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Udo Lindenberg soll Hamburger Ehrenbürger werden

25.08.2018

„Udo ist Hamburg. Udo hat es verdient.“ Diese und andere Zustimmungen sind aus Politik und Kultur zu hören – aber auch Vorbehalte.

Hamburgs Politik ist sich offensichtlich weitgehend einig, dass Udo Lindenberg Ehrenbürger der Hansestadt werden soll. Dies hatte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) schon vor einigen Wochen angeregt. Jetzt haben sich auch andere Politiker sowie Künstler und Kulturmanager in einer Abendblatt-Umfrage dafür ausgesprochen, dass der 72 Jahre alte Rockmusiker die höchste Ehrung der Stadt erhält.

Auch Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gilt als großer Lindenberg-Fan. Allerdings heißt es aus der Senatskanzlei: „Im Hinblick auf seine besondere Stellung in diesem Verfahren äußert sich der Erste Bürgermeister grundsätzlich nicht öffentlich zu möglichen Vorschlägen.“

Letzte Ernennung zum Ehrenbürger ist fünf Jahre her

„Ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen“, singt Udo Lindenberg. Und tatsächlich gibt es kaum einen Künstler, der so konsequent „sein Ding“ durchzieht wie der 72-Jährige. Seit Jahrzehnten wohnt er im Hotel Atlantic an der Außenalster, tarnt sich stets mit Hut, Sonnenbrille und einer Wolke aus Zigarrenqualm, nuschelt unverständliches Zeugs und veröffentlicht unbeeindruckt vom Zeitgeist und mit großem Erfolg seine Musik, in der er auch seiner Heimat Hamburg immer wieder ein Denkmal setzt – von „Reeperbahn“ bis zu dem Song „Mein Ding“, in dem er von seinem Leben in der Hansestadt erzählt.

Fünf Jahre, nachdem mit dem Unternehmer und Mäzen Michael Otto letztmals ein Ehrenbürger ernannt wurde, mehren sich daher die Stimmen, die Udo Lindenberg reif für die größte Auszeichnung der Hansestadt halten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es eigentlich nur ein Argument dagegen: Es soll endlich mal wieder eine Frau Ehrenbürgerin werden.

Das Abendblatt hat sich umgehört: Soll Udo Lindenberg Ehrenbürger werden? Oder wer sonst?

Katharina Fegebank (Grüne), Zweite Bürgermeisterin:
„Ich gestehe, ich bin echter Udo-Fan. Er hat den deutschsprachigen Rock groß gemacht, ist ein begnadeter Texter und eine Galionsfigur unserer Stadt. Ich finde aber auch, dass als nächstes eine Frau für ihre Leistungen und ihr Engagement mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet werden sollte.“

Carsten Brosda (SPD), Kultursenator:
„Wenn Sie mich als Privatmann fragen, würde ich eine Ehrenbürgerwürde für Udo Lindenberg sofort befürworten. Er ist mit seiner Biografie eng mit der Stadt verbunden. Und es täte Hamburg gut, wenn er bei offiziellen Empfängen mit Hut neben den Honoratioren säße. Als Senator möchte ich aber auch darauf verweisen, dass wir derzeit nur eine Ehrenbürgerin haben – das ist für das Jahr 2018 nicht zeitgemäß.“

Dirk Kienscherf, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion:
„Udo Lindenberg ist sicherlich ein spannender Vorschlag für einen Ehrenbürger Hamburgs. Er ist ein Ausnahme-Künstler, dessen Biografie seit Jahrzehnten eng mit Hamburg verflochten ist und den eine enge Verbundenheit zur Stadt auszeichnet. Aber eine Ehrenbürgerwürde ist Gegenstand ausführlicher Beratungen. Die SPD-Fraktion hat darüber hinaus schon früher deutlich gemacht, dass wir die Verleihung der nächsten Ehrenbürgerschaft an eine Frau begrüßen würden.“

Anjes Tjarks, Grünen-Fraktionschef:
„Udo Lindenberg ist schon eine coole Nummer und vertritt Hamburg auf ganz besondere Weise. Dass er als möglicher Ehrenbürger der Stadt im Gespräch ist, kann ich verstehen. Allerdings finden sich auf der Liste der bislang 35 ernannten Ehrenbürger der Stadt nur vier Frauen. Ich bin sicher, dass Udo Verständnis dafür hat, wenn wir Grüne zunächst das Ziel haben, eine Frau zu ernennen.“

André Trepoll, CDU-Fraktionschef:
„Udo Lindenberg hat aus Hamburg heraus weit über die Grenzen der Stadt gewirkt. Nicht nur für ein Grandhotel an der Alster, sondern für die ganze Stadt ist er seit Jahrzehnten ein guter Botschafter. Während der deutschen Teilung hat er seinen eigenen, künstlerischen Weg gefunden, um einen Beitrag zur Verständigung zwischen Ost und West zu leisten. Vor diesem Hintergrund wäre dies eine spannende Diskussion. Aber auch Eugen Block hat sich durch sein soziales Engagement in Hamburg um die Stadt sehr verdient gemacht.“ Trepoll kann sich auch eine Frau als Ehrenbürgerin vorstellen, etwa Ute Nerge, die Gründerin des Kinderhospizes Sternenbrücke oder die Dichterin Ulla Hahn. „Außerdem wird es sicherlich nur eine Frage der Zeit sein bis die gebürtige Hamburgerin und erste Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Auszeichnung erhalten wird.“

