06. Februar 2014 Großkonzert Udo zeigt in Mülheim Kante

Quelle
Kölnische Rundschau, 05.02.2014

Beim Gedenkkonzert am zehnten Jahrestag des Nagelbombenanschlags wird neben Wolfgang Niedecken und Peter Maffay auch Udo Lindenberg die Bühne rocken. Rund 80.000 Menschen werden zum Großkonzert an der Schanzenstraße erwartet.

Köln. Der Kampf gegen rechte Gewalt ist für Udo Lindenberg eine Herzensangelegenheit. Nachzuhören ist es auf zahlreichen Stücken des Sängers („Nein, sie brauchen keinen Führer“). Am 9. Juni wird der kultige Deutschrocker in Mülheim die Stimme erheben, um den braunen Sumpf trocken zu legen. „Ja, Udo wird dabei sein“, bestätigte Manager Roland „Balou“ Temme der Rundschau auf Anfrage. „Er will es unbedingt.“

Das Gedenkkonzert am zehnten Jahrestag des Nagelbombenanschlags nimmt damit immer mehr Formen an. Auch die Zusage von Peter Maffay liegt bereits vor, und natürlich ist der Auftritt von Wolfgang Niedecken und BAP längst beschlossene Sache. Wie bei der Neuauflage des Arsch-huh-Konzertes auf der Deutzer Werft 2012 werden am Pfingstmontag auf dem Gelände an der Schanzenstraße bis zu 80.000 Menschen erwartet.

Heute treffen sich die Organisatoren erneut, um am genauen Ablauf der Veranstaltung zu feilen. Die Stadt hat das Großkonzert auf der Industriebrache bereits genehmigt. Die Arsch huh AG wird als Gastgeber auftreten.

Udo Lindenberg wird kurz vor seinem Kölner Gastspiel mit seinem Panik-Orchester in der Düsseldorfer Esprit-Arena gastieren. „Insofern haben wir es nicht weit und können schon mal üben“, sagt Temme. Bereits 2011 hatte Lindenberg in Jena bei einem Großkonzert gegen Nazis und rechte Gewalt auf der Bühne gestanden. Damals waren, nach immer größerem Zuspruch, 50.000 Menschen zu dem Konzert gekommen. Wie in Jena wird auch in Köln Peter Maffay auf der Bühne stehen, und erneut soll Sigmar Gabriel (SPD), heute Vizekanzler, dabei sein. Anfragen haben die Veranstalter auch an Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gestellt. Bis Ende kommenden Monats hoffen die Organisatoren, Klarheit über die Redner und Musiker auf der Bühne zu haben. Im März sollen die Medien auch offiziell informiert werden.

„Es ist eine große Freude, dass Udo dabei ist“, sagte Hermann Rheindorf, Sprecher der Arsch huh AG. Lindenberg (67) sei in seinem politischen Engagement immer ein Vorbild gewesen. Klar ist, dass am 9. Juni zehn bis zwölf Musiker mit ihren Bands auf der Bühne stehen werden. „Es laufen Gespräche mit vielen Künstlern“, sagte Temme, „die Resonanzen sind sehr positiv.“ Internationale Künstler werden gemeinsam mit deutschen Sängern und Rockbands auf der Bühne zu sehen sein. Vermutlich wird die Kundgebung am Nachmittag beginnen. In der Diskussion ist, den Auftakt auf den genauen Zeitpunkt der Detonation vor zehn Jahren – kurz nach 16 Uhr – zu legen. Vermutlich dürfte der offizielle Teil auf der Bühne dann mit einer Gedenkminute beginnen. Gegen 22 Uhr soll die Veranstaltung enden.

"Birlikte" - Schulter an Schulter

Das türkische Wort „Birlikte“ („Zusammen“ oder „Schulter an Schulter“) ist die Überschrift der Veranstaltung. Schon am 8. Juni, Pfingstsonntag, soll es kleinere Veranstaltungen, Lesungen und Theater in Mülheim geben, auch auf der Keupstraße. Zudem ist eine würdevolle Gedenkstunde für alle Opfer rechten Terrors im E-Werk oder im Palladium geplant. Opferanwälte aus dem Münchener NSU-Prozess sollen ebenfalls in Köln dabei sein. Es soll auf keinen Fall „ein Friede-Freude-Eicherkuchen-Tag“ werden, sagt Temme. „Der Hintergrund ist leider ein sehr ernster.“ Auch Rheindorf betont, dass es darum geht, zum Engagement gegen Rechts zu motivieren. Temme lobte wie die Arsch huh AG die Zusammenarbeit mit der Stadt. Die Vorbereitungen liefen bislang reibungslos. Falls bis zu 100.000 Menschen zu dem Konzert kommen sollten, werde auch dies auf der Fläche an der Schanzenstraße möglich sein.

Bei dem Nagelbombenanschlag waren am 9. Juni 2004 22 Menschen verletzt worden. Der Hamburger Musiker Mario Rispo hatte die Idee, am zehnten Jahrestag in Köln ein Konzert zu veranstalten. Mit dabei in der Organisation sind neben Arsch huh zudem der Mülheimer Verein „Heimat für alle“ sowie diverse Stiftungen.

„Wir Deutsche haben die verdammte Pflicht, uns immer und überall zu wehren und für die Demokratie zu kämpfen“, hat Udo Lindenberg vor zwei Jahren für die Stiftung „Mut gegen rechte Gewalt“ geschrieben. Der Alt-Rocker war erschrocken, dass Mitglieder der NSU seine Musik gemocht haben. Lindenberg: „Wenn man sich mit diesen Typen frühzeitig und ernsthaft auseinandergesetzt hätte, wäre ihr Weg vielleicht anders verlaufen.“

Text: Jens Meifert
Foto: dpa