Der Volksrocker startete seine Deutschland-Tour / Am Freitag ist er in Hamburg
Dieser Mann ist schon zu Lebzeiten eine Legende: Bundesverdienstkreuzträger, Volksrocker, Kultstar. Seit rund vier Jahrzehnten steht Udo Lindenberg auf der Bühne. Mit "Stark wie Zwei" gelang ihm dieses Jahr nach achtjähriger Albumpause ein überaus erfolgreiches Comeback. Gestern feierte er mit seinem Panikorchester in Rostock den Auftakt seiner Deutschland-Tour - am Freitag ist er in der Color Line Arena zu erleben. Im Interview spricht "Uns Udo" über Alkohol, das Altern und seinen Astronauten-Anzug.
MOPO: Auf deiner Tour trittst du in großen Hallen auf, "Stark wie Zwei" landete auf Anhieb an der Chartspitze - siehst du dieses Jahr als das erfolgreichste deiner Karriere?
Udo Lindenberg: Die Leute stürmen die Arenen, die Spatzen pfeifen die neuen Panik-Hits textsicher von den Dächern. Und mit "Wenn Du durchhängst" habe ich meine erste Nummer-eins-Single. Die Tour ist von der Größe her mit meiner "Dröhnland Symphonie"-Tournee von 1979, die Peter Zadek inszeniert hat, vergleichbar. Aber das war vor fast 30 Jahren, jetzt ist alles ganz anders.
MOPO: Was denn zum Beispiel?
Lindenberg: Früher war das bei uns alles eher wie eine Klubbühne, jetzt geht das Ganze in Richtung Revue mit Treppen, Seitenarmen, doppelten Vorhängen. Gleich zu Beginn komme ich im Astronauten-Anzug mit einem Raketenlift aus 20 Metern Höhe herunter. Die Show ist einfach größer.
MOPO: Dein altes Panikorchester ist auch mit von der Partie - denkt man da oft an die alten Zeiten zurück?
Lindenberg: Ich bin kein Mensch, der ständig in den Rückspiegel schaut. Die Überholspur - das ist mein Weg. So manches von damals könnte man sich heute ohnehin nicht mehr erlauben. Zum Beispiel muss man ziemlich nüchtern auf die Bühne kommen, um knallefit mit der ganzen Astronauten-Abhebe-Technik klarzukommen und nicht in die Pyrotechnik reinzugeraten.
MOPO: Früher "Lady Whiskey", auf dem aktuellen Album "Woddy Woddy, Wodka" - gehst du jetzt anders mit Alkohol um?
Lindenberg: Ich trinke gezielter! Aber ich bin noch immer an der "WiWi-Fakultät" eingeschrieben - als Student der Wirkstoff-Wissenschaften.
MOPO: Gar keine Angst vor dem Älterwerden?
Lindenberg: Als junge Rocker haben wir doch niemals gedacht, dass wir überhaupt mal so alt werden.
MOPO: Kannst du dir jemals einen Abschied von der Bühne vorstellen?
Lindenberg: Dafür habe ich noch viel zu viele Ideen - an Abschied denke ich noch lange nicht!
Info:
Fr 10.10., 20 Uhr (ausverkauft) und Do 23.10., 20 Uhr (46 Euro), Color Line Arena
Zitat:
"Heute muss man nüchtern auf die Bühne kommen"
Udo Lindenberg
"Die Überholspur - das ist mein Weg"
Udo Lindenberg
Text: Dorit Koch/dpa
Foto: Tine Acke