06. Oktober 2006 "Keine Panik" – Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

06. Oktober 2006 – 22. Oktober 2006


Im Rahmen der 58. Frankfurter Buchmesse präsentiert die Kunsthalle Mannheim in Kooperation mit Meyers Lexikonverlag unter dem Titel „Keine Panik – Bilder & Graphiken aus den Jahren 1996 bis 2006“ eine Sonderausstellung mit Werken Udo Lindenbergs.

Die Kunsthalle Mannheim stellt in dieser Ausstellung Lindenberg, der den Einband von „Meyers Großem Taschenlexikon“ gestaltet hat, als bildenden Künstler zur Diskussion.

Lindenberg, der sich selbst als „Universaljongleur“ bezeichnet, von Kritikern als „Universaltalent“ tituliert wird, ist als Rockmusiker, Politaktivist und enfant terrible bekannt geworden.

Als bildender Künstler ist er Autodidakt, doch nimmt die Malerei, die mit gelegentlichen „Udogrammen“ 1995 einsetzte, inzwischen immer mehr Platz im Leben des Rockstars ein. In zahlreichen Ausstellungen ist er damit mittlerweile auch an die Öffentlichkeit getreten.

Seine Bildthemen entstammen wie seine Liedtexte einerseits seiner eigenen persönlichen Lebenswelt, andererseits setzen sie sich mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander. Humorvoll, ironisch und frech behandelt er ernste Themen wie Ausländerfeindlichkeit, Militarismus, Rechtsradikalismus oder Religionsfreiheit. Sein dem Cartoon und Comic verwandter künstlerischer Stil ist dabei lässig, leicht und treffsicher. Seine Maltechnik, Bilder aus Likör herzustellen, hat er sich als „Likörelle“ patentieren lassen.

Als Cartoonist und Zeichner sieht er sich selbst als „Stricher“, der das Leben in Bars, Kneipen und auf der Straße einfängt. „Wenn ich weit in die Vergangenheit blicke, war es vermutlich Joseph Beuys, der mein ursprüngliches Interesse an der Malerei geweckt hat“, so Lindenberg selbst.

Gezeigt werden grösstenteils neue Werke mit dem Thema "Menschenfamilie", die für die Einbandgestaltung von „Meyers Großem Taschenlexikon“ entstanden sind, aber auch ältere Bilder wie „Krieg der Religionen“ oder „Die Pimmelköppe“.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung entstand mit Hilfe eines „Ejakulators“ ein Werk, das Musik und Malerei verbindet: Während Lindenberg das Schlagzeug bearbeitet, werden durch die Erschütterung Farbtuben aktiviert, die sich auf der Bildfläche entladen.

Ausstellungsdauer:
06. Oktober 2006 – 22. Oktober 2006

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntags von 11.00 - 18.00 Uhr

06.10.2006 Mannheimer Morgen

Von Barbara Foerster

Der Rockstar als freches Strichmännchen

Udo Lindenberg eröffnet mit einem Überraschungskonzert seine Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim

Eine Performance mit Udos Farb-Ejakulator gab es gestern Abend nicht bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim. Dieses Experiment mit einem „Orpheus"-Bild als launigem Ergebnis hatte man tags zuvor im Stillen vollzogen. Für eine Live-Aktion vor Publikum war Udo Lindenberg nach dem Tod seines Bruders vor knapp zwei Wochen nicht in der Stimmung. Aber auf kurzweilige Spontanunterhaltung mussten die 250 geladenen Vernissage-Gäste trotzdem nicht verzichten. Zunächst stand ein Schlagabtausch des Musikers mit seinem Gastgeber Rolf Lauter auf dem Programm, der sich bei der Frage nach der kunsthistorischen Bedeutung von Udos Bildern geschickt und ohne Zögern aus der Affäre zog: „Wir bestreiten neue Wege in diesem Haus. Unser Museum möchte sich öffnen". Wer wollte an diesem kurzweiligen Abend etwas dagegen sagen? In der Tat - so viel Popakademie und Musikszene war wohl nie in den „heiligen Kunsthallen". Udo fand das „klasse". „Pioniere allerorten", rief er und ernannte Lauter spontan zum Panik-Professor.

