Ahrensburger Galerist genehmigt sich ein Likörell
Beherzt nimmt Galerist Ingo Faerber (60) ein frisch gerahmtes Likörell von seiner Staffelei und stellt es in sein Schaufenster. Ein Hingucker zwischen Sonnenbrille, Hut, Likörflaschen und "Ball Pompös"-Schallplatte von 1974. Und eine Hommage an Panikrocker Udo Lindenberg ("Andrea Doria", "Stark wie zwei"), Erfinder und Meister der Likörell-Malerei und mit Pinsel und Bols-Farbpalette erfolgreich.
"Ich finde Udos Bilder Klasse. Er hat einen guten Strich", sagt Ingo Faerber, der auf frühe Udo-Platten steht. In Faerbers Plattensammlung, die er nur Eingeweihten zeigt, steht neben den Beatles ("Yeah, Yeah, Yeah") und John Mayall sogar eine alte Scheibe der City Preachers, bei denen Udo in den Sechzigern in Hamburg trommelte. Ingo Faerber: "Udo ist ein musischer Mensch. Musische Menschen haben viele Talente. Eigentlich sind seine Bilder Karikaturen. Und politisch."
Das Bild mit dem Titel "Deutschland, wat nu?" passt zur Finanzkrise. "Deshalb habe ich es gekauft", sagt der Galerist. Es zeigt die Quadriga auf dem Brandenburger Tor - mit Udo und Pleitegeier. Die Pferde schauen Hilfe suchend in verschiedene Richtungen. Und "Angie" - barbusig und in roten Pumps - genehmigt sich erst mal ein Gläschen...
"Kauf dir ein Lindenwerk, und du hast keinen Sorgen mehr. Viel besser als ne Aktie. Besonders die Likörelle lohnen sich - ein Bild hält mindestens 500 Jahre", hat Udo mal der "Bild"-Zeitung gesagt. Das war 2005, lange vor der Finanzkrise. Heute gehen die begehrten Likörelle für 1850 bis 2300 Euro über die Ladentheke. Die Exklusivverkaufsrechte liegen bei der Walentowski ohG.
Wer bei Faerber zuschlägt, legt 2250 Euro fürs gerahmte Lindenwerk auf den Tisch. "Bei Benefizauktionen wurden schon mal 40 000 Euro für ein Bild gezahlt", verrät der Galerist.