Hamburg/Berlin (dpa) - Keine Panik vorm Geschichtsunterricht: Rockmusiker Udo Lindenberg will mit seinem Musical «Hinterm Horizont» die deutsche Ost-West-Geschichte an Schulen auflockern. Unterrichtsmaterial zu der Inszenierung, das Lehrern bundesweit zur Verfügung gestellt wird, soll die Teilung Deutschlands und die jüngste Geschichte greifbarer und unterhaltsamer machen. «Wir wollen keine "Generation Ahnungslos", die nicht mehr weiß, was die DDR und wer Honecker war», sagt der in Hamburg lebende Panikrocker, dessen Mauer-Musical seit Anfang des Jahres in Berlin über die Bühne geht.
Das Unterrichtsmaterial, das mit dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg entwickelt wurde, will der Musiker am 14. September gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Theater am Potsdamer Platz vorstellen. Dazu werden auch 1800 Schüler erwartet. Lindenberg («Sonderzug nach Pankow», «Mädchen aus Ost-Berlin») spricht von einer «großen Bildungsoffensive»: «Viele denken ja immer noch, die DDR war ein Insektizid und Honecker eine Knackwurstfirma. Das müssen wir ändern und die ganze Story von der Stasi bis zu unserer Bunten Republik Deutschland erzählen.»
An seinen eigenen Geschichtsunterricht hat der 65-Jährige nicht die besten Erinnerungen. «Ich wäre froh gewesen, die Geschichte der Welt packend vermittelt zu bekommen. Doch wir mussten langweilige Jahreszahlen lernen, fanden das nur öde und blöde und haben ohne Ende abgegähnt», erzählt er. «Drögen Geschichtsunterricht, in dem Jugendliche sich nur für das Ausdrücken ihrer Pickel interessieren, sollte es nicht mehr geben.» Lindenberg: «Klare Sache: Wer weiß, wo er herkommt, kann schlauer und pfiffiger in die bessere Zukunft gehn.» Das Musical über die Liebe zwischen Udo und dem Mädchen aus Ost-Berlin haben bislang mehr als 300 000 Besucher gesehen.