15. Mai 2021 Herzlichen Glückwunsch, Udo

Quelle
Hamburger Abendblatt, 15.05.2021

Am 17. Mai 1946 kam im westfälischen Gronau der zweite Sohn eines Klempners zur Welt. Aus ihm wurde erst ein Trommler, dann ein Sänger und in Hamburg schließlich der Panikrocker der bunten Republik Deutschland. Eine Gratulation von Tino Lange

Lieber Udo, wenn du das hier am Montag liest (am Wochenende ist ja nie Zeit), ist dein 75. Geburtstag wahrscheinlich schon fast vorbei. Du bist ja eher von der späten Sorte, was frühes Aufstehen betrifft, dem Rampenlicht so zu- wie dem Tageslicht abgeneigt. Die Nacht, das ist die Zeit der Träume, und auch wenn so mancher Traum aus war, hast du wie dein Rock-Zeitgenosse Rio Reiser alles gegeben, dass sie Wirklichkeit werden. Wahrscheinlich warst du noch Anfang 1989 der Letzte, der vom Fall der Mauer träumte, und als die Jungs und Mädchen in Ostberlin, Leipzig, Suhl und Halle endlich ihren Udo Lindenberg sehen durften, hättest du das fast verpasst, weil dein Panikherz klapperte.

Aber du bist da, immer da gewesen. Egal, was die anderen sagen. Immer wieder auferstanden wie Phönix aus der Flasche. Auch wenn der Astronaut mal am Boden lag, unter dem Tisch im Onkel Pö, in den Lobbys von Interconti und Atlantic oder in den Kellern der Charts, so bist du doch wieder durchgestartet. Der Astronaut muss los, der Astronaut muss weiter.

Aber erst mal eine Tasse Tee und dann eine Runde Joggen um die Alster. Oder mit dem Porsche ziellos durch den Hafen. Oder eine gute Zigarre. Was machst du gerade, Udo? Bist du überhaupt schon wach oder noch im Dröhnland nach einer kleinen Reinfeierei? Hast du darauf angestoßen, dass du wie Lola in „Alles klar auf der Andrea Doria“ wirklich mal so alt wirst, wie du jetzt schon aussiehst, also so um die 50? Dann wärst du so alt wie dein erstes Album „Lindenberg“, das 1971 erschien.

Udo 75, Mensch ist das gemütlich. Um das zu feiern, haben wir in dieser Ausgabe 75 Anekdoten, Fakten, Zitate, Gerüchte und Archivperlen zusammengetragen und mit einem langjährigen Freund von dir gesprochen. Nach dem Lesen kannst du dann los. Der Astronaut muss los, der Astronaut muss weiter. Wird man sich jemals wieder, jemals wiedersehen? Man weiß es nie genau auf dem Raketenbahnhof. Wird man den nächsten Flug lebendig überstehen? Wenn Trümmerteile vom Himmel fallen, dann musst du wissen: Du warst von allen unser Größter!

Text: Tino Lange
Foto: Tine Acke