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Weihnachten mit der "Nachtigall"

31.12.2018

Chris von Rohr (67) verbrachte Weihnachten bei Udo Lindenberg (72) in Hamburg (D). Ein Treffen zweier Seelenverwandter und Rockkomplizen.

Wir kennen uns schon länger, seine Lieder begleiten mich seit Jugendtagen. Heute ist der deutsche Rockbarde Udo Lindenberg (72) auf dem Zenit seiner Karriere. Seine Stadionshows sind allesamt ausverkauft, seine bunten Bilder überaus gefragt.

Udo ist von Natur aus ein Schamane, ein Mutmacher und Freigeist. Seine Kreativität ist Glanz und Trost zugleich. Und das seit bald 50 Jahren! Mit der Leichtigkeit eines Stepptänzers und dem Herzen eines Löwen singt und malt er sich heute in die Herzen von Millionen. 2018 ist Udo begehrter denn je.

Udo ist auch ein aufmerksamer Empfänger

Die "Nachtigall" empfängt mich an Weihnachten in seinem "Adlerhorst" ganz oben im Hotel Atlantic in Hamburg (D). Magie liegt in der Luft, es ist nach Mitternacht. In seiner "Hippie-Bude" breitet sich Wärme aus. Das Licht ist gedämpft.

"Es ist schon verrückt, was ich erlebe", sagt er mit der unverkennbar trockenen Nasalstimme. Er freut sich wie ein Kind darüber, dass sein neues Album einmal mehr die Nummer eins der Hitparade geschafft hat. Selbstverständlich sei das nicht, ergänzt er. Ich gebe ihm mein offenes Produzenten-Feedback zum Album, und er hört aufmerksam zu. Udo ist nicht nur ein grosser Sender, sondern auch ein neugieriger, aufmerksamer Empfänger, dem nichts entgeht.

Eine Kellnerin vom Hotel fährt auf einem Rollwagen Getränke herein, Udo holt aus seinem Kühlschrank den Eierlikör. "Der muss noch etwas abkühlen", meint er lässig.

Alles begann als Profitrommler

Am grossen Wandbildschirm läuft lautlos "Kevin – allein zu Haus". Udo zündet sich eine E-Zigarre an. "Stell dir vor, genau heute vor 50 Jahren hatte ich meine erste Mucke (Job) als Profitrommler." Das war der Anfang seines Weges. Es folgte die Verwandlung zum Sänger, zum Erfinder des Deutschrocks mit seinem Panik-Orchester. Legendäre Alben wie "Ball Pompös" und "Votan Wahnwitz" wurden deutsches Kulturgut.

Dann der Absturz, weil Udo "Feuerwasser nach der Mengenlehre" in sich hineingoss – üble Zeiten! Niemand hätte mehr eine müde Mark auf ihn gesetzt. Doch Udo zeigte es allen. Wie "Phönix aus der Flasche" kehrte er zurück. Und ist seit zehn Jahren wieder ganz oben, gesund, geläutert und vor allem glücklich.

Nächstes Jahr sind grosse Arenashows angesagt

Er wolle klar in den Club der 100-Jährigen, sagt Udo. Und dafür joggt er mal locker in den Hoodie gehüllt die Alster entlang. Nächstes Jahr sind grosse Arenashows angesagt, geplant ist auch ein Film über sein Leben vor dem grossen Durchbruch. Das "Udopium", das er unermüdlich versprüht, ist ein Plädoyer für Weltoffenheit, Grosszügigkeit, Zusammenhalt, Frieden, Gitarren statt Knarren. Ja, hinter dem Horizont gehts weiter, denn Legenden gehen nicht in Rente – sie bleiben beweglich und sagen mit gebrochener Stimme, was gesagt werden muss:

"Wir sind schlafende Riesen
Aber jetzt stehen wir auf
Lass sie ruhig sagen, dass wir Träumer sind
Am Ende werden wir gewinnen
Wir lassen diese Welt nicht untergehen
Komm wir ziehen in den Frieden"

In diesen Stunden wird mir klar, dass alle, die mit ihm erwachsen geworden sind, einen Komplizen fürs Leben haben. Bei Udo gibt es keinen verkopften, grantelnden Alterszynismus, sondern Offenheit, Humor, Neugier und kindliche Verspieltheit. Er ist nicht nur ein fantastischer Künstler und Entertainer, sondern, wie es Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre einst so treffend formulierte "beste Werbung für Menschlichkeit". Und das ist in diesen unberechenbaren Zeiten genau das, was wir brauchen.

 
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