Berlin feiert den Panik-Rocker: Die Udo-Lindenberg-Woche beginnt mit einem Eintrag ins goldene Buch Pankow. Am Mittwochabend dann wird Lindenberg ein Konzert in einem Sonderzug nach Pankow geben.
Berlin - Udo Lindenberg war sauer. Jahrelang. Warum durfte er nicht in der DDR auftreten? Warum verbot der Arbeiter- und Bauernstaat ausgerechnet ihm, dem Friedensaktivisten, eine Tournee durch die DDR? Am 5. März 1979 sagte Lindenberg in einem Interview mit dem SFB, die Herren in Ost-Berlin seien „äußerst stur“ und zeigten „wenig Bereitschaft, sich überhaupt mit mir und über so was Konkretes zu unterhalten.“ Am nächsten Tag hatte Politbüro-Mitglied und Kultur-Chef Kurt Hager das abgetippte Interview auf seinem Schreibtisch liegen und notierte drei Tage später handschriftlich an die Abteilung Kultur: „Auftritt in der DDR kommt nicht in Frage.“
Vier Jahre später thematisierte Lindenberg sein Auftrittsverbot in der DDR im „Sonderzug nach Pankow“. Das Lied wurde ein Hit, es war wochenlang in den Charts und durfte in der DDR natürlich nicht gespielt werden. Eine Tournee durch die DDR gab es nie, trotz späterer kurzzeitiger Zusage. Nur ein Mal durfte Lindenberg im Arbeiter- und Bauernstaat spielen. Im Oktober 1983 bei einem Friedenskonzert der FDJ, zusammen mit Harry Belafonte. 32 Jahre nach Erscheinen des „Sonderzug“-Songs fährt nun tatsächlich so ein Zug nach Pankow, aber viel bekommen Lindenberg-Fans, fast wie damals, davon nicht mit. Am Mittwochabend wird der Musiker auf Einladung des RBB mit einem Sonderzug der U2 vom Olympiastadion zum Bahnhof Pankow fahren. Im Zug wird Lindenberg ein Konzert geben, das werden aber nur ausgewählte RBB-Hörer live zu hören bekommen, so wie auch ein Konzert am Abend im Ballhaus in der Grabbeallee in Pankow.
Öffentlich ist hingegen ein Termin im Rathaus Pankow. Dort wird sich Lindenberg bereits am kommenden Montag um 16 Uhr in das goldene Buch des Bezirks eintragen. „Das wird kein Staatsakt, das wird ganz locker“, sagt Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhn (SPD). Also keine langen Reden, kein Sektempfang und auch kein Konzert. Lindenbergs Name und, so hofft Köhne, vielleicht auch eine seiner Zeichnungen, werden dann im gleichen Buch stehen wie die Unterschriften internationaler Gäste, erfolgreicher Pankower Sportler, Jubilare und Preisträger.
Der Bezirk Pankow und das Schloss Schönhausen dort waren in den Anfangsjahren der DDR Sitz des Präsidenten und anschließend des Staatsrates der DDR. Politiker wohnten in Villen am Majakowskiring, bevor sie in die Waldsiedlung Wandlitz nach Brandenburg zogen.
Lindenberg scheint sich auf seine Pankower Termine in der kommenden Woche sehr zu freuen. „Viele Top-Leute in Pankow“, meldet er sich am Freitag per SMS. So kommt etwa die Hauptdarstellerin in dem Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“, Josephine Busch, aus Pankow. Und den Pankower Bezirksbürgermeister Köhne lobt Lindenberg als einen „echten Lindianer“, und „Panik-Experten“. Zuerst denke er natürlich „an mein Mädchen aus Ost-Berlin.“ Dieser Liebe widmete Lindenberg ein eigenes Lied. Vor etwa vier Jahren gab es sogar die Idee, in Pankow ein Lindenberg-Museum einzurichten, doch daraus wurde nichts.
Und dann erzählt der Musiker noch, der „Sonderzug nach Pankow“ habe den Bezirk zu einer der berühmtesten Gemeinden der Welt gemacht, Pankow komme noch vor Bangkok? Wieso jetzt Bangkok? Wollte Lindenberg dort etwa auch auftreten? Lindenberg erklärt, in Wien hätten sie damals statt Pankow immer Bangkok verstanden, als wolle er mit einem Sonderzug nach Bangkok fahren.
Das wäre dann vermutlich noch aufwendiger geworden.
Lindenbergs Fahrt im Sonderzug und sein Konzert im Ballhaus können Zuschauer am Mittwoch im RBB-Programm miterleben. Eine Reportage wird am Sonnabend, 28. März, um 18.32 Uhr gezeigt.
Text: Stephan Strauss
Foto: dpa