Udo Lindenberg macht seine Fans glücklich
Augustusburg. Vor 3000 begeisterten Rock-Fans hat Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Freitag auf dem Schlosshof in Augustusburg eine Ausstellung über Udo Lindenberg (fairerweise: SPD) eröffnet. So hätte es aus dem Sonnenschein über die Nachrichtenticker in die Welt gehen sollen. Teilweise war es auch so - doch Tillich kassierte er im Udo-Fanjubel auch einige persönliche Buh-Rufe und gestaltete daher seine mit Lindenberg-Zitaten zusammengeschraubte Locker-Eingangsrede ("Hallo Freunde!") lieber sehr kurz und knackig.
Die Menschenmassen, die für ein nicht alltägliches Sommerkonzert nach Schloss Augustusburg gepilgert waren, wollten, passend zur Kulisse, viel Spaß und wenig Politik. Da musste auch Christoph Stölzl, Präsident der Musikhochschule Weimar durch. Seinen Versuch, den Anwesenden die mit dem Konzert eröffnete Ausstellung über das Leben des Phänomens Udo Lindenberg inhaltlich etwas näher zu bringen, musste er fast mit verbaler Gewalt gegen das Johlen der erwartungsfrohen Fans durchsetzten. Etwas oberlehrerhaft skurril war es andererseits aber schon, gerade diesen erklären zu wollen, wer oder was Udo Lindenberg eigentlich ist. An dem politischen Prophet, von dem Prof. Stölzl sprach, war das Volk am Freitagabend eher weniger interessiert - dafür umso mehr an dem Musiker, der dann, endlich, einige entspannt-sonnige Versionen seiner zahlreichen Hits zum Besten gab. Der erlösende Panik-Alarm der ersten Takte verdampfte schnell und passte sich den Gegebenheiten an.
"Ich mach mein Ding", "Fieber" oder "Honky Tonky Show" waren die Granaten des sommerfestlichen Reigens eines eher routiniert als engagiert aufspielenden Rock'n'Roll-Orchesters. Der Schwerpunkt lag auf "Was hat die Zeit mit uns gemacht", "Wozu sind Kriege da" oder "Hinterm Horizont". Aus dem gleichnamigen Musical vom Potsdamer Platz in Berlin waren überraschend zwei Hauptdarsteller angereist. "Udo" Serkan Kaya sang zusammen mit dem Original "Mädchen aus Ostberlin" und "Jessy" Josephin Busch "Gegen die Strömung". Beide wurden von Udo ebenso geküsst wie seine hervorragende Mehr-als-nur-Background-Sängerin Nathalie Dorra.
Es hätte also trotz Vorprogramm ein lauer Tut-nicht-Weh-Sommerabend sein können. Aber: Russlands Putin sei wohl "nicht ganz dicht", die demokratiebeflissenen Punk-Frauen von Pussy Riot einsperren zu wollen. Da müsse man wohl "einige Lederjacken nach Moskau" schicken. Das gab noch braven Beifall, die Leute kennen ja ihren Udo! Doch der 66-Jährige war noch nicht fertig mit den Sachsen ("Höchste Bildung im Land, Glückwunsch!"). Er forderte eine Demokratisierung der Uno, prangerte China an, wünschte sich eine "Nazi-freie Zone Augustusburg", kritisierte Waffenlieferungen und wünschte sich Engagement für eine Demokratisierung in Syrien. "Wenn die da oben das nicht packen, müssen wir uns da kümmern", rief der Sänger und nahm an diesen Punkten den dünner werdenden Beifall in Kauf: "Ich weiß, das ist alles sehr kompliziert und komplex. Aber es ist so verdammt wichtig." Es ist aber auch Sommer, und Cello ist ein wunderschönes Lied. Herrlich - das wollten die Leute hören. Applaus!
Ab Samstag bis 11. November ist die Lindenberg-Ausstellung täglich ab 10 Uhr geöffnet. Wer nicht Schlagestehen will, kann Tickets im Vorverkauf erwerben: über die kostenlose Hotline 0800-8080123 für 9,50 Euro (ermäßigt 7,30, Familienticket 28,20) und in den Freie Presse-Shops sowie im Internet.
Zur Bildstrecke
Foto: dapd
http://www.die-sehenswerten-drei.de/