CALW. „Sei du selbst“, sagt der eine. „Mach’ dein Ding“ der andere. Brüder im Geiste sind sie, seelenverwandt – der Rockstar und der Dichter. Udo Lindenberg und Hermann Hesse. Und der Calwer Literaturnobelpreisträger ist nicht nur Inspiration und Ansporn für den Gronauer Echo-Preisträger, sondern sorgt auch dafür, dass der Panikrocker mit weiteren Preisen bedacht wird. So wie jetzt in Calw mit der Auszeichnung der Initiative „Deutschland Land der Ideen“ der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.
Denn Lindenbergs Stiftung, die sich unter anderem für Menschen in Afrika sowie junge Musiker und deren Beschäftigung mit dem Werk des Dichters einsetzt, wurde als einer der „365 Orte im Land der Ideen“ ausgewählt. Und für das Multitalent ist dieser undotierte Preis vor allem eine Bestätigung seiner Arbeit – seiner sozialen, aber auch seiner künstlerischen. Denn seine Songtexte – so sagt Lindenberg selbst – hätten durch die intensive Auseinandersetzung mit Hesse an Tiefe und Wahrhaftigkeit gewonnen.
Doch auch gemeinsame musikalische Vorlieben wurden an diesem Verleihungsabend in den Räumen der Sparkasse Calw offenbart: Der Dichter, so schilderte Hesse-Experte Herbert Schnierle-Lutz, sei gut gemachter Populärmusik nicht negativ gegenübergestanden. „Und wenn man Udo fragt, welche Musik er am liebsten hört, dann erhält man die Peer Gynt-Suite und Mahlers 5. Sinfonie zur Antwort“. Wie sich Musikbeschreibung bei Hesse anhört, das stellte SWR2-Sprecher Rudolf Guckelsberger in seiner Lesung aus dem „Steppenwolf“ vor.
Wie sich Musikbegeisterung bei Udo Lindenberg äußert, das erlebten die zahlreichen Gäste gleich in drei verschiedenen Aspekten: Lokal – mit der aus Altensteig stammenden Rockband „Burning Soil“, die in ihrem Song „Schönes Heute“ einen Hesse-Text verwenden. Preisgekrönt – mit Nele und ihrer Band, die für ihre Rockballade „Im Nebel“ mit dem Sonderpreis der Lindenberg-Stiftung ausgezeichnet worden war. Und absolut mitreißend: Denn Udo Lindenberg war an diesem Abend in bester Spiellaune, okkupierte sogar kurz das Schlagzeug der Altensteiger Jungs und fetzte unter anderem mit Titeln wie „Andrea Doria“, Gershwins „Summertime“ oder Chuck Berrys „Johnny B. Good“ so richtig los.
Text: Sandra Pfäfflin
Foto: www.land-der-ideen.de