Am 30. März kommt der Panik-Rocker für das Abschlusskonzert seiner Tournee „Ich mach mein Ding“ in die Lanxess-Arena. Im Interview verrät er, was seine Kunst macht und wann er in Ruhestand geht - oder auch nicht.
Köln - Udo unplugged in der riesigen Lanxess-Arena. Wie soll das gehen?
UDO LINDENBERG: Das wird eine richtige Panik-Rock-Tour. Mit ein paar Songs unplugged – auf einer Spezialbühne. Ansonsten ist das voll Brett, voll Stecker, 100 Prozent Phon bis zur Ohramputation.
In Hamburg haben Sie ein reines Unplugged-Konzert gegeben.
LINDENBERG: Ja. Im Tom-Petty-Style mit Gitarren. Auch cool. Läuft ja gigantisch, die Platte.
Dabei hatten schon alle bei der letzten CD "Stark wie Zwei" von Ihrem Lebenswerk gesprochen. Läuft bei Udo alles, was er macht?
LINDENBERG: Ja. Der Mann ist eben ein Glückspilz.
Was kommt nach der Tour? Geht Udo in den Ruhestand?
LINDENBERG: Danach hat er Beraterverträge in der Südsee. So Marlon-Brando-mäßig. Der hatte ja dort seine Privatinsel – Tetiaora. Die wird jetzt zum Hotel. Ich bin ja auch Entdecker, Seefahrer, Abenteurer und nicht so festgelegt.
Abenteurer kann auch anstrengend sein. Wie halten Sie sich fit?
LINDENBERG: Ich gehe joggen. Mit Tarnmütze. An der Spree lang oder um die Alster rum.
Da könnten wir mal zusammen laufen. Zuletzt hab’ ich da aber nur Frauen mit Lacoste-Shirts getroffen.
LINDENBERG: Die gibt’s auch. Ich treffe sie nie, ich jogge immer nachts. Im Schutze der Dunkelheit. 50 Minuten einmal rum. Mit einer Grubenlampe. So eine Art Lightshow am Hut.
Das schaff ich nicht.
LINDENBERG: Dann laufe ich halt ein bisschen langsamer.
Das ist nett. Was ist mit dem Panik-Museum? Hat das noch Chancen?
LINDENBERG: Ja. Und zwar gute. Für NRW, Hamburg oder Berlin.
Und Ihre Geburtsstadt Gronau?
LINDENBERG: Nein. Das ist ein ganz anderes Konzept. Da geht es um die History der Popmusik ganz generell. Das andere ist ja nur die dicke Panik-Story. 40 Jahre Karriere. Mit dem goldenen Trabi, mit Honeckers Schalmei, mit Mauerfall und den ganzen Dingern.
Was macht die Kunst? Gibt’s neue Alkoholbilder?
LINDENBERG: Ja. Die mache ich immer so nebenbei. Das ist so eine Art Daily Pop. Nachts an der Bar. Ein bisschen abschmecken. Ob das auch gut knallt. Ob die Farben gut sind, ob sie haltbar sind. Die Dinger müssen ja ein paar Jahre halten. Kauf mal keine Aktien, kauf Udo-Bilder. Die halten – mit Konservierungsstoffen aus der Alchimisten-Küche. Ein Freund von mir ist Apotheker.
Wo wir gerade bei Konservierungsstoffen sind. Man hört, Sie seien auf dem Bio-Trip?
LINDENBERG: Ich mache Trennkost, esse keine Kohlenhydrate. Ich bin topfit. Die Fans erwarten ’ne tolle Party, und die kriegen sie auch von mir.
Und wann sieht man Udo mal ohne Hut? Sind da noch Haare drunter?
LINDENBERG: Irgendwann. Da sind noch Haare drunter. Allerdings sehr feine, wie meine Seele. Rauchzart. Aber sehr hübsch. Ich ziehe den Hut, wenn ich Bundespräsident werde. So etwa in zehn Jahren. Ein Bundespräsident, der immer erst mittags aufsteht.
Dann müssen Sie bald vier Stunden früher raus?
LINDENBERG: Ja, ja. Nach dem Motto: Länger schlafen und dennoch früher aufgestanden sein.
Zurück zur Tour. Ist Jan Delay dabei?
LINDENBERG: Jan Delay, Frida Gold oder mein alter Kumpel Helge Schneider und so. Wer gerade so in der Gegend ist. Das ist der Clan der Lindianer. Großes Family-Meeting auf der Bühne. Die Lanxess-Arena, das ist so und so wie zu Hause. Die Kölner haben ja ein enormes Temperament. Die gehen ja ab wie die Zäpfchen. Da musst du die Hallendecke abschrauben. Das ist die letzte Show, das Grande Finale. Da kommen 17.000 Leute oder so.
Was ist mit den Höhnern?
LINDENBERG: Die kenne ich. Die sind auch cool. Und Brings und BAP oder wie die alle heißen.
Das Gespräch führten Peter Berger und Norbert Ramme