31. August 2009 Erster Gast in eigener Ausstellung!

Quelle
www.bild.de, 31.08.2009

Der Meister hat sich arg verfahren. Doch keine Panik – wenn man Udo Lindenberg heißt...

Sieben Stunden (statt dreieinhalb) gurkte er von Hamburg ins östliche Brandenburg. Und blieb wie immer cool: „Ja, sehr exotisch hier – wir haben einen Fuchs gesehen...“

Udo ist zur Ausstellung „Grand Hotel Abgrund – Dichtung und Dichter im Hotel“ auf Schloss Neuhardenberg angereist. Dort wurden sein Atelier und seine Suite aus dem feinen Hamburger Atlantic-Hotel (hier residiert er seit rund 15 Jahren) nachgebaut.

Kurz nach 23 Uhr führt Udo, gestärkt mit Salat mit Hähnchenstreifen, BILD in die Ausstellung. Udo, zum besonderen Anlass mit sandfarbenem Panama-Hut, ist also selbst sein erster Gast.

Er posiert am Eingang hinter der „Grand Hotel“-Rezeption, nimmt eine Schaufensterpuppe in Hotelpagen-Uniform in den Arm. Und bleibt wie angewurzelt vor einer Hotel-Tür stehen: „Sieht aus wie bei mir zu Hause im Atlantic.“ Sein Freund Manfred Besser erklärt: „Haben wir alles originalgetreu nachbauen lassen.“

Auch das „Spitzwegstübchen“, in dem Lindenberg seit 13 Jahren seine berühmten Likörelle malt, ist detailliert nachgestellt. Lindi zeigt: „Da drüben an dem Tisch – das ist so ‘n uralter massiver Holztisch – male ich. Oder an der Staffelei. Alles ganz schön eng, voll mit Bildern, Eimern, Pinseln. Aber ich bin ja zierlich gebaut...“

Dann entdeckt er das sogenannte Bravo-Treppchen: „Da haben sich früher die Liftboys draufgestellt, wenn die besonders gut gearbeitet haben. Jetzt stelle ich mich manchmal drauf – wenn ein Bild besonders gut gelungen ist.“

Auf der Staffelei sehen wir ein unfertiges Werk – zwei Männer, die sich die Hand geben, einer steht auf dem Kopf. Lindi: „Das ist der Pakt Paradox. Abgeleitet vom Faust.“ Warum liebt Lindi das Leben im Hotel?

„An der Bar treffe ich immer viele Panik-Sympathisanten. Die würde ich hinter dicken bourgeoisen Mauern nicht sehen...“

Gestern Abend eröffnete der Panik-Rocker die Ausstellung (bis 25. Oktober, täglich 11-19 Uhr, außer montags) und überraschte mit einem Konzert in der benachbarten Schinkel-Kirche.

Panisch gut!

Text: Marcus Hellwig