03. Juni 2008 Konzert-Kritik

40 Jahre Musikgeschichte live

Das große Rampenlicht hat der sympathische Franzose Jean-Jacques Kravetz nie gesucht. Doch obwohl es kaum eine deutsche Rock-Größe gibt, mit der Kravetz nicht zusammen gespielt hat, ist sein Name weitgehend Insider-Wissen. Der Keyboarder hat 40 Jahre deutsche Musikgeschichte mitgeschrieben - davon konnten sich die Besucher im Hamburger Stadtpark am 31. Mai 2008 überzeugen. Für eine außergewöhnliche Vier-Stunden-Session, obendrein für einen guten Zweck, versammelte er zahlreiche hochkarätige Weggefährten von Udo Lindenberg über Peter Maffay, Inga Rumpf bis Heinz Rudolf Kunze, um mit ihnen 40 Jahre Musikgeschichte Revue passieren zu lassen. Unser Reporter Bastian Wünsch war bei diesem außergewöhnlichen Open-Air-Musikereignis dabei - hier sein Bericht.

Man kann es sich lebhaft ausmalen: Tag und Nacht schrieben zwei Männer in einem baufälligen Haus an ihrem Lied. Unter Kerzenschein, denn es gab nicht mal Licht in dieser Bruchbude. Am Ende entstand einer der größten Songs der 80er Jahre. Der Mann, der "Eiszeit" später sang, steht noch heute im Rampenlicht: Peter Maffay. Der zweite blieb immer in seinem Schatten und an an seinem Klavier - bis an diesem Sonnabend im Hamburger Stadtpark.

Sein Name ist weitgehend nur den Insidern bekannt (und denen, die auf Platten bzw. CDs gerne mal den Inhalt der Klammern hinter den Songs und Danksagungen studiert haben) - obwohl er einer der prägenden Musikern der vergangenen rund 30 Jahre deutscher Popmusik ist. Der französische Komponist und Keyboarder Jean-Jacques Kravetz feierte an diesem 31. Mai 2008 sein 40-jähriges Bühnen-Jubiläum open air, präsentiert von NDR 2. Zahlreiche Weggefährten kamen zum Singen und Gratulieren vorbei, teilweise ohne beachtlichen Aufwand zu scheuen: Die Scorpions hatten extra ihre Welttournee unterbrochen, Heinz-Rudolf Kunze ereilte die Einladung in New York. Etwa 4.000 Fans bejubelten sie und Stars wie Udo Lindenberg Inga Rumpf, Achim Reichel, Julia Neigel und Peter Maffay.

Eine beeindruckende Bilanz bot sich den Besuchern an diesem Abend: eine vier Stunden lange Best-Of-Show mit hochkarätiger Besetzung. "Jean-Jacques ist ein exzellenter Koch", sagte Maffay im NDR 2 Interview über den Jubilar. "Seine Spezialität sind wunderschöne Harmonien. Aber auf der anderen Seite kann er auch zum absoluten Vieh werden, wenn er abgeht. Er hat ein Talent, das selten ist." Und das bekamen auch die Fans im Stadtpark zu sehen. Kravetz war der einzige Künstler, der vier Stunden auf der Bühne war - seine Kollegen begleiteten ihn für jeweils drei bis vier Lieder auf einer Reise durch 40 Jahre Deutsch-Rock.

"Das ist fast wie ein Familientreffen", sagte Udo Lindenberg im NDR 2 Interview. "Dieses Konzert ist auch für uns Musiker etwas Besonders. Ein bisschen hippie-mäßig." Der Panik-Rocker verdankt Kravetz unter anderem die Balladen "Bis ans Ende der Welt" und "Wozu sind Kriege da". Lindenberg: "Wenn Jean-Jacques bei meinen Auftritten am Klavier sitzt, gibt mir das immer große Sicherheit."

Es war ein wirklich besonderer Abend, der erst spät zu Ende ging - mit positivem Ergebnis: Der Erlös des Konzertes fließt komplett an Kravetz' Stiftung "Entrée". Sie unterstützt arme, aber musikalisch begabte Kinder.

Quelle: Bastian Wünsch, NDR 2
Foto: Tine Acke