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Panikrocker Udo Lindenberg: Der Alptraum der DDR-Führung

05.09.2019

Udo Lindenberg: Rockstar, Panikpräsident und engagierter Kämpfer für Frieden und Umwelt. Besonders lagen ihm die Menschen in der DDR am Herzen. Wie sehr, das zeigt jetzt eine Ausstellung in Leipzig.

In Leipzig eröffnet eine Ausstellung mit Werken des Malers Udo Lindenberg. Klingt komisch, ist aber für Fans des deutschen Rockstars nichts Neues: Udo Lindenberg zeichnet und malt schon sein ganzes Leben lang. 30 Jahre nach dem Mauerfall präsentiert die Ausstellung "Zwischentöne" Udo Lindenbergs politische Kunst, die auch sein großes Interesse an den Menschen in der früheren DDR widerspiegelt. Dass die Ausstellung in Leipzig ist, hat für Udo Lindenberg wegen der Montagsdemonstrationen, die vor genau 30 Jahren von dort ausgingen, einen starken symbolischen Charakter, wie er im DW-Interview erzählt: "Man wusste ja nicht: Geht das friedlich aus oder kommen doch die Panzer oder die Knarren oder so. Das war echt ein Wagnis. Und deswegen jetzt meine Hommage hier und diese Verneigung vor den Ersten, vor Pionieren, vor den Frauen und Männern der ersten Stunde."

Neben einem goldenen Trabbi und der berühmten Honecker-Schalmei sind in der Ausstellung Gemälde, Fotos aus seiner Karriere und bemalte Akten zu sehen, die die Staatssicherheit der DDR über den Sänger führte.

In Leipzig eröffnet eine Ausstellung mit Werken des Malers Udo Lindenberg. Klingt komisch, ist aber für Fans des deutschen Rockstars nichts Neues: Udo Lindenberg zeichnet und malt schon sein ganzes Leben lang. 30 Jahre nach dem Mauerfall präsentiert die Ausstellung "Zwischentöne" Udo Lindenbergs politische Kunst, die auch sein großes Interesse an den Menschen in der früheren DDR widerspiegelt. Dass die Ausstellung in Leipzig ist, hat für Udo Lindenberg wegen der Montagsdemonstrationen, die vor genau 30 Jahren von dort ausgingen, einen starken symbolischen Charakter, wie er im DW-Interview erzählt: "Man wusste ja nicht: Geht das friedlich aus oder kommen doch die Panzer oder die Knarren oder so. Das war echt ein Wagnis. Und deswegen jetzt meine Hommage hier und diese Verneigung vor den Ersten, vor Pionieren, vor den Frauen und Männern der ersten Stunde."

Neben einem goldenen Trabbi und der berühmten Honecker-Schalmei sind in der Ausstellung Gemälde, Fotos aus seiner Karriere und bemalte Akten zu sehen, die die Staatssicherheit der DDR über den Sänger führte.

"Mittelmäßiger Schlagersänger"

Seit Mitte der 1970er Jahre hatte Lindenberg an einem Auftritt in der DDR gearbeitet, doch die Kulturfunktionäre mochten den Frechdachs aus dem Westen nicht hineinlassen. Obwohl er in der DDR viele Fans hatte, durften seine Songs in den Diskotheken und im Radio nicht gespielt werden, öffentlich getragene Fan-Devotionalien galten als Zeichen des Protests und waren verboten.

Die Staatssicherheit hatte Udo Lindenberg und sein Panikorchester schon lange im Visier; der erste Stasi-Vermerk über Lindenberg stammt aus dem Jahr 1976. Darin heißt es, der BRD-Musiker sei ein "mittelmäßiger Schlagersänger", der "betont anarchistisch" auftrete. In einem anderen Eintrag steht: "Seine Erscheinung ist geprägt durch eine typische, fast standardisierte Kleidung (Filzhut, Röhrenhosen aus Gummi, Halbstiefel und T-Shirts meist schwarzfarben) und durch eine bewusst fläzige und lässige Gestik." Über die "Gummihosen" hatte sich der Musiker später köstlich amüsiert - er trug natürlich Lederhosen.

"Ey, Honey, ich sing für wenig Money"

Einer so subversiven Figur wie Lindenberg wollten die DDR-Funktionäre in ihrem Land keine Bühne geben. Sie hatten bereits genug damit zu tun, ihre eigene Musikszene unter Kontrolle zu halten - denn dort blühte gerade der Punk auf. Doch dann kam im Frühjahr 1983 Udo Lindenbergs musikalischer Clou: das schnodderige "Sonderzug nach Pankow". Hier schickte er dem damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden, dem "Oberindianer" Erich Honecker einen musikalischen Gruß: "Ey, Honey, ich sing' für wenig Money im Republik-Palast, wenn ihr mich lasst". Er duzt den Staatsratsvorsitzenden, nennt ihn "sturer Schrat", glaubt, dass Honecker "eigentlich 'n Rocker" ist: "Du ziehst dir doch heimlich auch gerne mal die Lederjacke an und schließt Dich ein auf'm Klo und hörst West-Radio".

Eine Unverschämtheit in den Ohren der DDR-Funktionäre. Die Staatssicherheit notierte in ihrer Lindenberg-Akte: "Das Lied stellt eine Diffamierung des Generalsekretärs der SED [Erich Honecker, d.Red.] sowie der Kulturpolitik der SED dar." Der Song galt als "Schmählied" und erfüllte den Straftatbestand der "Beleidigung". Trotzdem wurde das Lied in den Diskotheken rauf- und runtergespielt. Die Spitzel bekamen das mit - DJs (in der DDR "Schallplattenunterhalter") wurden verhaftet. Zwei junge DJs aus Cottbus bekamen sogar fünfmonatige Haftstrafen.

 
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