Hamburg. Der Eierlikör ist nicht allein zum trinken da. Nicht nur zur Osterzeit malt Udo Lindenberg mit dem gelben, alkoholischen Getränk seine berühmten Likörelle. Der Musiker spracht mit der NRZ über Nachtarbeit, Gold in der Kehle und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Udo Lindenberg schläft gerne etwas länger. So bis zum späten Nachmittag - Rockstars dürfen das. Außerdem hat Lindenberg in der Nacht zuvor wieder gemalt. „Vor ein oder zwei Uhr morgens fange ich damit nie an”, sagt er. Das Malen macht ihm Spaß, deshalb redet er gerne darüber, auch schon kurz nach dem Aufstehen - also gegen 18 Uhr.
Wach? Die Zeitverschiebung zum Rest der Menschen im Griff? Kein Problem, ich hab ein paar Kerzen angezündet, dann sieht es aus wie in der Nacht.
Sie fangen erst um weit nach Mitternacht an zu malen. Kriegen Sie ein Bild bis zum Morgen überhaupt fertig?
Udo Lindenberg: Kommt drauf an. Zum Beispiel darauf, wie groß das Bild ist, und zwischendurch muss ich die Bilder auch immer wieder mit Spray bearbeiten.
Mit Spray?
Udo Lindenberg: Damit alles trocknet und haltbar wird. Die Erbschleicher wollen in 500 Jahren ja auch noch was von meinen wertvollen Bildern haben. Und meine Farben sind eben einzigartig, aber auch schwer hinzukriegen.
Sie malen also tatsächlich mit Eierlikör und anderem Schnaps?
Udo Lindenberg: Das ist eine meiner Maltechniken. Diese Bilder heißen Likörelle, habe ich mir patentieren lassen.
Und wenn die Dame auf dem Bild blond werden soll, dann passiert das mit Eierlikör?
Udo Lindenberg: Klar, vor allem die Strähnchen.
Welche Farbe geht nicht mit Schnaps? Schwarz?
Udo Lindenberg: Schwarz ist in der Tat schwierig. Und Grenadine für Rot ist sehr klebrig. Da kommt dann ein hundert Jahre altes Alchemisten-Mittel rein. Aber halt: Kann gar nicht hundert Jahre alt sein, so lange male ich ja noch gar nicht. Aber ich habe außerdem auch noch Blue Curacao und Green Peppermint. Schattierungen mache ich mit Whiskey, natürlich nehme ich dafür vernünftigen Single Malt Whiskey.
Teuer.
Udo Lindenberg: Ja, aber ich muss ja zwischendurch auch mal die Materialien testen. Mit nem Schleckerfinger, deshalb Single Malt Whiskey.
Wo malen Sie?
Udo Lindenberg: Ich wohne im Atlantic-Hotel in Hamburg und habe da auch zwei Ateliers. Eins für die Likörelle, eins für andere Mal-Techniken. Ich male aber auch abends gerne an der Hotel-Bar mit allem, was im Regal steht. Das ist Bar-sisdemokratie, die Leute können zugucken und sagen: Ist gut oder ist schlecht.
Sie trinken dabei tatsächlich auch Eierlikör?
Udo Lindenberg: Gold in der Kehle, und solche Sachen, weiß man doch.
Gibt es Ostern eine Flasche Eierlikör extra?
Udo Lindenberg: Ostern? Das passt doch, gute Idee, Ostern eine Flasche Eierlikör extra.
Und wenn der Kühlschrank leer ist, nimmt man ein Likörell von der Wand und isst es auf?
Udo Lindenberg: Wenn du das Spray vorher runterkriegst, klar, kannst du machen. Außerdem kaufen deshalb ganz viele Araber meine Bilder. Die dürfen keinen Alkohol im Haus haben, aber gegen Bilder hat dort keiner was.
Was kostet denn eigentlich ein Likörell?
Udo Lindenberg: Nen Zweier.
Zweier heißt 2000 Euro?
Udo Lindenberg: Genau.
Ist Ihnen die Anerkennung für Ihre Malerei aus Künstlerkreisen wichtig?
Udo Lindenberg: Das spielt keine Rolle, das sind meistens sowieso nur Ober-Akademiker. Ich habe nichts gelernt, weder das Singen noch das Malen. Ich bin früher auf den Kohlehalden rumgerutscht und habe mir im Leben alles selbst beigebracht. Wer soll mir das was erzählen?
Aber Sie waren schon stolz, als Ihre Bilder auf Ausstellungen neben Bildern von Leonardo da Vinci und Andy Warhol hingen und der Bildband „Lindenwerk” mit ihren Bildern erschienen ist, oder?
Udo Lindenberg: Richtig, das war alles sehr gut. Einige Bilder von mir hängen heute auch im Kanzleramt in Berlin.
Die hat Angela Merkel dort aufgehängt?
Udo Lindenberg: Nein, das war Außenminister Frank-Walter Steinmeier, aber Angie findet die auch gut, das weiß ich.
Haben Sie einen Lieblingsmaler?
Udo Lindenberg: Joseph Beuys. Der hat mich zur Malerei animiert, und ich hatte auch schon eine Ausstellung auf Schloss Moyland, wo Beuys ja seine Heimspiele ausgetragen hat.
Als Musiker haben Sie zuletzt wieder ausverkaufte Hallen gehabt. Sind Sie als Maler auch ein Top-Act oder eher noch Vorprogramm?
Udo Lindenberg: Top-Act! Die Leute verstehen meine Lindividualität, mein Strich beim Malen ist einzigartig, den erkennt man auch in New York sofort.
Ihre letzte Platte war nach langer Zeit wieder Nummer eins in den Charts, muss die Malerei jetzt hinten anstehen?
Udo Lindenberg: Kann schon sein, dass es im Moment bei mir wieder mehr um Musik geht. Aber ich kann eben alles. Jodler, Maler, egal.
Foto: Tine Acke