17. Mai 2009 Happy Birthday, Udo Lindenberg!

Quelle
www.suedkurier.de

17. Mai 2009: Ein Kultrocker wird 63 - ein guter Grund, sich das vergangene Lebensjahr des Udo L. mal genauer anzuschauen...

Hamburg (dpa) - Als Musiker hatten ihn viele längst abgeschrieben, aber vor knapp einem Jahr stand Udo Lindenberg vor einem seiner größten Triumphe: Für sein Album "Stark wie Zwei" erhielt der Deutschrocker Doppelplatin, vor ein paar Wochen wurde er als bester Künstler mit dem "Echo" ausgezeichnet.

400 000 verkaufte Exemplare, erstmals in seiner bald 40-jährigen Karriere an der Spitze der Album-Charts, Auftritte in großen TV-Shows, Interviewanfragen rissen nicht ab. "Sind wir nicht alle ein bisschen Udo?", heißt es in den Medien.

Der Panik- Rocker ist seitdem angesagt wie in seinen Anfangsjahren, als er mit deutschen Texten die Rockmusik revolutionierte. Der Erfolg hat ihn allerdings überrascht: "Ich bin überwältigt! An so etwas habe ich nicht mehr geglaubt." Heute feiert der Mann mit dem Hut seinen 63. Geburtstag.

Im März 2008 startet der in Hamburg lebende Sänger sein Comeback. Seit acht Jahren war es das erste Album mit durchweg neuen Songs des Altmeisters und sein 41. insgesamt. "Manchmal ist es nicht leicht, mit der Zukunft gegen eine solche Vergangenheit anzukommen. Aber das Tal des Zweifels liegt hinter mir. Jetzt will ich - neben dem Atlantic-Hotel - mein Zuhause wieder in den Charts haben", hatte er damals gesagt. Die Erwartungshaltung der Fans und Kritiker war groß, doch schon kurz nach der Veröffentlichung jubelte er als "Sänger aus Phönixien": Der legendäre Musiker eroberte sofort die Spitze der Albumcharts - "gegen die Eintagsfliegen und DSDS-Nasen".

Rund 700 Texte hat der Dauerbewohner des Hotels "Atlantic" geschrieben, sich vor dem Comeback jahrelang auf seine "panische Malerei" konzentriert. Er zeichnete "Udogramme", malte "Likörelle" und trat gelegentlich mit seiner Auswandererrevue "Atlantic Affairs" auf. Aus den Charts war er längst verschwunden. "In Sachen Musik war ich wohl der Mann von gestern", meinte er rückblickend. Jetzt seien seine Fans jünger als die "Tokyoten" (Tokio-Hotel-Fans) und älter als die "Heesteroiden" (Johannes-Heesters-Fans). Als "Paten des Rock" sieht ihn Rapper Jan Delay, der mit Lindenberg auf der aktuellen Single "Ganz anders" zu hören ist. "Er hat nicht nur die Tür für uns alle aufgemacht in den 70ern...Er hat das ganze Haus gebaut, die Tür eingesetzt und sie dann aufgemacht für uns alle."

Kollege Herbert Grönemeyer nennt ihn einen "wunderbaren Musiker" und Peter Maffay meint "eine gewisse Schadenfreude" zu erkennen: "Diese ganzen Vorurteile, diese Verfallsdatumserklärungen - da hat er die Leute, die so dachten, wunderbar an der Nase herumgeführt." Selbst einen Plattenvertrag hatte Lindenberg, der Hits wie "Andrea Doria", "Hinterm Horizont" oder "Sonderzug nach Pankow" schrieb und mehr als 20 Millionen Platten verkauft hat, eine Zeit lang nicht. Doch als die erste Rohfassung des neuen Albums fertig war, überboten sich die Labels gegenseitig. "Für manchen ganz jungen Fan scheine ich ein komplett neuer Sänger zu sein, gerade neu entdeckt", erzählt er.

Die Resonanz auf sein Album erklärte sich der 62-Jährige damit, dass er sich immer treu und bei allen Höhen und Tiefen doch immer "der Udo von der Dinkel, der auszog, um Popstar zu werden" geblieben ist. "Die Nation fasst sich ans Herz - da singt einer ihre Geschichte, mit aller Angst und allen Träumen, singt von Größenwahn und Verlust, Niederlagen und höchstem Gewinn", meinte Lindenberg. "Ein schockierend schonungsloses Ding über ein Leben, das unserem zwar ähnlich ist, aber von Udo im Exzess geführt und gelebt wird", sagt er. Der Erfolg nach all den Krisen und Selbstzweifeln geht ihm sehr nah: "Ein berührender Soundtrack für einen Sänger."