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Party im Rathaus

Udo habe irgendwann gewusst, dass die Stadt Großes für ihn bereithalte. Womöglich das passende Gefäß für seine Träume. Erst mal aber landete er im Onkel Pö, entdeckte die Reeperbahn und begann hier seine musikalische Karriere, und wurde langsam der Mensch, der er heute ist.

»Hamburg bleibt meine goldene Start- und Landebahn. Mein persönliches El Dorado« formuliert es Udo. Und man sieht ihm an, dass er wirklich bewegt ist angesichts dieses Abends und der ganzen gezielt Hereingestolperten. Und man sieht ihm auch an, dass es ihm etwas Angst macht, dass der Abend eigentlich einem Protokoll folgt. Und sich Udo dann doch mehr mit Rock’n’Roll als Protokollen auskennt. Und auch »graue Steiftiere«, wie Udo klassische Anzugträger nennt, sind eigentlich nicht seine Welt.

Udo erzählt nuschelnd von den Anfängen und Abstürzen, davon, »dass Hamburg immer gut zu mir war – vor allem die Ärzte«. Er redet von seiner Zeit mit 4,7 Promille, freut sich, dass er diese überwunden hat, und positioniert sich gegen Putin und das Blutvergießen »mitten in Europa«.

Der nächste Musiker – 133 Jahre nach Brahms

Ein herzerfrischend ambitionierter Schülerchor singt streckenweise ambitioniert schiefe Lieder, aber wen kümmert das schon? Udo nicht. Der singt mit den ambitionierten Schülern seinen Song »Wozu sind Kriege da?«. Und später schafft es dann Jan Delay, diesen Abend tatsächlich noch in die Party zu verwandeln, die Udo Lindenberg verdient. Plötzlich verlassen alle ihre Sitzplätze, das Etikett oder Protokoll oder wie der ganze Steiftierkram heißt, ist irgendwann egal. Es geht jetzt nur noch um einen Trommler, der auszog in die Welt, und dessen Träume die 350 Gäste dieser Veranstaltung tragen – wohin auch immer.

133 Jahre also nach Johannes Brahms wird Udo Lindenberg an diesem Abend dann der zweite Musiker in der Geschichte der Stadt. Dass das das Ende ist, davon möchte Lindenberg nichts hören. Auch, wenn ihm als Ehrenbürger sogar ein Ehrengrab zusteht. Aber Lindenberg plant 100 zu werden, und das dann groß im Uwe-Seeler-Stadion zu feiern.

Uwe Seeler ist übrigens auch Ehrenbürger der Stadt Hamburg. Aber das nur fürs Protokoll.

Text: Nora Gantenbrink
Fotos: Tine Acke

Quelle: Der Spiegel, 08.09.2022

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