11. Oktober 2008 Ein Raumschiff voll von Rock'n'Roll

Quelle
Mitteldeutsche Zeitung, 10.10.08

Altstar lässt sich beim Konzert in der Arena Leipzig von Tausenden Fans feiern

LEIPZIG/MZ. So muss eine richtige Rock-Show sein: Pompös und pathetisch, laut und sentimental. Udo Lindenberg hat all das zur Freude Tausender Fans wie zum eigenen Vergnügen am Donnerstag in der Arena Leipzig zelebriert. Nicht, dass man nicht damit gerechnet hätte, schließlich ist der 62-Jährige seit rund 40 Jahren unterwegs. Ein Profi, der auch in schlechteren Zeiten immer gut für ein feines Konzert gewesen ist. Aber wie er sich nun, auch dank der Hilfe jüngerer Artisten wie Jan Delay, neu erfunden hat, beeindruckt doch.

"Stark wie Zwei", sein im Frühjahr erschienenes Album, ist in den Charts nach oben geschossen wie eine Rakete. Was liegt da näher, als das Konzert mit der Landung eines Raumschiffs voller Rock'n'Roll beginnen zu lassen? Mit Rauch, Getöse und herrlichem Brimborium wird das Spielzeug abgeseilt, im Hintergrund flimmern derweil von echten Satelliten gestützte Bilder der Stadt Leipzig und ihrer Arena.

"Woddy Woddy Wodka" singt Lindenberg zum Auftakt, ein Stück vom neuen Album, dessen Material er im Laufe des zweistündigen Abends ziemlich komplett präsentiert. Auffällig ist die gute Dramaturgie, die alte ("Cello") und neue Songs ("Was hat die Zeit mit uns gemacht") heiter mischt und in Zusammenhänge rückt, die ohne weitere Worte klar machen: Lindenberg bleibt Lindenberg. Aber geredet wird natürlich auch an diesem geschichtsträchtigen Abend, immerhin ist der ersten Großdemonstration der Leipziger gegen die Allmacht der alten SED-Männer zu gedenken. Und des kurz nach der Wende folgenden Konzerts in der alten Messehalle: "Die Menschen mussten die Schuhe ausziehen, wir wateten durch ein Meer von Tränen", übertreibt es Lindenberg bewusst - wohl auch, um seine Rührung ein bisschen zu kaschieren.

Überhaupt: Seit er statt geistigen Getränken lieber Kräutertee und "Doppelherz" zu frönen scheint, wirkt Lindenberg nicht nur gesünder, sondern auch entspannter. Und man versteht ihn sogar. Als habe er nie seltsame Dinge genuschelt, moderiert er die Show. "Ich mach mein Ding", singt er, stellt das Panikorchester um Jean-Jacques Kravetz und Bertram Engel (die er sich mit Kollegen Peter Maffay teilt) vor und lässt im Übrigen den Leuten, wofür sie bezahlt haben: Spaß. Und gratis gibt es einen Schluck Nachdenklichkeit dazu.

Text: Andreas Montag