zu ergattern. Die MOPO war Donnerstag dabei, berichten dürfen alle Medien aber erst ab Sonnabend.

Nach der berührenden Ballade legt Lindenberg gleich einen weiteren Klassiker nach: Beim rockig groovenden „Hoch im Norden“ kommt Jan Delay als Duett-Partner auf die Bühne – wie schon bei der ersten „Unplugged“-Session vor sieben Jahren. Das Album dazu verkaufte sich enorme 1,2 Millionen Mal. Wie seinerzeit bei „Reeperbahn“ harmonieren Delays Genäsel und Lindenbergs sonorer Sprechgesang bestens miteinander.

Dass Udos Stimme mittlerweile tiefer klingt als auf dem Original von 1972 kommt dem Song zwar zugute – dennoch arbeitet der Panik-Präsident immer wieder engagiert daran, dass „die Stimme nicht in den Keller geht“: durch Gurgeln mit Eierlikör, der ihm an der Bar am Bühnenrand frisch serviert wird.

Udos Leibgetränk muss auch die Country-Band Los Bandoleros, die bei „Cowboy Rocker“ mitmischt, über sich ergehen lassen – inklusive pikanter Details über die Herstellung: „Das wird aus unseren Eiern gemacht“, erklärt der Sänger und deutet auf seinen Schritt. Während die Amerikaner, die Udo über seinen Freund Sting kennengelernt hat, säuerlich lächeln, biegt sich der Saal vor Lachen.

Doch die Promi-Gästeliste ist noch länger. Bei „Kleiner Junge“ singt Gentleman mit, beim „Radio Song“ Andreas Bourani. Der politische Song „Bananenrepublik“ wird mit einem Rap von Marteria veredelt. Für Gänsehaut sorgt „Durch die schweren Zeiten“ als deutsch-englisches Duett mit dem australischen Songwriter-Duo Angus & Julia Stone: „I carry you when trouble hits you ...“

Zum Intro von „Bist du vom KGB?“ kommt „Tatort“-Kommisarin Maria Furtwängler auf die Bühne, nachdem die Band – mit Udo am Schlagzeug – die berühmte Titelmelodie gespielt hat. Die Schauspielerin ist komplett im Lindenberg-Style gekleidet, inklusive giftgrüner Socken. „Die Udo-Klamotte ist so gechillt“, ruft sie begeistert – und verrät, dass sie kein Kostüm, sondern ein Original aus dem Kleiderschrank des Panikrockers trägt. Passt wie angegossen.

Nach gut drei Stunden kommt die ganze Gästeriege inklusive Panikorchester für den Hans-Albers-Klassiker „Goodbye Johnny“ noch mal auf die Bühne, bevor sich Udo mit der berührenden „Sternenreise“ in die Nacht verabschiedet. Der perfekte Abschluss eines beeindruckenden Konzerts.

Text: Till Stoppenhagen
Fotos: Tine Acke

Quelle: Hamburger Morgenpost, 07.07.2018