08. August 2008 Lindenbergs Karriere als Zeichentrick

Der Hut ist tief in die Stirn gezogen, die Sonnenbrille funkelt. Panikrocker Udo Lindenberg setzt...

Der Hut ist tief in die Stirn gezogen, die Sonnenbrille funkelt. Panikrocker Udo Lindenberg setzt sich an seinen Schreibtisch im Atlantic-Hotel, malt mit Edding ein Strichmännchen auf's Papier, verteilt mit dem Zeigefinger blauen Likör darauf. Fotoapparate blitzen, Filmkameras surren, Reporter schauen dem Musiker andächtig über die Schulter. Lindenbergs Ein-Mann-Show hat begonnen.

Dass er die immer noch prächtig beherrscht, hat der 62-Jährige gestern in seinem Zuhause, dem Atlantic-Hotel, bei der Weltpremiere des Videos zu "Mein Ding" bewiesen. Mit dem Zeichentrickvideo illustriert Lindenberg seine eigene Karriere: Der Hut ist tief in die Stirn gezogen, die Sonnenbrille funkelt. Panikrocker Udo Lindenberg setzt sich an seinen Schreibtisch, malt mit Edding ein Strichmännchen auf's Papier. Das springt plötzlich vom Blatt in eine gezeichnete Straße, blickt sehnsüchtig auf das bunt schraffierte Hotel. Dazu Lindenbergs Stimme: "Irgendwann dann wohn ich da in dem weißen Schloss, in der Präsidentensuite, wo es nicht reinregnet und nicht zieht, und was bestell ich da? Dosenbier und Kaviar." So beginnt das Video, in dem der Rocker ein Feuer in Amy Winehouse' Haarberg löscht, Obama abklatscht, mit Madonna auf der Sessellehne tanzt und die Mona-Lisa ihm zuprostet. "Jeder soll sein eigenes Ding machen, den eigenen Gesetzen folgen", erklärt Lindenberg. "Das ist die Aussage des Songs: dass die Republik bunter wird, wenn es Unikate gibt, die sich nicht anpassen."

Unikate wie Udo Lindenberg. Dem es gelungen ist, nach acht Jahren Sendepause mit dem neuen Album "Stark wie Zwei" einen Erfolg zu landen. "Vielleicht machen wir noch mehr Zeichentrickvideos zu anderen Songs, hat Spaß gemacht", sagt der Erfinder der "Likörell"-Malerei, der die Vorlagen zum Video auf seine ganz eigene Weise mit Edding und Likören gezeichnet hat. Diese Entwürfe hat die Produktionsfirma Trikk 17 in Zeichentrick umgesetzt. "Supergeil, das hat Straßencharme!", frohlockt Lindenberg, nachdem er das Video in seinem privaten Kino im Atlantic gezeigt hat. Dazu gab's natürlich Dosenbier und Kaviar. Die Ein-Mann-Show ist perfekt.

Quelle: Hamburger Abendblatt
Text: Kathrin Fichtel
Foto: Martin Brinkmann