Sabine Boeddinghaus, Fraktionsvorsitzende der Linkspartei:
„Udo Lindenberg ist ohne Frage eine sehr eigene Persönlichkeit. Wir favorisieren aber Peggy Parnass. Sieht man sich die Liste der Hamburger Ehrenbürger und -innen an, so sind die männlichen Vertreter in einer erdrückenden Überzahl. Es wird also Zeit, endlich eine Frau zu ehren. Peggy Parnass wäre in unseren Augen eine sehr würdige Ehrenbürgerin für Hamburg. Sie ist gebürtige Hamburgerin und streitet engagiert und leidenschaftlich für ein solidarisches, gerechtes und friedvolles Gemeinwesen. Sie setzt sich unermüdlich für eine wirkliche Wiedergutmachung der NS-Verbrechen ein, deren Leidtragende auch sie und ihre Familie gewesen sind. Sie macht sich stark für die Rechte von Frauen und Minderheiten. Als Gerichtsreporterin wirkte sie aufklärend und unparteiisch.“

Anna von Treuenfels-Frowein und Michael Kruse (FDP):
„Das ist eine charmante Idee – Udo Lindenberg selbst würde wahrscheinlich von einem ‚coolen Ding‘ oder einer ‚geilen Sache‘ sprechen. Udos Karriere begann im Onkel Pö, wo er seine ersten musikalischen Gehversuche unternommen hat. Das Hotel Atlantic ist seit Jahren Lindenbergs Panikzentrale – Lindenberg ist Hamburg. Und er hat immer seine Meinung vertreten, sich auch politisch eingemischt, zum Beispiel gegen Rechtsextremismus.“

Johannes Oerding, Popsänger:
„Wenn du die Menschen in meinem alten Heimatdorf im Rheinland fragst, was sie mit Hamburg verbinden, dann kommt immer: Fischmarkt, Reeperbahn, Alster und Udo Lindenberg! Udos Strahl- und Anziehungskraft ist über die Grenzen hinweg bekannt und er prägt das lässige Image dieser Stadt. Ist doch klar, dass er Ehrenbürger werden muss.“

John Neumeier, Intendant Hamburg Ballett und Ehrenbürger:
„Ich begrüße es, wenn Hamburg bald einen neuen Ehrenbürger ernennt. Ob dies eine Frau oder ein Mann ist, halte ich für zweitrangig – Hauptsache, es ist gerechtfertigt. In jedem Fall ist es sehr schön, wenn unser Bürgermeister jemanden auswählt, der für die Kunst und Kultur dieser wunderbaren Hansestadt steht.“

Albert Wiederspiel, Direktor Filmfest:
„Fänd ich sehr, sehr schön. Eine Erfrischung der Reihe der Ehrenbürger.“

Corny Littmann, Theatermacher:
„Eine gute Idee. Udo repräsentiert Hamburg wie kaum ein anderer.“

Sabine Schulze, Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe, das vor ein paar Jahren eine große und erfolgreiche Lindenberg-Ausstellung hatte:
„Udo hat deutsche Geschichte geschrieben und ist in Hamburg verwurzelt, deshalb fände ich eine Ehrenbürgerschaft richtig und wichtig. Die Ausstellung im MKG hat gezeigt, wie beliebt er bei allen Generationen und in allen Schichten Hamburgs ist.“

Joachim Lux, Intendant Thalia-Theater:
„Udo ist eine gute Idee. Udo ist Hamburg. Udo hat Herz. Udo hat es verdient. Und die Musikstadt Hamburg hat es auch verdient. Wäre auch erfrischend für Hamburg. Natürlich gern auch eine Frau – zuerst sie, dann er oder umgekehrt: egal. Nebeneffekt: als Ex-Münsteraner freue ich mich über Ehrungen für die Westfalen …“

Amelie Deuflhard, Intendantin Kamp­nagel:
„Udo Lindenberg ist definitiv ein geeigneter Kandidat für die Hamburger Ehrenbürgerschaft. Er bewegt nicht nur Hamburg mit seiner Musik, und sein Wohnsitz im Hotel Atlantic ist eine wirkliche Hamburgensie. Auf kleineren Bühnen, aber mit ebenfalls hoher Präsenz, bewegt sich die Autorin, Journalistin, Gerichtsreporterin Peggy Parnass umtriebig in der gesamten Kulturlandschaft. Ein kritischer Geist in der Stadtgesellschaft seit Jahrzehnten. Eine Frau wie sie mit dieser Auszeichnung zu würdigen, hätte Vorbildcharakter für den Wert von zivilgesellschaftlichem Engagement.“

Text: Andreas Dey, Maike Schiller, Peter Ulrich Meyer
Foto: Tine Acke

Quelle: Hamburger Abendblatt, 24.08.2018