Berlin/dpa. Udo Lindenbergs «Mädchen aus Ostberlin» heißt Josephin Busch und kommt genau aus dem so oft von ihm besungen Berliner Stadtteil: Pankow. Von dort stammte schon das Mädchen aus dem gleichnamigen Hit, dorthin wollte er mit dem «Sonderzug» reisen.
Der Panikrocker (64) stellte am Dienstag im Berliner Theater am Potsdamer Platz die Hauptdarstellerin seines Musicals «Hinterm Horizont» vor. Das Stück aus der Feder von Thomas Brussig soll unter der Regie von Ulrich Waller, Intendant des Hamburger St.-Pauli- Theaters, am 13. Januar in Berlin Uraufführung haben. Das Musical erzähle ein Stück deutsch-deutsche Geschichte und eine Lovestory, sagte Lindenberg: «Eine Romeo-und-Julia-Geschichte - eine Eastside- Story über eine verbotene Liebe.»
Die 23-jährige Busch spielt das «Mädchen aus Ost-Berlin», das im Stück Jessy heißt. Jessy verliebt sich 1983 bei einem Konzert im Ostberliner Palast der Republik - dem einzigen DDR-Auftritt Lindenbergs - in den Sänger. Eine Liebesgeschichte zwischen Stacheldraht und Mauer, die ihren Höhepunkt 20 Jahre nach der Wiedervereinigung findet. «Die Geschichte enthält sehr viele biografische Details», berichtete Waller. Es bleibe aber auch viel Raum für Fantasie. So stammt das Lied «Mädchen aus Ostberlin» eigentlich aus dem Jahr 1973 - «eben eine Vorahnung der schicksalhaften Begegnung von 1983», meinte Lindenberg.
Zu Brussigs Lieblingshandlungssträngen gehört das «Stasi sucht den Super-Udo»-Casting. Gewinner des von den Staatsspitzeln organisierten Doppelgänger-Wettbewerbs wird ein Mann sein, der sich tatsächlich für den Kultrocker hält - ein Patient aus einer Nervenanstalt. Drei Udo- Darsteller unterschiedlichen Alters werden in dem Musical auf der Bühne stehen. Gesang ohne Vibrato und echte Rockmusik kündigten die Macher an. Die Texte der Lindenberg-Songs seien kaum verändert worden.
Lindenberg, der sich beim ersten Pressetermin im Theater wie in frühen Jahren hinters Schlagzeug setzte, will die Proben «persönlich überwachen». «Die Panikzentrale residiert daher vorerst in Berlin», meinte der Sänger, dessen Markenzeichen - der obligatorische Hut - in riesigen Ausmaßen auch das Bühnenbild dominieren soll. Ob das Original-«Mädchen» zur Premiere kommt? «Ich hoffe das sehr und arbeite noch dran. Sie ist ein bisschen scheu und schüchtern», meinte der Musiker, der sich auch gleichzeitig wieder als Maler präsentierte - live und in ausgestellten Werken: Im Foyer des Theaters hängen mehr als 40 seiner bekanntesten Kunstwerke, die sich vor allem den Themen Mauerfall und Deutsche Einheit widmen.