14. Juli 2008 Das war so groß“ - Udo Lindenberg verzaubert 4500 Fans in Calw

CALW. Überdurchschnittlich viele Hut- und Sonnenbrillenträger haben am Samstagabend den Calwer Marktplatz bevölkert: Kult-Rocker Udo Lindenberg hatte gerufen und rund 4500 Fans waren trotz Nieselregens gekommen zu „Calw rockt“. „Der Himmel weint Freudentränen weil wir alle hier sind“, konstatierte Udo. Und kaum hatte sein Panikorchester die Bühne betreten, präsentierte sich der Himmel in leuchtendem Abendrot.

Schnell eroberte der Rocker „die Herzen der stolzesten Frauen“, aber auch die männlichen Besucher lagen dem Panikrocker und seiner Band zu Füßen. Wer geglaubt hatte, dass Lindenberg hauptsächlich ein Publikum ab 40 Jahren aufwärts ansprechen würde, lag völlig falsch: Bei „Boogie Woogie Mädchen“ hüpfte alles zwischen 15 und 70 Jahren mit. Jugendliche zog er genauso in seinen Bann wie diejenigen, die seine Musik noch aus ihrer Jugend kennen.

Calw erlebte einen quietschfidelen Udo Lindenberg, der akrobatische Einlagen mit seinem Mikrofon vollführte, eine rote Rose flink durch die Finger tanzen ließ und heftig mit Ellen ten Damme flirtete, seiner niederländischen Sängerin, die ihn bei Duetten und als Backgroundvocalistin unterstützte. „Cello“ brachte die Wunderkerzen zum Leuchten und Moderator Arno Köster bat die Zuschauermenge noch enger zusammen zu rücken, da Hunderte weiterer Gäste auf den Marktplatz strömten.

„Ich ziehe meinen Hut“ sang Udo und man konnte ihm ansehen sehen, wie stolz der Sänger war, in der für ihn so wichtigen Stadt, in der sein Idol Hermann Hesse geboren wurde, auf zu treten. Mehrfach erinnerte er sein Fans daran, dass die Bühne direkt vor dem Geburtshaus Hesses stehe, und widmete seine Lieder dem Calwer Dichter. Aus seiner aktuellen Platte „Stark wie zwei“ brachte Udo zwei Lieder nach Calw: Bei „ganz anders“ im Duett mit Ellen ten Damme wurde schnell klar: Der Rock-Veteran gibt sich auch in Calw so wie er ist – nämlich ganz anders.

Aus Tansania hatte Udo drei Percussions-Künstler eingeladen: Mithilfe seiner Stiftung unterstützt der Panikrocker dort das „Good Hope Centre“, das sich für Waisenkinder und den Bau von Schulen einsetzt. „Von jeder Eintrittskarte geht ein Euro direkt nach Tansania“, versprach Udo seinen begeisterten Fans. Er überreichte zwei Mitarbeitern der Organisation einen Scheck über 10.000 Euro, der aus dem Kartenerlös und „einer kleinen Zugabe“ bestand. Zur Krönung schnappte er sich selbst eine Trommel und bewies als begnadeter Schlagzeuger, dass er in all den Jahren nichts von seinem Können eingebüßt hat. Beim anschließenden Medley aus „Johnny Controlletti“, „Sonderzug nach Pankow“ und „Andrea Doria“ legte der 62-Jährige die Messlatte noch einmal ganz hoch: Dem erfahrenen Rocker kann in Sachen Live-Entertainment so schnell keiner das Wasser reichen. Das machte auch die Gewinner des Panikpreises „Angelas Park“ stolz, denn sie durften zusammen mit Udo auf der Bühne stehen, singen, tanzen und – sichtlich – Spaß haben.

Eine „Welt-Ur-Aufführung“, wie Udo seinen Fans bewusst machte, spielte er mit seinem aktuellen Lied „Wenn Du durchhängst“, das es bisher noch nie live gegeben hätte. Bei seinem letzten Lied „Ich schwöre“ versicherte Udo seinen Fans, dass er bald wieder kommen würde: „Ich suche hier im Ländle ja schon nach einer kleinen Dependance. Die Großstädte wie Berlin und Hamburg sind schon okay, aber hier gibt es so guten Wein.“ Die Calwer glaubten ihrem Rock-Helden und entließen ihn mit tosendem Beifall: „Das war so groß, das kann man ja gar nicht beschreiben“, singt Udo in „Cello“ und so fühlten sich auch viele der Konzertbesucher.

Quelle: Kristin Bauer/Pforzheimer Zeitung

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