Baden-Baden - Mit Strichen auf Bierdeckeln hat Udo Lindenbergs Karriere als Maler vor gut 14 Jahren in einer Kneipe begonnen. Seit gestern steht er in einer Reihe mit Größen wie Warhol oder Chagall: Er stellt im Museum Frieder Burda aus.
Anlass für die Schau ist das New-Pop-Festival von SWR 3, das am kommenden Donnerstag beginnt. Lindenberg hat das offizielle Plakat entworfen, nachdem er vier Jahre zuvor für sein musikalisches Lebenswerk vom Sender mit dem "Pioneers of Pop"-Award ausgezeichnet worden war. Nun kehrte er nach Baden-Baden zurück, um die Ausstellung mit seinen Bildern und Zeichnungen im Untergeschoss des Museums zu eröffnen. Lindenberg freute sich über den Besuch vieler alter Freunde und Weggefährten, darunter Schauspieler Mario Adorf und Konzertveranstalter Fritz Rau, den er herzlich begrüßte: "Fritze, Fritze", rief er aus, als er ihn erblickte.
Überhaupt war der "Panikrocker" in allerbester Laune. Er sang zunächst seinen Gassenhauer "Cello", begleitet von Gitarre und Klavier, und lieferte sich dann mit SWR-3-Moderatorin Stefanie Tücking einen Plausch mit hohem Unterhaltungswert. Gefragt, wie er zur Malerei gekommen sei, fabulierte er von überirdischen Mächten, die ihn durchdrungen hätten und deren Instrumentarium er sei: "Wie eine Attacke hat's mich getroffen." Mit einem lang gezogenen "Udooo" rief ihn Tücking scherzhaft zur Räson - wie einen kleinen Jungen, der nur Flausen im Kopf hat.
Jeder merkte, dass Lindenberg sich und sein Image selbst auf die Schippe nahm. Tücking lieferte Vorlagen, Lindenberg setzte eine Pointe nach der anderen und wirkte dabei rundum sympathisch.
Das New-Pop-Festival stelle Baden-Baden auf den Kopf, meinte er mit Blick auf das Festival-Plakat. Darauf reichen sich zwei Lindenberg-Strichmännchen die Hand, eines mit dem Kopf nach unten. "Wir sind immer gern' am Start für was Neues. Wir sind ready for Revolution", zog er die Parallele zu den Bands, die neue Musik nach Baden-Baden brächten.
Bevor er wieder als Sänger auftrat und für Stimmung sorgte, ermunterte er die Gäste zu einem Rundgang durch die Ausstellung, die rund 900 Werke aus seiner Privatsammlung zeigt. Darunter finden sich die von ihm erfundenen Likörelle, gemalt mit Eierlikör, Blue Curacao oder Grenadin. Es damit bis ins Museum Frieder Burda geschafft zu haben, bereitet ihm offenbar geradezu kindliche Freude: "Pitsch, patsch: Mit Schnaps auf die Dinger - und jetzt in so einem hohen Haus."
Die Ausstellung ist von Dienstag, 16., bis Sonntag, 28. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr zu sehen.
Quelle: Michael Brenner/www.badischestagblatt.de