Aber der Höhepunkt kam später, als sich Udo ans Schlagzeug setzte und zusammen mit der Popakademie-Gruppe „My Baby Wants To Eat Your Pussy“ eine Session startete. Als er Rolf Stahlhofen im Publikum erblickte, wurde der flugs herbeigesungen, und Mannheims Sohn dankte es mit einer kurzen Gesangseinlage. „Wenn der Meister ruft, muss man kommen. Ist doch klar". Mit einem Solo-Ständchen, bei dem Udo vom ehemaligen Panikorchester-Kollegen Jean-Jacques Kravetz begleitet wurde, läutete der Panikrocker zum Büfett.

War die abendliche Musiksession bis zuletzt ein spontanes „großes Geheimnis", sorgte der Deutschrocker im Vorfeld mit Akribie für die richtige Kunst-Kulisse. Mit Bodyguard und Double im Schlepptau schritt er am Tag zuvor durchs Museum. So wie seine Bilder zunächst an der Wand des Vetterforums hingen, passte es ihm nicht. „Wo geht denn morgen Abend die grosse Aktion ab? Doch im Forum. Ich möchte, dass alle Bilder, auch meine Zeichnungen fürs Meyers Lexikon, hier hängen", diskutierte Udo mit dem Museumsteam.

Eine perfekte Präsentation seiner Bilder ist dem „Paniker" wichtig. Auch wenn seine Malerei nicht hohe Kunst ist. Inspiriert von Joseph Beuys' Motto „Jeder ist ein Künstler", habe er in den 90ern einfach mal den Stift in die Hand genommen. „Markus Lüpertz hat gesagt: „Du hast 'nen guten Strich, schön frech, einfach drauflos und bloß nicht studieren“. Natürlich hab' ich ein paar Tricks gelernt. Perspektive, Schatten- und Lichteinsatz." Der große Maler sei aber sein Bruder gewesen. „Ich bin eher eine Art Joker, der Querschläger, der Seiteneinsteiger, der mit dem schnellen Strich, mit der Frechheit. Ohne Gesetze. Ich habe mich selbst freigestellt, wie in der Musik auch", erklärt er.

Die Inszenierung seiner Bilder zusammen mit dem Überraschungskonzert sei auch eher ein Gesamtevent aus Udos Cartoons, seiner Musik und seiner Person als eine Ausstellung. So wenigstens erläutert Rolf Lauter das Projekt, das er zusammen mit dem Mannheimer Brockhaus-Verlag in seinem Haus bis zum 22. Oktober ausrichtet. Für zwei Wochen können sich Besucher der Kunsthalle die Malerei und Zeichnungen Lindenbergs im Kreativitätszentrum und dem Vetterforum anschauen und – so ist es vom Verlag gedacht – „Meyers Grosses Taschenlexikon'' kaufen. Dessen Einband hat der Musiker gestaltet. Das Lexikon wurde gestern auch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Lindenbergs Strich ist lässig-nachlässig, seine Bilder sind bunt, fröhlich und stets mit einer Prise Gesellschaftskritik - verpackt in zuweilen einfache bis platte Phrasen: „Andere denken nach, wir denken vor." Seine Serie kahlköpfiger „Pimmelköppe" mokiert sich über den Einheitslook von Rechtsextremisten. Sein pathetischer,,Menschenschrei" deutet dabei auf den ernsten Hintergrund hin. Die „Menschenfamilie"-Reihe für Meyers Lexikon propagiert multinationale, religiöse Toleranz, die der Musiker mit seinem Schiff „Andrea Doria" voller Passagiere unterschiedlichster Ethnien in Szene setzt, das froh gelaunt und mit dem Sänger als Galionsfigur auf Reisen geht. Oder als bunte Freiluft-Regatta mit dem Motto „No Panic, wir heben ab" - auch hier Udo allerorten mit Mikrofon oder Sektglas auf großer Fahrt.

Lindenberg ist ein Selbstdarsteller, seine Cartoons, wenn sie nicht wie bei seinen „Likörelle" mit Likör gemalt sind, zeichnen sich vor allem durch dieses Männchen aus mit Hut, schwarzer Sonnenbrille und langen Haaren, das in jedem Menschengewimmel auftaucht, auch mal als rotes Teufelchen oder bei „BRD Quadriga" als Siegesfigur auf dem Brandenburger Tor. Überall Udo – „weil ich so ein hübsches Kerlchen bin. Man nennt mich auch Hübschi."

Fotos folgen in Kürze!!!