01. Oktober 2010 "Sie ist der Jäger, ich bin das Wild"

Quelle
BZ, 01.10.2010

Panik-Rocker Udo Lindenberg und seine Freundin Tine Acke über ihre Beziehung, Schönheitsschlaf und den Umzug nach Berlin

Udo Lindenberg (64) und Tine Acke (33) sind seit 2002 ein Paar. Nun haben sie den Fotoband "Stark wie Zwei" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 49 Euro) gemacht. Ein B.Z.-Gespräch.

Wie kam es zu dem Fotoband?

Tine: Ich habe Udo ein Fotobuch zum Geburtstag gemacht. Als es Oliver Schwarzkopf, der Verleger, in die Hand bekam, wollte er es unbedingt herausbringen.
Udo: Und ich dachte, dass sind so exzeptionelle Fotos, die darf man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten.

Darfst du immer fotografieren?

Tine: Immer. Na, am besten ab späten Nachmittag.
Udo: Der Schönheitsschlaf ist ja wichtig. Bis eins oder zwei oder so. Tine ist immer unauffällig. Und dann aus irgendwelchen geheimen Winkeln heraus macht sie klickediklick und dann sind wieder geile Fotos entstanden. Frau Flinkfinger, die schnell aus der Hüfte schießt wie Clint Eastwood. Sie ist der Jäger, ich das Wild.

Wo habt Ihr euch kennengelernt?

Tine: Bei einer Jamsession in Hamburg. Da kam Udo von hinten und hat mich angesprochen.

Was hast du gedacht, als der leibhaftige Lindenberg da stand?

Tine: Ich habe mich gewundert.
Udo: Ich dachte: O. k. interessant, was sie macht und so. Und wie so dasteht, einfach umwerfend.

Wie baggert Lindenberg?

Udo: "Ey, du bist ja ziemlich lecker." (zu Tine)

So war das oder?

Tine: (grinst) So ungefähr.

Dann seid ihr 2002 nach New York gefahren und Udo hat dir deine erste richtige Kamera zum Geburtstag geschenkt.

Udo: Habe überlegt: Topf-Blume, neues Negligé, Gummibaum. Oder Kamera! Sie hatte noch wenig Ahnung von den Objektiven, Subjektiven und so. Und trotzdem hat sie sofort obergeile Fotos geschossen.

Was verbindet euch?

Udo: Ihre Fotografiererei war wie meine Trommelei. So straßenmäßig also: keinen akademischen Hintergrund. Sondern einfach: machen. Naturgenie und so. Das Huskyauge mit dem Erkennerblick. Über die Jahre ist eine Vertrautheit entstanden.

Gibt es Fotos von Udo ohne Hut?

Tine: Ja, verschlossen in verschiedenen Tresoren an geheimen Orten.

Wie ist es, zusammen zu arbeiten und zusammen zu leben?

Tine: Jeder hat seinen Bereich.
Udo: Sie ihre Villa kunterbunt, ich in meiner Panik-Zentrale im Hotel.

Was stört dich an Udo?

Tine: Udo hat immer sehr, sehr viele Leute um sich herumwuseln. Immer. Rund um die Uhr, auch nachts.

Es gibt Gerüchte, dass du nach Berlin ziehst.

Udo: Ich bin sowieso viel in Berlin. Mit dem halben Herzen mindestens. Für die Zeit, wo mein Musical "Hinterm Horizont" gestartet wird. Am 9. Oktober beginnen die Proben in Berlin. Direkt nach Weihnachten zieh ich nach erst mal her. Damit ich in das Stück reinkriechen kann.

Und wo wirst du wohnen?

Udo: Das Hyatt ist ja ziemlich naheliegend. Direkt am Musical-Theater.

Was macht das Panikmuseum?

Udo: Ein Haus für meine Malerei, Schalmei und Stasiakten und Lederjacken. Mal gucken, wo es hinkommt. Hamburg zögert. Kann auch gut Berlin sein. In einem Monat muss die Entscheidung stehen. Berlin wäre ganz schön gut, wegen Honni und Mauerfall, Teilung auch und Tralala.

Vor zehn Jahren sagtest du, Udo, du bist für Kinder noch zu jung. Und jetzt?

Tine: Jetzt fühlst du dich zu alt, oder?
Udo: (ernst) Kinder sind kein Thema. Es gibt ja viele Panikkinder. Lindenberg-Kindergärten und -Schulen und eine Stiftung, ein eigenes Haus gibt es auch. Ein Lindenberg-Haus sogar in Tansania.

Text: Dirk Krampitz
Foto: dpa