Termine

alle Termine »

News

Nur keine Panik: Udo Lindenberg in der ausverkauften SAP-Arena

„Ich trag dich durch die schweren Zeiten“ singt der Meister der Balladen. Und der Song schafft das, was man sich von einer guten Pop-Nummer nur wünschen kann: Er schießt mitten ins Herz. Es sind schwere Zeiten, und Udo spendet Trost, muntert auf, greift in seinen kurzen und manchmal dann doch zu vernuschelten Moderationen die katholische Kirche ebenso an wie den Kriegsverbrecher Putin. Man weiß, dass er dies schon immer getan hat, dass er einen Dreck darauf gegeben hat, was andere von ihm halten. Und deshalb verrutschen Nummern wie „Wir ziehen in den Frieden“ oder „Kompass“ auch nicht ins kitschige Pathos beziehungsweise in den pathetischen Kitsch – obwohl sie sich tatsächlich auf einem ganz schmalen Grat bewegen.

Er ist unter den deutschsprachigen Pop- und Rockmusikern bestimmt der beste Geschichtenerzähler, was mit einem Märchenonkel rein gar nichts zu tun hat. Weil seine Texte die besten sind. „Na und“ stammt aus einer Zeit, in der Homosexualität unter Männern im Grunde noch ein Tabuthema war. Im Jahr 1978 jedenfalls waren wir noch lange nicht so weit, wie wir es heute sind. Es ist die Geschichte von zwei Jungen Männern, die sich in einem Café kennenlernen, schöne Stunden miteinander verbringen, sich verlieben, bis dem einen plötzlich klar wird: „dass du ein Junge warst“. Das kommt auch heute noch so unverkrampft, locker und authentisch rüber, dass der Song nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Er kennt nur die eine, Udo-mäßige Botschaft aus dem Titel: „Na und“.

Udo steht für ein bunteres Deutschland

Wenn dieses Land seit Udos Anfängen bunter geworden ist, was natürlich all jenen nicht passt, die es gerne in einem bräunlich eingefärbten Schwarz-Rot-Gold sehen würden, dann hat er seinen Anteil daran. Dieser Mann singt nicht nur von Weltoffenheit und Toleranz, er lebt beides auch. Und tanzt mit seinen 76 Jahren zu Liedern wie „Bunte Republik Deutschland“ oder „Candy Jane“ noch immer so, wie wir das von ihm kennen: Im coolen Udo-Move, seine Arme und Beine irgendwie und irgendwo ebenso durch die Luft schleudernd wie das Mikrofon.